Tränenreicher Abschied
Restaurant „ET up’n Bült“ hat geschlossen

Münster -

Gerd und Walburga Schulnies haben ihr Restaurant „ET up’n Bült“ nach 41 Jahren geschlossen. Das Ehepaar geht in den Ruhestand. Ein neuer Gastronom ist im Gespräch.

Mittwoch, 18.09.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 18.09.2019, 07:04 Uhr
Das Restaurant „ET up’n Bült“ hat geschlossen. Foto: gh

Viele Stammgäste und Promis kehrten bei Walburga und Gerd Schulnies im „ET up’n Bült“ ein. Das Restaurant steht seit 41 Jahren unter ihrer Regie für Essen und Trinken – und für einen gemütlichen Abend. Damit ist nun Schluss, die Küche am Bült bleibt vorerst kalt, denn Gerd (66) und Walburga Schulnies (67) gehen Ende des Monats in den Ruhestand. Anfang des kommenden Jahres, hoffen die Gastronomen, wird es unter einer neuen Leitung am Bült weitergehen.

Momentan aber hat sich die gewohnte Gemütlichkeit in der kleinen Gastronomie verabschiedet. Walburga Schulnies möchte nur ihre Häkelborden vom Kamin mitnehmen. Wer noch Porzellan und Gläser sucht, der sollte jetzt zugreifen. Das Ehepaar Schulnies ist im „ET“ immer mittags zwischen 11 und 13 Uhr beim großen Aufräumen anzutreffen.

Prominente Gäste

Sehr viel gemütlicher sah es in der Vergangenheit in dem gastlichen Haus aus. Schauspieler Gerd Fröbe wusste das Essen zu schätzen, auch Dieter Hallervorden und Udo Jürgens kehrten bei den Schulnies ein. Auch der chinesische Klavierspieler Lang Lang und der Musiker Roger Whittaker saßen im „ET“ am Kamin.

Ein Tränenmeer floss bei vielen Stammgästen, als sie erfuhren, dass das Restaurant geschlossen wird, erzählt Walburga Schulnies. Viele Münsteraner mochten das kleine Lokal, darunter zahlreiche Schlaun-Schüler, die schon Gäste im Haus waren, als dort noch Mutter Wessels und Tochter Brunner von 1958 bis 1978 ihre Bierkneipe „Up’n Bült“ betrieben haben. Zuvor befand sich in dem Lokal das ehemalige Kolonialwarengeschäft Spickermann.

Gebäude aus dem 18. Jahrhundert

Gebaut wurde das Haus in den 60er-Jahren des 18. Jahrhunderts. Damals, erinnert Walburga Schulnies, befand sich am Bült 23 das Stammhaus der Bäckerei Krimphove, die auch über Brauereirechte verfügt habe.

Walburga und Gerd Schulnies gehen in den Ruhestand.

Walburga und Gerd Schulnies gehen in den Ruhestand. Foto: gh

Das Gebäude aus der Schlaunzeit steht seit 1981 unter Denkmalschutz – und hat so seine Eigenarten. Im Winter gingen beispielsweise während einer längeren Kältezeit die Fußbodenplatten im Gastraum hoch, um sich dann aber wieder zu senken.

Bis 1978 verpachtete die damalige Hausbesitzerin die Räume an die Dortmunder-Union-Brauerei. Dann erfolgte ein Wechsel. Rainer Tillkorn und Franz-Josef Nemann, zwei Schulfreunde von Gerd Schulnies, übernahmen den Betrieb, Gerd Schulnies stieß dazu. Er hatte im Hotel Schnellmann in Münster gelernt, ging zunächst in die Schweiz und war dann im Restaurant „Beiderlinden“ im Aegidiimarkt tätig. Der Liebe wegen wurde er in Münster sesshaft. Walburga Schulnies aus Coesfeld, die in Münster ihr Studium der Ethnologie und Erziehungswissenschaft absolviert hatte, kümmerte sich, nachdem die Kinder groß waren, um den Service im „ET“.

Lammfilet mit Schneckenrahmsauce

Seit 1984 betreibt das Ehepaar das Restaurant am Bült alleine. Teilweise waren bis zu sieben Köche im „ET“ beschäftigt. Das Lammfilet mit Schneckenrahmsauce, ihre Steaks, der Feldsalat mit Walnussmarinade und ihr Aperitif mit eingelegten Himbeeren seien der Renner gewesen, erzählt Walburga Schulnies

Aus der Kneipe mit Schnittchen und Kartoffelsalat wurde unter dem Ehepaar eine besondere Küche mit einem „Sünderbänkchen“ im Beichtstuhl, von dem aus sich die kleine Gastronomie überblicken ließ.

Der Gedanke zu schließen, kam dem Ehepaar immer wieder. Vor allem, „wenn uns Baustellen das Leben schwer gemacht haben“, erzählt die 67-Jährige. Auch die Eröffnung neuer Gastronomie am Aasee und am Hafen hätten sie gespürt – Schulnies blieben standhaft.

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