„Manche Medikamente werden knapp“
Apotheker warnen vor Lieferengpässen

Münster -

Der Apothekerverband schlägt Alarm: Auch in Münster werden manche Medikamente knapp. Nach Ansicht der Apotheker liegt das am Kostendruck.

Dienstag, 07.05.2019, 18:10 Uhr aktualisiert: 07.05.2019, 19:10 Uhr
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Es sind ausgerechnet die Sartane, Blutdrucksenker also, die bei Tilo Schneider-Bernschein , Apotheker in Münster und Vorsitzender der Bezirksgruppe Münster des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe (AVWL), vor Ärger die Adern schwellen lassen. Denn insbesondere diese Wirkstoffe, mit denen Herz-Kreislauf-Erkrankungen behandelt werden, sind derzeit laut Pressemitteilung von Lieferengpässen betroffen.

Aber nicht nur die Sartane fehlen nach Angaben des Verbandes in den Apotheken, sondern auch Schmerzmittel wie Ibuprofen in höherer Dosierung und mit Langzeitwirkung; außerdem Tropfen gegen erhöhten Augeninnendruck, Antidepressiva, oder Mittel gegen Epilepsie. Die Liste, in der das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte aktuelle Lieferengpässe führe, sei derzeit rund 200 Zeilen lang, heißt es.

Kostet Zeit, ist riskant

In den meisten Fällen könnten die Lieferengpässe durch andere Präparate überbrückt werden – dafür müssten die Apotheker die Patienten allerdings meist zurück zum Arzt schicken, um die Medikation umzustellen. „Das kostet uns Zeit, weil wir viel erklären müssen, ist aber vor allem für die Patienten äußerst ärgerlich – und manchmal auch riskant“, warnt Schneider-Bernschein.

Tipps zur Einnahme von Schmerzmitteln

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  • pillen

    Es gibt sie frei verkäuflich und für wenig Geld in der Apotheke: Schmerzmittel. Aber sollte Ibuprofen oder doch lieber Paracetamol eingenommen werden? Was hilft besser bei Fieber? Und ab wann sollte ein Arzt aufgesucht werden? Wir geben Tipps zur Einnahme von Schmerzmitteln.

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  • Hinter dem Wort Acetylsalicylsäure (ASS) verbirgt sich der Wirkstoff von Aspirin. ASS ist der Klassiker unter den Schmerzmitteln, wirkt entzündunghemmend sowie fiebersenkend und hilft bei Kopf-, Rückenschmerzen oder Regelschmerzen. Bei Erkältungen helfen die Tabletten, das Fieber schneller zu senken. ASS wird auch als gerinnungshemmendes Mittel eingesetzt. Patienten, die einen Herzinfarkt hatten, nutzen es. ASS sorgt für ein erhöhtes Blutungsrisiko und hat noch weitere Nebenwirkungen: Der Magen-Darm-Trakt kann angegriffen werden, was zu Geschwüren führen kann. Asthmaanfälle können ausgelöst und Hautunverträglichkeiten hervorgerufen werden. Kinder unter zwölf Jahren sollten ASS nicht nehmen. Die empfohlene Tagesdosis liegt bei 3000 Milligramm.

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  • Ibuprofen ist mittlerweile das meistverkaufte Schmerzmittel unter den nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAID) und hat damit ASS verdrängt. Ibuprofen hat sehr viele Einsatzgebiete: Es wirkt entzündungshemmend, senkt Fieber und hilft bei Beschwerden an den Zähnen, Kopfschmerzen, rheumatoider Arthritis, Rückenschmerzen, Sportverletzungen, Regelschmerzen, Mittelohrentzündungen oder Mandelentzündungen. Im Vergleich zu ASS hat es weniger Nebenwirkungen. Das Blutungsrisiko ist niedriger, selten treten Magenbeschwerden auf. Die empfohlene Tagesdosis liegt bei 2400 Milligramm.

