Das Warten nach der Buspanne
Gefangen im Schnee: Münsteraner sitzen im verschneiten Obertauern fest

Münster -

Eine Reisegruppe aus Münster ist im österreichischen Schnee eingeschlossen. Mit dabei ist auch ein ganz besonderer Gast.

Dienstag, 08.01.2019, 06:30 Uhr aktualisiert: 08.01.2019, 09:03 Uhr
Völlig eingeschneit ist das Jugendhotel Felseralm in Obertauern, wo derzeit eine Reisegruppe aus Münster festsitzt. Foto: privat

39 Teilnehmer einer Reisegruppe, überwiegend Münsteraner, sind derzeit im österreichischen Obertauern von Schneemassen eingeschlossen. Dabei hatte sich die Reisegruppe, als am Samstag die ersten Meldungen kamen, dass sich die Wetterlage verschärfen würde, frühzeitig auf den Weg gemacht, um mit dem Bus des Veranstalters „Ski4friends“ aus Münster die Heimreise anzutreten.

Doch ein Unglück kommt eben selten allein. Eine Schneekette beschädigte nur kurze Zeit nach der Abfahrt den Reifen des Reisebusses. Für eine Reparatur blieb wegen des einsetzenden Schneegestöbers nicht mehr genug Zeit. Den Münsteranern blieb keine andere Wahl als zu ihrem Hotel, dem Jugendhotel Felseralm, in dem sie mittlerweile die einzigen Gäste sind, zurückzukehren und auf Hilfe zu warten.

Starker Schneefall in Bayern und Österreich

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  • Im Ennstal in Österreich: Ein Hubschrauber, "Alouette III", fliegt in Richtung der abgeschnittenen Ortschaft Radmer im Bezirk Leoben...

    Im Ennstal in Österreich: Ein Hubschrauber, "Alouette III", fliegt in Richtung der abgeschnittenen Ortschaft Radmer im Bezirk Leoben...

    Foto: Peter Lechner/BUNDESHEER/APA/dpa
  • ...Der Helikopter soll dringend benötigte Sauerstoffflaschen für einen Patienten bringen, dessen Vorrat am Mittwoch zu Ende geht. Angesichts neuer möglicher Schneefälle bereitet sich Österreich auf hohe Lawinenwarnstufen vor.

    Foto: Peter Lechner/BUNDESHEER/APA/dpa
  • Feuerwehrmänner tragen in Salzburg Pflanzen aus einem Gewächshaus einer Gärtnerei, das durch massive Schneemassen eingebrochen ist.

    Foto: Franz Neumayr
  • Zwei Feuerwehrmänner schippen Schnee von dem Dach eines Gewächshauses einer Gärtnerei, das unter den Schneemassen einbrach.

    Foto: Franz Neumayr
  • Koppl: Schnee ist am Straßenrand aufgetürmt. Angesichts neuer möglicher Schneefälle bereitet sich Österreich auf hohe Lawinenwarnstufen vor.

    Foto: Barbara Gindl
  • Völlig eingeschneit ist das Jugendhotel Felseralm in Obertauern (Österreich)...

    Foto: privat
  • ...wo derzeit eine Reisegruppe aus Münster festsitzt...

    Foto: privat
  • Die Zeit vertreiben sich die Münsteraner derweil neben Schneeschaufeln mit Eisstockschießen...

    Foto: privat
  • ...oder ganz kreativ bei einer humorigen Klaviervorführung im Schnee.

    Foto: privat
  • Koppl (Österreich): Bäume biegen sich unter der Last des nassen Schnees über eine Straße.

    Foto: Barbara Gindl
  • Ein Auto auf einer Straße ist in Koppel (Österreich) hinter Schneemassen zu sehen.

    Foto: Barbara Gindl
  • Dieses von der Gemeinde Pölstal (Österreich) zur Verfügung gestellte Foto zeigt Feuerwehrleute beim Freilegen eines Daches.

