Ausbau der B 51
Zurück auf Anfang in der Schrebergartenanlage Damaschke

Münster -

Kleingärten liegen im Trend. Besonders in wachsenden Großstädten wie Münster freuen sich die Bewohner über ein kleines Stückchen Grün. Dabei stehen alte und neue Anlagen zunehmend in Konkurrenz zu Straßen- und Wohnungsbauprojekten. Ein Besuch in der Schrebergartenanlage Damaschke zeigt, wie ein Kompromiss gelingen kann. 

Donnerstag, 19.09.2019, 11:27 Uhr aktualisiert: 19.09.2019, 16:33 Uhr
Foto: Anne Koslowski

Kleingärten werden immer beliebter. "Besonders junge Familien verwirklichen hier ihren Wunsch nach einem eigenen Garten", heißt es in einer aktuellen Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Auch in Münster zeigt sich die Entwicklung deutlich. Auf eine Parzelle in Innenstadtnähe kommen fast 40 Bewerber.

Um der Nachfrage besser gerecht zu werden entstehen mancherorts kleinere Gärten, große werden geteilt und mehr Flächen gemeinschaftlich genutzt. Immerhin schrumpft der Bestand bislang kaum, denn wegfallende Kleingärten müssen laut dem Bundeskleingartengesetz ersetzt werden. In Münster sind Schrebergartenanlagen zudem durch Bebauungspläne gesichert und zusätzliche Flächen entstehen - wenn auch nicht mehr innenstadtnah so doch - weiterhin am Stadtrand wie in Roxel und Mecklenbeck. 

Eine Anlage, in der sich die konkurrierenden Nutzungsansprüche deutlich zeigen, ist die Kleingartenanlage Damaschke. Wegen des Ausbaus der B 51 musste der Verein einen Teil seiner Anlage aufgeben, weil dort der Zubringer von der Wolbecker Straße auf die verbreiterte Umgehung gebaut wurde.

Ein Besuch bei den Sauers , die neben neun anderen Gartenbesitzern ihre "grüne Oase vom Alltag" während der Bauarbeiten aufgeben mussten und nun endlich zurückkehren durften - und bei Null anfangen müssen. 

Hüfthohes Unkraut in den neuen Gärten

Hüfthoch und dicht steht das Unkraut auf einem der neu angelegten Schrebergärten in der Kleingartenanlage Damaschke. "Das sieht so wüst aus", sagt Ludger Sauer mit Blick auf die "Grün-Düngung" auf dem noch unverpachteten Nachbargrundstück. Bis vor Kurzem sah die neu angelegte Parzelle von ihm und seiner Frau Bettina noch genauso aus.

Doch nach einer dreijährigen Durststrecke aufgrund des Ausbaus der Umgehungsstraße B 51 konnten sie es nicht mehr abwarten, in ihren Garten zurückzukehren. "Die Hütte stand noch nicht, da hatten wir den Acker schon bepflanzt", erzählt Ludger Sauer.

Einige Monate später kann das Paar schon Zwiebeln und Blaubeeren ernten. Beete mit Kartoffeln, Kohlrabi, Kopfsalat, Möhren, Zucchini, Wirsing und eine kleine Tomatenhütte der "Marke Eigenbau" sind angelegt. Nur ihre alten Rosenstöcke befinden sich noch in Kübeln auf dem schräg gegenüberliegenden Nachbargrundstück. Während der mehrjährigen Bauphase diente sie als Übergangslösung. Dort sowie in einem Container und im Garten von Ludger Sauers "Brüderchen" lagerten sie ihr Material, die Geräte und Möbel ein. 

Ludger und Bettina Sauer haben zwar eine neue Laube, dämmen und ausbauen müssen sie sie aber selbst.

Ludger und Bettina Sauer haben zwar eine neue Laube, dämmen und ausbauen müssen sie sie aber selbst. Foto: Anne Koslowski

Pächter waren vorgewarnt

Dass sie eines Tages ihren Garten verlassen würden, wussten sie von Anfang an. "Dass der Straßenbau kommt, wussten wir schon bei der Anpachtung vor 20 Jahren", erzählt Ludger Sauer. Schon damals konnten sie sich deshalb die neuen Hütten aussuchen. Gedämmt sollte sie sein, mit einem Spitzboden und vielen Fenstern.

Daraus ist nichts geworden. Die Dämmung müssen sie selbst anbringen. Einen Spitzboden und die vielen versprochenen Fenster kann die neue Hütte nicht vorweisen. "Aber man kann was draus machen", sagt Ludger Sauer, während er in dem noch nicht eingerichteten Holzhäuschen steht. Dennoch trauert er seiner alten Steinhütte, in der er einen Ofen haben durfte, etwas hinterher. "Das ist nicht mehr erlaubt." Auch die alte Veranda sei zehn Mal größer gewesen als die neue, dem neuen Grundstück fehlen nun 70 Quadratmeter. 

Wenn du bei Null anfangen musst, siehst du immerhin, was du geschafft hast. 

Bettina Sauer

In dem provisorischen Garten zu bleiben kam für sie trotz alledem nicht in Frage. Zu schattig und die Hütte zu klein mit einem Asbest-Dach. Dann doch lieber zurück in den alten, wenn nun auch kleineren Garten und wie Pioniere ganz von vorne mit dem Bepflanzen anfangen. "Wenn du bei Null anfangen musst, siehst du immerhin, was du geschafft hast", sagt Bettina Sauer. 

Für die Sauers war immer klar, dass nichts über ihren eigenen Schrebergarten geht. Schon Ludger Sauers Eltern hatten einen Garten in der Anlage. Auch sein Bruder ist dort. "Ich habe hier Fahrradfahren gelernt und im Vorbeifahren Kirschen und Pflaumen geklaut", erinnert sich der 56-Jährige.

Selbst die nun viel mehr als früher hör- und sichtbaren Autos auf der Wolbecker Straße, die nur durch einen noch unbepflanzten Wall von ihrem Garten getrennt verläuft, stört sie nicht. "Hauptsache man hat ein Stück Land. Ich kann nicht mehr ohne meinen Schrebergarten", sagt Bettina Sauer. 

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