EU im Fokus der Dom-Gedanken
Die Suche nach dem Mittelweg

Münster -

Weder Panik noch Illusion seien gute Ratgeber – Dr. Andreas Rödder hat sich bei den Dom-Gedanken zur Situation der Europäischen Union geäußert.

Donnerstag, 22.08.2019, 23:00 Uhr
Dr. Andreas Rödder sprach bei den Dom-Gedanken. Foto: Bistum

„Wir stehen vor den Trümmern unserer Erwartungen“ – gleich zu Beginn seines Vortrags im Rahmen der Dom-Gedanken setzt Dr. Andreas Rödder , Professor für Neueste Geschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz , am Abend des 21. August im St.-Paulus-Dom in Münster einen starken Akzent.

Der Historiker zieht an dem Abend Bilanz und skizziert zum Schluss seine Vision einer Europäischen Union (EU), die hoffnungsvoll stimmt: Die EU hat durch ihre Vielfalt und ihre historischen Errungenschaften Zukunftspotenzial – wenn sie sich flexibel und offen zeigt, keinen regulierenden Einheitsstaat anstrebt und historischer Realismus wie auch historisch-politische Kreativität und politischer Wille vorhanden sind und ausgebaut werden.

Neuerlicher Machtanspruch Russlands

„So weiter machen, wie bisher, das geht nicht“, macht Rödder deutlich. Die EU sei nicht nur durch populistische Kräfte im Inneren bedrängt, sondern auch von außen; und zwar durch einen amerikanischen Präsidenten, der sie nicht als Partner verstehe, einen neuerlichen Machtanspruch Russlands, ein aufstrebendes China und Migrationsbewegungen.

Das zeige Prognosen auf, die ebenso düster seien, wie es die Euphorie nach 1990 nach der Unterzeichnung der „Charta von Paris für ein neues Europa“ und des Vertrags von Maastricht mit dem Streben nach einer „immer engeren Union der Völker Europas, war, erläuterte der Historiker. „Beides, Panik und Illusion“, resümiert Rödder, „seien keine guten Ratgeber.“

Auf Stärken besinnen, Schwachstellen beachten

Wie kann ein Europa aussehen, das funktioniert und nicht nur schützt? Indem es sich laut dem Mainzer Historiker auf das besinnt, was es erreicht hat. „Was 1945 niemand für möglich gehalten hat, ist eingetreten: Wir haben eine völlig neue Art des Umgangs miteinander gefunden“, macht er deutlich.

Er betont gleichzeitig, dass man aber die Augen vor den Schwachstellen nicht verschließen dürfe. So sei die EU kein „global player“ in der internationalen Politik. Wenn es ernst werde, sei Europa derzeit uneins und international nicht handlungsfähig.

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