Im Frühjahr startet das erste „Hansaforum“
Hansaviertel soll zum Quartier der Zukunft werden

Münster -

Mit 720.000 Euro fördert der Bund das Modellprojekt „Hansaforum“. In den kommenden drei Jahren wollen die Aktivisten der B-Side zusammen mit den Bürgern das Hansaviertel zu einem Quartier der Zukunft machen.

Montag, 11.02.2019, 16:00 Uhr aktualisiert: 14.02.2019, 16:27 Uhr
Leonie Nienhaus und Tobias Stroppel von der B-Side bereiten das Hansaforum vor. Der Bund fördert das Projekt mit 720.000 Euro. Foto: Kalitschke

In welche Richtung sollte sich das Hansaviertel entwickeln, damit es dort allen Menschen gut geht? Für die Beantwortung dieser Frage stellt das Bundesinnenministerium dem aus der alternativen Initiative B-Side hervorgegangenen Projekt „Hansaforum“ 700.000 Euro zur Verfügung.

Mit der auf drei Jahre begrenzten Förderung sollen neue Modelle der Stadtentwicklung entworfen und umgesetzt werden. Neben dem Hansaviertel werden im Rahmen der Initiative „Nationale Stadtentwicklungspolitik“ Quartiere in Hannover, Nürnberg und Altenburg unterstützt. Hinter dieser Initiative stehen das Bundesinnenministerium, der Deutsche Städtetag, der Deutsche Städte- und Gemeindebund sowie die Bauministerkonferenz.

„Gemeinwohlkonvent“ zwei Mal im Jahr

Leonie Nienhaus und Tobias Stroppel von der B-Side arbeiten bereits mit Hochdruck an den ersten Veranstaltungen des Hansaforums. Bis Ende 2021 soll zwei Mal jährlich ein „Gemeinwohlkonvent“ stattfinden. 200 zufällig ausgewählte Bürger aus dem Hansaviertel werden dem Gremium angehören. „Es soll die Vielfalt des Viertels abbilden“, betont Stroppel.

Beim Konvent sollen auch jene zu Wort kommen, die sonst nicht Gehör finden. Speziell geschulte Moderatoren sollen dafür sorgen, dass die Veranstaltung nicht von den üblichen Wortführern gekapert wird.

Ziel des Konvents sei es, einen „Quartiers-Gemeinwohl-Index“ zu ermitteln, berichtet Leonie Nienhaus. Nach der ersten Versammlung am 18. und 19. Mai sollen mehrere Arbeitsgruppen gebildet werden, die 20 Kriterien für diesen Index festlegen. Bei der zweiten Versammlung im Herbst soll der Index beschlossen werden. Er bildet danach die Grundlage für die Förderung innovativer Projekte, betont Stroppel.

Der Fördertopf für solche Projekte wird 250.000 Euro umfassen, die 2020 und 2021 ausgeschüttet werden. Zum Beispiel an Kinder, die den Briefkasten vor der Haustür verschönern wollen. Oder eine Gruppe, die eine Lastenradflotte anschaffen will. Je mehr Kriterien des Gemeinwohl-Indexes erfüllt werden, umso größer sind die Chancen, dass Geld fließt, sagt Stroppel.

Die Entscheidung über die Förderung größerer Projekte wird der Konvent treffen. Ein weiteres, kleineres Gremium, das sich alle zwei Monate trifft und aus Vertretern von B-Side, Konvent, Politik und Verwaltung zusammensetzt, kann auch ohne Zukunft des Konvents über die Förderung kleinerer Projekte entscheiden.

Menschen zu Stadtmachern machen

„Vieles ist im Hansaviertel in den vergangenen Jahren schiefgelaufen“, sagt Stroppel – „zu wenig Transparenz, Information, Gespräche“. Nicht ohne Grund trieb der Platanenstreit Demonstranten auf die Straße, stieß das Hafencenter nur auf wenig Gegenliebe . „Wir wollen, dass die Bürger beim Hansaforum selbst aushandeln, was dem Gemeinwohl dient“, sagt Stroppel. Das Projekt stellt für ihn keine Parallelstruktur zu Verwaltung oder Politik dar, sondern eine neue Form von Demokratie. Ziel sei es, den Anspruch der Bürger auf Beteiligung zu befriedigen. „Wir wollen einfach mal was anderes ausprobieren“, betont der B-Side-Aktivist.

Das Projekt wird von Experten begleitet, es wird Zwischen- und Abschlussberichte geben. Eine Forschungsstelle hat das Hansaforum bereits eingerichtet, insgesamt sollen 35 Prozent der Fördersumme in Stellen investiert werden.

„Das Hansaforum ist ein Modell, ein Versuch“, sagt Stroppel. Die Initiative habe nicht den Anspruch, alles besser zu wissen – „uns geht es darum, die Menschen zu Stadtmachern zu machen“.

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