Abendvisite
Hohe Hacken sind als Ursache aus dem Schneider

Münster -

Der früher so schön schmale Fuß wird immer breiter: Der Hallux valgus plagt viele Frauen – nicht nur optisch. Viele Fragen beantwortete am Dienstag Prof. Dr. Robert Rödl, Chefarzt für Kinderorthopädie, Deformitätenrekonstruktion und Fußchirurgie aus dem Universitätsklinikum Münster.

Mittwoch, 22.05.2019, 22:00 Uhr
Viele Fragen beantwortete Prof. Dr. Robert Rödl (l.) bei der Abendvisite. Unser Redakteur Martin Kalitschke (r.) moderierte. Foto: ohw

Der Blick nach unten: einfach unerfreulich. Der früher so schön schmale Fuß wird immer breiter. Und ganz klar – die Schuhe werden es auch. Nicht schick, nicht flott, nicht modisch. Der Hallux valgus plagt viele Frauen – nicht nur optisch. Oft genug ist die Fehlstellung und Verformung am Vorfuß auch mit Schmerzen verbunden – und dann ist die Medizin gefordert.

Kann man vorbeugen? Wann ist eine Operation unumgänglich? Haben meine Rückenschmerzen etwas mit dem Hallux zu tun? Diese Fragen – und noch viele mehr – beantwortete am Dienstag Prof. Dr. Robert Rödl am laufenden Band. Der Chefarzt für Kinderorthopädie, Deformitätenrekonstruktion und Fußchirurgie aus dem Universitätsklinikum Münster erläuterte in der Abendvisite, wie ein Hallux valgus entsteht, wie eine konservative Therapie aussehen kann und wie Krallenzehen, die ebenfalls oft daraus erwachsen, behandelt werden.

Hohe Hacken sind aus dem Schneider

Die oft verteufelten „hohen Hacken“ als Ursache für den Hallux sind seit Dienstagabend jedenfalls aus dem Schneider. Ja, sie verändern die Körperspannung, die Haltung, die Ausstrahlung ihrer Trägerinnen, unterstrich der Experte. Aber nein, sie sind nicht verantwortlich für die Verformung. Füße – vorzugsweise bei Frauen – werden breiter, weil ihre Bänder lockerer und weicher werden, weil ihr Bindegewebe anders ist als das der Männer. Natürlich könnten High Heels Schmerzen beim Tragen auslösen, weil der Fuß in eine ganz andere, steile Position gebracht wird, die Deformation dagegen geht nach Aussagen von Prof. Rödl nicht auf ihr Konto.

Um dem Hallux den Garaus zu machen, sei eine Vielfalt von Einlagen auf dem Markt: „Manche Patienten kommen mit einem ganzen  Beutel an Modellen.“ Einlagen können den Druck umverteilen, sie können entlasten und auch den Schmerz lindern: „Sie können den Fuß aber nicht wieder schmal machen.“ Von Schienen, die die Großzehen angeblich nach außen biegen,  ist Prof. Rödl nicht überzeugt. „Ein breiter Fuß bleibt breit.“ Einen schlanken Fuß erreiche man nur durch einen chirurgischen Eingriff – und den, so appellierte er an seine Zuhörer, solle man sich auf jeden Fall gut überlegen. Entscheidend sei der Leidensdruck, den ein Patient habe – und seine Einschränkungen im Alltag.

"Führen Sie Tagebuch"

Die individuelle Wahrnehmung und der Anspruch jedes Einzelnen an sein Leben spiele eine wichtige Rolle: „Führen Sie ein Tagebuch“, riet er am Dienstagabend. „Wie oft ärgert mich mein Fuß, wie groß sind die Schmerzen, die Probleme, die er macht?“ Bei manchen reiche schon die Verzweiflung über nicht passendes Schuhwerk, um den Entscheidungsprozess zu beschleunigen.

Die Operation sei immer ein Wahleingriff. „Sie entscheiden, ob, wer und wann“, betonte der Fachmediziner. Und gab zu bedenken, dass der Knochen durchtrennt und neu verschraubt werden müsse. Die Schrauben bleiben in der Regel im Fuß. Darf man mit einem Hallux barfuß am Strand laufen, oder verschlimmere das die Probleme? „Das ist ein gutes Fußtraining, aber nicht übertreiben.“ Und auch zur Frage nach den Rückenschmerzen nahm er die Sorge: „Das hat nichts miteinander zu tun.“

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