Abendvisite
Arzt bleibt verantwortlich

Münster -

„Kollege Roboter“, der im Operationssaal Dienst tut, ist zwar nur ein Assistent. Aber ein ausgesprochen wichtiger, unterstrich Prof. Dr. Andreas Pascher. Die Bedeutung der Technik, die in der modernen Chirurgie der Zukunft einen immer höheren Stellenwert einnehmen wird, stand im Blickpunkt der jüngsten Abendvisite.

Mittwoch, 03.04.2019, 21:00 Uhr
Prof. Dr. Andreas Pascher (r.) informierte bei der von WN-Lokalchef Ralf Repöhler (l.) moderierten Abendvisite über das Operieren mit Roboter-Unterstützung. Foto: Matthias Ahlke

Der Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Trans plantationschirurgie am UKM nahm seine Zuhörer dabei am Dienstag mit in den OP, erläuterte anhand von Bildern und Videos, welche Fortschritte schon gelungen, welche noch in der Erprobung sind. Ganz wichtig dabei: „Der Mensch, also der Mediziner, bleibt der Verantwortliche. Das ist nicht wie autonomes Fahren“, zog er  die Abgrenzung zur Automobilbranche. Und: „Der Roboter unterstützt. Er trifft keine Entscheidungen.“

Deutschland muss "dranbleiben und aufholen"

Prof. Pascher illustrierte die technische Assistenz beispielhaft an einer Leberoperation, auch chirurgische Eingriffe an der Bauchspeicheldrüse, im Magen- und Darmbereich und an der Speiseröhre zählen seinen Ausführungen nach zum aktuellen Spektrum der Einsatzmöglichkeiten des Roboters am UKM. Man könne sehr präzise auch in schwierige Bereiche vordringen, minimal–invasiv mit kleineren Schnitten agieren, das Sichtfeld vergrößern und optimieren, sich parallel Bilder aus MRT oder CT während der laufenden OP einspielen lassen.

Viele andere Länder seien Deutschland auf diesem Sektor schon um einiges voraus. „Wir müssen dranbleiben und aufholen“, so die Meinung des Experten, der von einem Jahr die Klinikleitung der  Chirurgie übernommen hat. Auch der Telemedizin räumte er dabei ein unverzichtbares Standbein ein. Indem man zum Beispiel aus dem Standort Münster hinaus virtuelle Konsultationen in den OP eines regionalen Krankenhauses ermögliche. „Dafür allerdings ist auch eine moderne, verlässliche Infrastruktur nötig.“ Sicherheit habe oberste Priorität.

Roboter können menschliches Personal entlasten

Dazu gehöre weiter, dass die Chirurgen, ebenso wie das dazugehörige Team aus Pflege und Anästhesie, fit seien für die Anforderungen, mit dem Kollegen Roboter zusammenzuarbeiten. „Ähnlich wie bei Piloten, die zuvor am Simulator ausgebildet werden, können Eingriffe trainiert werden.“ Der Anspruch sei, sicheres, aber auch schnelles Operieren zu üben. „Und trotzdem müssen Ärzte auch weiterhin in der Lage sein, konventionell zu arbeiten.“

Bei Veränderungen in Abläufen auf den Stationen könne der Roboter neue und vielfältige Aufgaben übernehmen. Pascher nannte Verteilung von Essen, Messung und Verarbeitung von Blutdruckwerten als nur zwei Beispiele. Klar sei: „Die Menschen, die im Krankenhaus arbeiten, gewinnen so mehr Zeit für Pflege selbst und Gespräche mit dem Patienten.“

Das alles habe seinen Preis – einen Preis, der heute noch gar nicht entsprechend in den Abrechnungen berücksichtigt werde.

„Es sind hohe Investitionen nötig, um diese Entwicklung zu finanzieren.“ Klar sei: Der Roboter müsse nicht bei einer Leistenbruch-OP genutzt werden. „Für große und komplizierte Eingriffe aber wird er unverzichtbar.“  

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