Caritasverband feiert sein 50-jähriges Bestehen
„Für Menschen, für Münster“: Rat und Hilfe – auch online

Münster -

50 Jahre Caritasverband für die Stadt Münster – dieses Jubiläum wird in der kommenden Woche gefeiert. Anlass für unsere Redakteurin Karin Völker, mit Caritas-Vorständen über die Arbeit des Verbandes und die Perspektiven zu sprechen.

Sonntag, 23.06.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 23.06.2019, 08:20 Uhr
Thomas Schlickum (l.) und Sebastian Koppers führen als Vorstände die Geschicke des Caritasverbandes der Stadt Münster. Foto: Caritas Stadtverband

Der Caritasverband für die Stadt Münster feiert am Freitag (28. Juni) sein 50-jähriges Bestehen. Mit einem Gottesdienst in der Lambertikirche und einem Festakt im Rathaus begeht die Organisation fünf Jahrzehnte sozialer Arbeit vor Ort in der Stadt. Thomas Schlickum und Sebastian Koppers sind die beiden Vorstände des Caritasverbandes für die Stadt Münster. Mit ihnen sprach unsere Redakteurin Karin Völker über die Arbeit des Caritasverbandes und die Perspektiven der sozialen Arbeit für die Zukunft.

Der Caritasverband hat in seiner Geschichte immer mehr Aufgaben übernommen. Liegt es daran, dass die sozialen Probleme in der Stadt wachsen?

Sebastian Koppers: Gewachsen ist in jedem Fall die Professionalisierung der sozialen Arbeit. Unsere Arbeit reagiert natürlich auch auf den gesellschaftlichen Wandel. Viele Aufgaben, die früher traditionell in der Familie erledigt wurden, haben sich verlagert.

Thomas Schlickum: Alte Menschen wurden früher meistens von Angehörigen gepflegt. Damals waren viele Frauen nicht berufstätig, das ist heute anders. Und viele Menschen werden heute in der Regel deutlich älter und häufig am Ende des Lebens auch pflegebedürftig.

Die Professionalisierung gilt doch auch für Kinderbetreuung  . . .

Koppers: Unsere Arbeit konzentriert sich auf die spätere Phase des Lebens und die frühe, also auf Kinder und Jugendliche. Die Förderung und Bildung in Kindertagesstätten hat heute einen deutlich höheren Stellenwert als vor 50 Jahren.

Der Caritasverband in Münster betreibt nur zwei Kitas. Warum nicht mehr? Mit Kitas könnte die Kirche auch junge Familien erreichen.

Schlickum: Die beiden Kitas, die wir betreiben, haben besondere Aufgaben – und formal ist der Betrieb von Kitas eine Aufgabe der Kirchengemeinden. Der Caritasverband sieht hier gleichwohl einen sehr großen Bedarf. Wir könnten mit der sozialen Arbeit für Kinder und Jugendliche auch besser präventiv wirken, wenn wir zusätzlich noch Kita-Angebote machen könnten. Junge, hilfebedürftige Familien haben wir seit jeher mit unserer Arbeit im Blick. Wir organisieren sogenannte „Frühe Hilfen“, wenn ein Baby geboren ist, wir bieten Erziehungsberatung an bis zur Jugendgerichtshilfe.

Ist die Nachfrage groß?

Koppers: Oh ja – und wir versuchen, uns zu modernisieren, indem wir auch digitale Beratung anbieten – über Video-Chat.

Wir sind dabei, eine Beratung zu etablieren, die rund um die Uhr erreichbar ist.

Thomas Schlickum

Schlickum: Wenn eine junge Mutter am Wochenende um 23 Uhr mit ihrem pausenlos schreienden Kind allein ist, will sie nicht auf einen Termin in der Sprechstunde irgendwann, frühestens am Montag warten, sondern sofort Rat und Hilfe bekommen. Wir sind dabei, eine Beratung zu etablieren, die rund um die Uhr erreichbar ist.

Wie gehen Sie in Ihren Einrichtungen mit dem Pflegekräftemangel um? Hat der Caritasverband als kirchlicher Träger mehr Spielräume als private Betreiber?

Koppers: Wir spüren den Druck genauso wie alle anderen. Weil es auf dem Arbeitsmarkt schlicht kaum qualifizierte Bewerber gibt, konzentrieren wir uns darauf, den eigenen Nachwuchs selbst auszubilden. Der Ausbildungstarif in der Caritas-Altenpflege ist der zweithöchste Ausbildungstarif überhaupt, und Altenpfleger werden bei uns nach demselben Tarif wie Krankenpfleger entlohnt.

Schlickum: Es geht aber auch um Personalentwicklungskonzepte und Arbeitsorganisation, damit unsere Mitarbeiter bei uns bleiben. Wir nehmen aber bei Altenpflegern ein recht hohes Interesse wahr, bei kirchlichen Trägern zu arbeiten. In unseren Einrichtungen begleiten Seelsorger das Personal bei der Begleitung Sterbender. Wir nehmen wahr, dass die Werteorientierung in der Altenpflege ein arbeitsmarktpolitischer Vorteil ist.

Wer bei uns arbeitet, sollte unsere Werte teilen.

Sebastian Koppers

Die Kirche hat in der Gesellschaft nicht mehr eine so umfassende Bedeutung wie früher. Schließt die kirchliche Orientierung nicht möglicherweise manche Menschen als potenzielle Mitarbeiter aus?

Koppers: In unseren Einrichtungen arbeiten Menschen aller Konfessionen und Religionen, auch ohne Religionszugehörigkeit, und auch die sexuelle Orientierung von Mitarbeitern ist kein Einstellungskriterium. Wer bei uns arbeitet, sollte unsere Werte teilen. Dies können auch Menschen, die nicht katholisch sind.

Wo sehen Sie künftige Aufgaben und Schwerpunkte der Arbeit des Caritasverbandes für die Stadt Münster?

Koppers: Zu unserem Jubiläum haben wir ja einen neuen sogenannten Claim entwickelt: „Für Menschen, für Münster“. Das beschreibt sehr gut unsere Orientierung. Wir fragen uns, welche sozialen Dienstleistungen die Menschen in Münster benötigen, und richten uns danach aus.

Schlickum: Konkret fokussieren wir uns auf Wohnquartiere, versuchen, dort ansprechbar zu sein, wo die Leute wohnen, uns brauchen. Außerdem vernetzen wir mit unserer Arbeit die Leute vor Ort. Neben der Digitalisierung von Angeboten ist das die zweite Richtung, die wir jetzt verstärkt einschlagen.

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