Prekäre Arbeitsbedingungen
Flaschenpost: Weiter Kritik an sanitären Anlagen

Münster -

Zum offenen Austausch lud die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten die Mitarbeiter der Lieferdienste Foodora und Flaschenpost ein. Dabei ging es um Arbeitsbedingungen und die Gründung von Betriebsräten.

Dienstag, 20.08.2019, 19:30 Uhr aktualisiert: 20.08.2019, 21:28 Uhr
Das münsterische Unternehmen Flaschenpost steht weiterhin in der Kritik für seine Arbeitsbedingungen. Foto: Papsch/Flaschenpost

Die Kritik am schlechten Zustand der sanitären Anlagen im münsterischen Unternehmen Flaschenpost steht im Raum. Auch dass Fahrer bei Hitze mit ihren Transportern ohne Klimaanlage unterwegs sein müssen, um Sprit zu sparen, ist einer von zahlreichen Vorwürfen, die mutmaßliche Mitarbeiter des Getränkelieferanten Flaschenpost in Münster in einem anonymen Schreiben an ihre Chefs geäußert haben ( wir berichteten [WN+]). Mit diesem Brief hätten sie nichts zu tun, sagten am Dienstag einige Beschäftigte des Getränke-Lieferdienstes bei einem Gespräch im Gewerkschaftshaus.

SPD-Landtagsabgeordnete will politisch eingreifen

Piet Meyer von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hatte dazu sowohl Mitarbeiter des Lieferdienstes Foodora als auch der Flaschenpost eingeladen. Der Gewerkschaftssekretär betonte, dass ihm die Verfasser des Briefes an die Flaschenpost nicht bekannt seien, dennoch hielt er das Schreiben für authentisch. Der Inhalt decke sich mit seinen Erfahrungen: Seit über einem Jahr werde ihnen von Mitarbeitern der Flaschenpost die prekäre Situation im Unternehmen geschildert. Darum, so Meyer, die Einladung zum offenen Austausch im Gewerkschaftshaus, an dem auch die SPD-Landtagsabgeordnete Christina Kampmann teilnahm.

Ihr gehe es darum, betonte die Sozialdemokratin, die sich für den SPD-Vorsitz beworben hat, sich ein realistisches Bild vor Ort machen zu wollen, um politisch eingreifen zu können. Sie horchte bei der Befristung von Arbeitsverträgen in den Unternehmen auf. Die Forderung, diese Befristungen abzuschaffen, nahm sie mit in die Politik. Es gehe ihr auch um die Unterstützung für neue Arbeitsformen, die im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung der Arbeitswelt auftauchten.

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SPD-Politikerin Christina Kampmann im Gespräch mit Mitarbeitern der Lieferdienste Foodora und Flaschenpost. Gewerkschaftssekretär Piet Meyer (3.v.r.) und Geschäftsführer Helge Adolph (r.) von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hatten zum Austausch ins Gewerkschaftshaus eingeladen. Foto: Gabriele Hillmoth

Aus ihrer Praxis berichteten Beschäftigte der münsterischen Flaschenpost. Aaron Remus beispielsweise ist seit zweieinhalb Jahren mit einem 450-Euro-Job für den Getränkelieferanten tätig. Zweimal pro Woche arbeitet er neben seinem Studium für das Unternehmen. „Ich kann hier nur für mich sprechen“, machte er deutlich. „Ich würde die Situation nicht als menschenunwürdig bezeichnen.“ Gleichwohl bemängelt Remus, für den die Bezahlung und die sportliche Herausforderung im Job eine Rolle spielen, die Zustände in den sanitären Anlagen.

Alle anderen Punkte habe es mal vor zwei Jahren gegeben. „Bei einer schnellen Expansion bleibt manchmal etwas auf der Strecke“, meinte ein Kollege.

Mitarbeiter bemängelt fehlende Wertschätzung

Aaron Remus ist überzeugt: „Selbst, wenn ich 100-prozentig zufrieden bin, wäre ich für einen Betriebsrat.“ Er berichtete in diesem Zusammenhang, dass es Bestrebungen geben würde, einen Wahlvorstand aufzustellen.

Die Arbeit wird nicht wertgeschätzt, bemängelte ein Mitarbeiter der Flaschenpost, dabei hätten sie kürzlich an heißen Tagen rund 1200 Getränkekisten in rund fünf Stunden bewegt. Florian Wieners kam auf ein Bonussystem im Unternehmen zu sprechen, das seiner Meinung nach nur den Konkurrenzkampf fördert.

Sanitäre Anlagen zu selten geputzt?

Heftige Kritik übte mit Udo Therling ein ehemaliger Mitarbeiter, der aber nur bis Ende 2018 bei der Flaschenpost beschäftigt war und dessen befristeter Vertrag nicht verlängert worden sei. Dass die sanitären Räume nur ein- bis zweimal pro Woche geputzt werden, reiche nicht aus. „Man braucht dafür Gummistiefel“, meinte er.

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