Betrug und Insolvenzverschleppung
Gerade noch Bewährung

Münster -

Lange Zeit gingen die Geschäfte des Münsteraners gut, als das nicht mehr der Fall war, brachte er seine Kunden mittels eines Schneeballsystems um ihr Geld. Jetzt wurde der 43-Jährige verurteilt – mit der Milde für einen, der wieder auf den richtigen Weg zurückgefunden hat.

Mittwoch, 22.05.2019, 17:00 Uhr
  Foto: dpa

Ein 43-jähriger Münsteraner ist vor dem Landgericht zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Ihm wurde Insolvenzverschleppung und gewerbsmäßiger Betrug, ursprünglich in über 400 Fällen, vorgeworfen. Das Verfahren wurde jedoch auf 37 Taten und einen Schaden von rund 55.000 Euro beschränkt.

Jahrelang gingen die Geschäfte des Münsteraners gut. Als Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter einer GmbH soll er monatlich um die 5000 Euro zur Verfügung gehabt haben. Ab 2011 ging es mit dem Online-Unternehmen, das hauptsächlich mit Sofas handelte, wohl aufgrund falscher unternehmerischer Entscheidungen bergab. Die Staatsanwältin äußerte in ihrem Plädoyer den Verdacht, er habe etwas zu dick auftragen wollen.

Mit 1,6 Millionen in der Kreide

Der Richter stellte in seiner Urteilsbegründung fest, dass der Angeklagte wissentlich die Kunden, denen er keine Sofas mehr liefern konnte, um ihr Geld gebracht habe. Er betonte aber auch: „Ein typischer Online-Betrüger sind Sie nicht.“ Denn der Angeklagte habe ursprünglich nicht vorgehabt, seine Kunden um ihr Geld zu bringen. Im Gegenteil habe er lange versucht, seine Firma zu retten und sogar eigenes Geld in das Unternehmen eingebracht. Allein, es half nichts: Mit über 1,6 Millionen Euro stand das Unternehmen schließlich in der Kreide.

Positiv wurde dem Angeklagten angerechnet, dass er vollumfänglich geständig war. Zudem sei ihm die lange Verfahrensdauer bei der Urteilsfindung zugute gekommen. Denn sowohl vorher als auch nach den Taten, für die er sich vor dem Landgericht zu verantworten hatte, sei er nie straffällig geworden. „Die Taten liegen so lange zurück, dass sie zeigen konnten, dass sie ein vernünftiges Leben führen möchten“, so der Richter.

250 Arbeitsstunden gegen die Großmannssucht

Mittlerweile arbeitet der Mann in einem Angestelltenverhältnis. Der Bitte der Verteidigung, die Bewährungsauflagen aufgrund dieses Jobs auf maximal 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit zu begrenzen, kam der Richter nicht nach. Aufgrund der von der Staatsanwältin angedeuteten Großmannssucht, täte es ihm gut 250 Stunden Arbeit im Dienste der Gemeinschaft zu verrichten, so der Richter.

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