Polizei probt den Ernstfall
Großübung in forensischer Klinik Amelsbüren

Münster-Amelsbüren -

Eine Geiselnahme in der forensischen Klinik? Nicht wirklich. Aber die Polizei tut so als ob – um für den Fall der Fälle gewappnet zu sein. Die Übung wurde schon vor vier Jahren geplant, musste aber immer wieder verschoben werden.

Dienstag, 14.05.2019, 10:57 Uhr aktualisiert: 14.05.2019, 16:06 Uhr
Für die Polizei gibt es nach ihrem Eintreffen am Ort der Übung viel zu klären. Vor allem: Wie ist die Lage im Inneren der Klinik, die rund 54 Patienten fasst. Rund die Hälfte davon ist aufgrund sexueller Vergehen dort untergebracht. Foto: Oliver Werner

Um 9.11 Uhr am Dienstagmorgen klingeln die Telefone aller Polizeibeamten im Stadtgebiet. Was folgt ist die Alarmierung zu einer Geiselnahme in der forensischen Christophorus-Klinik in Amelsbüren.

Es ist nur eine Übung, aber eine mit hoher Bewandtnis. Bereits seit vier Jahren plant die Polizei Münster daran, immer wieder musste der Termin verschoben werden – zuletzt aus einem besonders traurigen Grund, denn der letzte angepeilte Tag lag nur rund zwei Wochen nach der Amokfahrt am Platz vor dem Kiepenkerl. „Zu diesem Zeitpunkt eine Übung zu machen, das hätten wir niemandem erklären können“, sagt Polizeisprecher Roland Vorholt am Dienstag.

Übung: Das wahrscheinlichste Szenario

Ein Jahr später hat sich die Situation geändert. Seit acht Jahren gibt es die seinerzeit höchst umstrittene Klinik in Amelsbüren, nennenswerte Zwischenfälle habe es seitdem nicht gegeben, sagt Carmen Echelmeyer, Sprecherin der verantwortlichen Alexianer Münster GmbH. Trotz dieser Bilanz wird genau für solch einen Zwischenfall am Dienstag geübt.

Eine Geiselnahme mit dem Ziel von Vergünstigungen, im besten Fall der Flucht, sei das wahrscheinlichste Szenario in einer forensischen Klinik, erklärt Roland Vorholt, warum die Wahl der Beamten auf eben jenes Szenario gefallen sei. Währenddessen erreichen von überall im Stadtgebiet Streifenwagen den Tatort. Um 9.40 Uhr ist auch die Feuerwehr vor Ort. Eine weitere halbe Stunde später trifft Polizeipräsident Hajo Kuhlisch ein. Viel sagen möchte er etwas später nicht. Das, so Kuhlisch, sei in diesem Fall Aufgabe von anderen.

Großübung der Polizei an der Christophorus-Klinik

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    Am Dienstagmorgen übte die Polizei das Vorgehen bei einer Geiselnahme in der Christopherus-Klinik in Amelsbüren. 

    Foto: Oliver Werner
  • Die Polizei trainierte direkt vor Ort zusammen mit den Mitarbeitern der Christophorus-Klinik der Alexianer - damit die Beteiligten im Ernstfall Handlungssicherheit hätten, heißt es in der Pressemitteilung. 

    Foto: Oliver Werner
  • Auch Spezialeinheiten der Polizei waren bei der Großübung im Einsatz. Geprobt wurde der Erstkontakt bis zum Zugriff durch die Polizei. 

    Foto: Oliver Werner
  • Dabei werde das Szenario einer Geiselnahme intensiv geprobt – blaue Flecken inklusive, heißt es in einer Pressemitteilung der Polizei und der Klinik. Die Übung solle so realitätsnah wie möglich ablaufen. Und dazu gehöre, dass auch mit der schauspielernden Geisel nicht zimperlich umgegangen werde.

    Foto: Oliver Werner
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  • Foto: Oliver Werner

Von Einsatzleiter Andreas Moll zum Beispiel. Er erklärt, dass ein derartiges Szenario von den Betroffenen schnell als realistisch wahrgenommen werde. „Wir bekommen immer wieder die Rückmeldung, dass die Betroffenen irgendwann nicht mehr daran denken, dass es sich um eine Übung handelt“, sagt Moll. Zumal die Kollegen, die Täter und Opfer spielen würden, emotional „einiges rüberbringen“ würden.

Zu diesem Zeitpunkt, es ist gegen 11.30 Uhr, haben längst Sondereinsatzkommandos das Geschehen vor Ort übernommen. Die Kräfte sind etwas später eingetroffen, als das in der Realität geschehen wäre – damit diejenigen, die zuerst am Einsatzort waren, ebenfalls ausgiebig üben können.

Polizeisprecher zieht erstes Fazit

Im Inneren der Klinik, im Bereich der Werkstatt, stehen die Beamten vor einigen Problemen. Die Anzahl der Geiseln wechselt während des Szenarios mehrfach. Zudem werden aus einem letztlich zwei Täter. Eine Geisel muss verletzt geborgen werden. Dass sich die Einsatzkräfte auf ganz unterschiedliche Lagen einstellen müssen, ist bewusst so gewählt. „Man könnte natürlich sagen, wenn alles gut klappt, ist es eine gute Übung“, sagt Einsatzleiter Moll. Er hingegen sei der Meinung, nur wenn auch Punkte festgestellt würden, die es zu verbessern gelte, sei die Übung ein Erfolg.

Genauso kommt es. In den Gebäuden der Klinik habe alles funktioniert, zieht Roland Vorholt am Mittag ein frühes Resümee. Im Außenbereich habe es bei organisatorischen Dingen dagegen Kleinigkeiten gegeben, die man verbessern könne, merkt Vorholt kritisch an, ergänzt aber: „Den Erfolg des Einsatzes hätte das nicht beeinflusst.“

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