    Foto: Gemeinde Pölstal
  • Die Straße nach Österreich ist am Grenzübergang Mittenwald-Scharnitz auf Grund der Lawinengefahr gesperrt.

    Foto: Angelika Warmuth
  • Ein Straßenschild weist in Garmisch-Partenkirchen (Bayern) auf die Verbindung Bayern-Österreich hin, die wegen Lawinengefahr gesperrt ist.

    Foto: Angelika Warmuth
  • Steirische Ennstal (Österreich): Dieses vom österreichischen Bundesheer zur Verfügung gestellte Foto zeigt einen Hubschrauber des Bundesheers im Einsatz im Steirischen Ennstal. Der Winter hat weite Teile Bayerns weiter fest im Griff.

    Foto: Peter Lechner/BUNDESHEER/APA/dpa
  • Ein Traktor räumt in Traunstein (Bayern) Schnee.

    Foto: Tobias Hase
  • Ein Räumfahrzeug mit Schneefräse fährt in Siegsdorf (Bayern) auf einer Straße.

    Foto: Tobias Hase
  • Pferde stehen in Garmisch-Partenkirchen (Bayern) im Schnee.

    Foto: Angelika Warmuth
  • Zwei Kinder spielen in Traunstein (Bayern) im Schnee.

    Foto: Tobias Hase
  • Sichtlich Spaß hat dieses Kind in Traunstein (Bayern) auf einem Schneehügel.

    Foto: Tobias Hase
  • Fahrzeuge sind in Traunstein (Bayern) eingeschneit und schneebedeckt.

    Foto: Tobias Hase

Diese Hilfe ist mittlerweile in Form eines Ersatzbusses des Reiseveranstalters auch eingetroffen – zumindest theoretisch. Praktisch steht der Bus im 20 Kilometer entfernten Radstadt, weil sämtliche Straßen nach Obertauern gesperrt sind. „Wir haben alle noch nie so viel Schnee gesehen“, sagt Susanne Dittert aus Hiltrup, die mit ihrem 18-jährigen Sohn die Reise angetreten hat.

Und während das österreichische Militär Fahrzeug für Fahrzeug aus dem Skigebiet eskortierte, bleibt den Münsteranern derzeit nicht viel mehr übrig, als zu warten – auf eigene Rechnung übrigens, denn eine Versicherung greift aufgrund höherer Gewalt nicht, wie Katharina Hegge vom Veranstalter, ebenfalls vor Ort, bestätigt.

Immer wieder Schneeschaufeln...

Dennoch sei die Stimmung „gut“, wie Dittert sich von den Mitreisenden mittels Nachfrage bestätigen lässt. Die Westfalen machen aus dem, was ihnen bleibt, das Beste. Und das heißt: Schneeballschlachten, Spaziergänge, Eisstockschießen, Bowlingbahn oder Filmraum. Dazwischen immer wieder Schneeschaufeln – und die Hoffnung auf Dienstagmorgen. Denn dann soll die Straße nach Obertauern kurzfristig wieder geöffnet werden, nachdem am Montag wegen Lawinengefahr viele Sprengungen vorgenommen wurden. Schlimmstenfalls werden nur einige Versorgungsfahrzeuge nach Obertauern durchgelassen, bestenfalls kann die Reisegruppe aus Münster die Heimreise antreten.

So oder so – für alle Beteiligten wird die Reise sicher ein unvergessliches Erlebnis bleiben. Für einen jedoch besonders. Denn neben ihrem Sohn wird Susanne Dittert noch von einem maltesischen Freund ihres Sohnes begleitet. „Der hat so was überhaupt noch nie gesehen und ist völlig beeindruckt“, sagt Dittert. Und so sei es auch in seiner Schule gewesen, wo man bereits angerufen habe, um ihn zu entschuldigen. „Der maltesische Schulleiter hat gesagt, er soll ruhig noch hier bleiben. Hier würde er mehr lernen als in der Schule“, sagt Dittert und lacht.  

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