Serie: Europa lebt in Münster
Vorliebe für „Rotmos“ und Abstecher zu Ikea

Münster -

Agneta Julin kam vor 50 Jahren von Schweden nach Deutschland. Heimweh habe sie nicht. Die 73-Jährige fühlt sich überall zu Hause und freut sich über offene Grenzen in Europa.

Donnerstag, 16.05.2019, 08:00 Uhr
Agneta Juli fühlt sich in Münster sehr wohl, steigt gerne aufs Rad und kennt kein Heimweh. Foto: gh

Agneta Julin lebt seit 50 Jahren in Deutschland, doch ihren kleinen Akzent aus der schwedischen Heimat hat sie nicht verloren. „Viele meinen, ich komme aus Holland“, wundert sich die 73-Jährige, die die deutsche und die schwedische Staatsbürgerschaft besitzt. Agneta Julin fühlt sich überall zu Hause, sagt sie. Sie freue sich nur, dass sie früher nicht nach England gegangen sei.

Die Schwedin stammt aus Västerås, ungefähr 100 Kilometer westlich von Stockholm. Agneta Julin arbeitete in einem Krankenhaus, als ihre Freundin für ein Praktikum nach Hamburg ging und sie ebenfalls nach Deutschland lockte. Agneta Julin bewarb sich bei Lufthansa in Stuttgart, sechs Wochen später startete sie in ihrem neuen Job durch.

Mit ihrem Mann zog sie dann in dessen Heimat nach Münster. „Vor 40 Jahren“, bilanziert die Schwedin. Sie habe damals kein Problem gehabt, in Münster Fuß zu fassen, obschon in Münster nur wenige Schweden leben, erzählt sie.

Agneta Julin lebt mit ihrem Mann in einem Haus, dessen Zaun in Schwedenrot die 73-Jährige an ihre Heimat erinnert. Ansonsten freut sich Agneta Julin heute über die offenen Grenzen in Europa. Beängstigend empfindet sie den Rechtsruck – in Schweden, Deutschland und in ganz Europa.

„Ich bin innen und außen wie ein Papagei“, beschreibt sich die 73-Jährige, die kein Heimweh kennt und sich überall zu Hause fühlt. Wenn die Sehnsucht nach Schweden zu groß wird, dann fährt sie zu Ikea . Oder sie kocht sich Steckrübenmus mit Kartoffeln. „Bei uns eine Delikatesse“, schwärmt die Münsteranerin von „Rotmos“, wie es in ihrer Heimat heißt.

In Deutschland zu leben habe viele Vorteile, erklärt die kunstinteressierte Agneta Julin, die seit Jahren im Picasso-Museum arbeitet. Sie genießt es aber auch, mindestens zwei Mal im Jahr bei der großen Familie ihres Bruders in Schweden zu sein.

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