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  • Paracetamol gilt als besonders gut verträglich. Die schmerzlindernde Wirkung ist allerdings etwas schlechter als die von Ibuprofen und ASS. Bei Entzündungen hilt Paracetamol nicht. In dem Fall sollte zu Ibuprofen gegriffen werden. Paracetamol hat weniger Nebenwirkungen als andere Schmerzmittel. Wird das Medikament aber überdosiert, kann es zu schweren Leberschädigungen führen. Die empfohlene Tagesdosis liegt bei 2000 bis 3000 Milligramm.

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  • Diclofenac, besser bekannt als Voltaren, hilft nicht nur gegen Schmerzen und Fieber, sondern wirkt auch entzündungshemmend – sogar noch gezielter und schneller als Ibuprofen. Gelenkschmerzen, Rückenschmerzen, rheumatische Beschwerden, Prellungen, Zerrungen und andere Sportverletzungen sind klassische Anwendungsgebiete. Diclofenac kann Leber, Nieren, Magen und Darm belasten. Wird Diclofenac als Salbe angewendet, besteht ein erhöhtes Risiko für Hautausschläge. Die empfohlene Tagesdosis liegt 150 Milligramm.

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  • Als Faustregel bei der Einnahme gilt: Schmerzmittel sollten in der Selbstmedikation nicht länger als drei Tage hintereinander und nicht häufiger als zehnmal im Monat eingenommen werden. Wer die Medikamente häufiger oder länger schluckt, sollte einen Arzt aufsuchen.

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  • Zu den allgemeinen Tipps gehören die Einnahme von Tabletten zusammen mit Wasser und einer Mahlzeit.

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  • Bis zu einer gewissen Dosierung sind Schmerzmittel frei verkäuflich in der Apotheke erhältlich. Ein Rezept benötigt man bei Ibuprofen ab einer Dosis von 600 Milligramm pro Tablette. Diclofenac ist ab einer Tablettendosis von 50 Milligramm verschreibungspflichtig. Acetylsalicylsäure ist generell frei verkäuflich, allerdings ist die Menge begrenzt, die in der Apotheke auf einmal verkauft werden darf.

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  • Wer Schmerzmittel nimmt, sollte mit niedriger Dosierung starten. Ibuprofen, Paracetamol und Co. sollten auch nur so lange genommen werden, wie unbedingt nötig. Bei der Wahl des richtigen Medikamentes sollten solche mit nur einem Wirkstoff bevorzugt werden.

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„Bei Patienten, die mehrere Arzneimittel zugleich einnehmen müssen, besteht die Gefahr, dass sie das neue, ungewohnte Präparat mit einem ihrer anderen Mittel verwechseln und zur falschen Tageszeit oder in der falschen Dosierung einnehmen“, so der Apotheker. Zudem sieht er das Risiko, dass die Patienten – durch das nicht vertraute Präparat verunsichert – die Therapie ganz abbrechen. Gefährlich werde es zudem dann, wenn Präparate fehlen, die in akut lebensbedrohlichen Situationen helfen – wie zum Beispiel Mittel, um Insektengift-Allergiker gegen einen anaphylaktischen Schock zu behandeln.

Spardruck Grund für Engpass?

„Grund für die Engpässe ist der Spardruck im Gesundheitswesen“, sagt Dr. Klaus Michels, Vorstandsvorsitzender des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe: Die Krankenkassen handelten mit den Pharmafirmen Rabattverträge aus. Diese ließen dann Wirkstoffe kostengünstig im Ausland, meist in Asien, produzieren. Aufgrund von Konzentrationsprozessen gebe es dort nur noch wenige, für manche versorgungsrelevanten Wirkstoffe sogar nur zwei Hersteller.

Wenn bei einem davon Produktionsprobleme entstehen, komme es zu den Lieferengpässen. Ferner sei es für Hersteller meist lukrativer, ihre Ware in andere Länder zu liefern, in denen höhere Preise als in Deutschland gezahlt werden. „Der Kostendruck ist mittlerweile so hoch, dass die Versorgungsqualität und -sicherheit nicht immer gewährleistet sind“, meint Dr. Klaus Michels.

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