Stolpersteine an Graelstraße, Bernhardstraße und Vrie-Vendt-Straße verlegt
Gegen das Vergessen

Münster -

Rund 270 so genannte „Stolpersteine“ wurden seit 2004 in Münster bereits verlegt. Am Samstag wurden vor der Graelstraße 37 sechs weitere der goldschimmernden Pflastersteine eingesetzt, mit denen an Familie Goldberg erinnert wird.

Montag, 11.02.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 11.02.2019, 19:58 Uhr
Sie sind stille Mahnungen, die Stolpersteine vor den münsterischen Häusern. Nun wurden zehn weitere Gedenksteine zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus eingesetzt. Das Bild zeigt Künstler Gunter Demnig (r.) während der Aktion an der Graelstraße. Foto: Claus Röttig

Jeder hat sie schon einmal gesehen: die blank polierten Messingsteine, die vor einigen Häusern in den Gehweg eingelassen sind. Sie sollen als sogenannte Stolpersteine an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Auf den Steinen sind die Namen der Menschen zu lesen, die in den jeweiligen Häusern gewohnt haben, deportiert und getötet wurden – als stille Mahnung. Seit Samstag wurden vor der Graelstraße 37 sechs weitere der goldschimmernden Pflastersteine eingesetzt, mit denen an Familie Goldberg erinnert wird.

„Wir haben seit 2004 rund 270 Stolpersteine in Münster verlegt”, erklärte Peter Schilling vom Verein „Spuren finden”. Und die Aktion sei noch nicht beendet. „Es ist eine sehr persönliche Art des Erinnerns: Wir vergeben Patenschaften, wollen keine Sponsoren, die gleich einen ganzen Haufen Steine kaufen.” Denn so verbinde man die Stolpersteine mit den gut recherchierten Lebensgeschichten der einzelnen Menschen. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es oft schwer ist, sich etwas unter den ungeheuren Zahlen der Gräueltaten vorzustellen”, so Schilling. So könne man eine persönliche Bindung schaffen.

Das ist auch bei Waltraud Klockenbusch passiert: Sie ist eine der Patinnen der Steine, die an die Opfer von der Graelstraße erinnern und hat die Geschichte der Goldberg-Kinder recherchiert. „Dabei sind sie mir regelrecht ans Herz gewachsen“, sagt sie.

Klockenbusch erzählte die Geschichte der Familie, während Künstler Gunter Demnig die Steine in den Gehweg einsetzte. Die Zuschauer erhielten mit Blick auf ein altes Klassenfoto ein Bild von der Toten. Erst habe die Familie an der Graelstraße gelebt und sei später an den Kanonengraben umgezogen. „Später wurde sie nach Riga deportiert und dort auch ermordet“, so Klockenbusch.

Stolpersteine wurden am Samstag auch vor der Bernhardstraße 12 für Julius und Nanny Katz sowie für Renate Miltenberg verlegt – sie starben in Auschwitz beziehungsweise Treblinka und Riga. An der Frie-Vendt-Straße 18 erinnert ein Stein an Willy Mildenberg. Er war nach Riga deportiert und später auf einem „Todesmarsch“ erschossen worden.

Auch auf Bildern wurde an die Opfer der nationalsozialistischen Deportationen erinnert.

Auch auf Bildern wurde an die Opfer der nationalsozialistischen Deportationen erinnert. Foto: Claus Röttig

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