Silvestergottesdienst
Bischof Genn: 2018 war Jahr der "vielen Umbrüche und Abbrüche"

Münster -

„Im Letzten und Tiefsten prägt mich die Überzeugung, dass da, wo jeder Einzelne mit seinem Christsein ernst macht und sein Leben tatsächlich von Gott her als einen großartigen Entwurf ansieht, den es im Hier und Heute und in der jeweiligen Aufgabe und im jeweiligen Beruf zu verwirklichen gibt, Erneuerung der Kirche von innen her kommen kann.“ 

Montag, 31.12.2018, 14:56 Uhr
Dr. Felix Genn, Bischof von Münster, am 31. Dezember im Silvestergottesdienst in der St. Lamberti-Kirche. Foto: Bistum Münster

Das hat der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn , am Montag (31. Dezember) im Silvestergottesdienst in der Stadt- und Marktkirche St. Lamberti in Münster betont. Der Bischof blickte in seiner Predigt auf das vergangene Jahr in Kirche und Gesellschaft zurück. Er wertete 2018 als ein Jahr, „in dem wir viele Umbrüche und Abbrüche erleben mussten, ein Jahr freilich auch, dass uns nicht nur Schatten, sondern auch viel Licht beschert hat.“

Der Bischof erinnerte an die Amokfahrt in Münster vor dem Kiepenkerl , bei der aber auch deutlich geworden sei, „wie groß die Solidarität in der Bevölkerung mit denen war, die darunter sehr gelitten haben.“ Besonders positiv sei die „prägende Erfahrung“ des Katholikentags in Münster gewesen, „der nicht nur vom Wetter her strahlend war, sondern auch von der Atmosphäre, der Vielfalt der Begegnungen und Gespräche, die über unsere Stadt und unser Bistum hinaus auf viele Menschen ausgestrahlt haben“.

Studie zum sexuellen Missbrauch wirft "schwere Schatten"

Weitere positive Elemente wie etwa die Jugendsynode in Rom seien allerdings schnell verflogen „angesichts des Streites innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz um eine Orientierungshilfe zur seelsorglichen Pastoral an gemischt-konfessionellen Ehen und der Möglichkeit für Einzelne, auch an der heiligen Kommunion, an der Eucharistie teilzunehmen.“

Der Bischof ging auch auf den „schweren Schatten“ durch die Veröffentlichung der Studie zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche ein. „Wir mussten erfahren, wie groß die Schmerzen und Verwundungen vieler betroffener Menschen auch in unserem Bistum bis heute sind.“ Er habe Verständnis dafür, dass manche die Kirche aufgrund der furchtbaren Ereignisse des sexuellen Missbrauchs verließen. „Ich bitte trotzdem sehr inständig zu prüfen, ob das wirklich der richtige Schritt ist, oder ob nicht jeder von uns, selbst wenn er persönlich in keiner Weise schuldig geworden ist, dazu beitragen kann, durch seinen Einsatz und seine Solidarität die Kirche zu reinigen und zu heilen“, sagte Bischof Genn.

"Wahrhaftig schwieriges Jahr"

Als „Lichtpunkt“ des vergangenen Jahres bezeichnete Bischof Genn dagegen das Schreiben „Gaudete et exultate“ („Freut Euch und jubelt“) von Papst Franziskus . Der Papst sei kein Pessimist, sondern überzeugt, dass jeder Einzelne als getaufter und gefirmter Christ „eine Sendung“ sei“. Der Bischof sagte, dass er das Ende „dieses wahrhaftig schwierigen Jahres“ zugleich als eine Ermutigung betrachte, gerade jetzt am Reich Gottes mitzuwirken und Jesus in die Mitte des Lebens zu stellen.

Der Bischof erinnerte auch an die Gedenkveranstaltungen zum Ende des Steinkohlebergbaus , an denen er 2018 teilgenommen hat: „tatsächlich eine letzte Stunde“. Bischof Genn: „Dabei habe ich erlebt, was eine solche letzte Stunde für Menschen, die dort über Jahre und Jahrzehnte ihre Kraft eingesetzt haben, bedeutet. Der Auftrag, der sich aus dieser letzten Stunde ergibt, bleibt allerdings weiterhin für uns eine Herausforderung, wie es in unserem Land mit der Energiegewinnung ohne Steinkohle weitergeht. Dazu wird es sicherlich noch harte Arbeit in der sogenannten ‚Kohlekommission‘ bedürfen.“

Starke Spaltungen in den Gesellschaften

Auch beim Blick auf die weltpolitische Lage, so bilanzierte Bischof Genn, gelinge es aktuell nicht, „wirkliche Haltepunkte zu entdecken, weil oft deutlich wird, wie stark die Spaltungen in den Gesellschaften sind, wie unsicher die Frage ist, wie es mit Europa weitergehen wird, ob wir tatsächlich eine krieglose Zukunft erleben können, ob wir gemeinsam bereit sind, den Klimawandel zu akzeptieren und zugunsten von Schöpfung und menschlichem Leben zu gestalten, oder ob doch das Ego einer einzelnen Nation und damit die Abschottung von anderen, vor allem von Fremden, letztlich den Zuschlag erhält“.

Das war das Jahr 2018 in Münster - ein Rückblick in Bildern

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  • Amok-Fahrt, Jahrhundertsommer, Chaos-Tage bei den Stadtwerken: Das passierte 2018 in Münster Amok-Fahrt, Jahrhundertsommer, Chaos-Tage bei den Stadtwerken: Das passierte 2018 in Münster Foto: Lisa Stetzkamp (Grafik)
  • Bei einer Amokfahrt starben im April am Platz vor dem Kiepenkerl fünf Menschen, weitere Menschen erleiden zum Teil schwere Verletzungen.

    Foto: Oliver Werner
  • Nach der Amokfahrt: Bundesinnenminister Horst Seehofer (v.l.), Ministerpräsident Armin Laschet, Oberbürgermeister Markus Lewe und NRW-Innenminister Herbert Reul tragen sich im Rathaus ins Kondolenzbuch ein.

    Foto: Oliver Werner
  • Im Mai findet in Münster der 101. Katholikentag. Zehntausende feiern ein Fest des Glaubens.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zahlreiche Prominente nehmen am 101. Katholikentag teil - darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • CDU und Grüne bringen den Ausbau und die Modernisierung des Preußen-Stadions auf den Weg. 40 Millionen Euro sollen investiert werden.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Fischsterben im Aasee: Nach wochenlanger Hitze und Trockenheit verenden im Aasee Zehntausende Fische.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Das Fischsterben beschränkt sich nicht nur auf den Aasee. Auch Tiere, die in den Uferbereichen leben, verenden – so wie diese Ente.

    Foto: kal
  • Der Künstler Gerhard Richter schafft für die profanierte Dominikanerkirche ein Kunstwerk. „Zwei Doppelspiegel für ein Pendel“ zieht bis zum Jahresende mehr als 200.000 Besucher an.

    Foto: Oliver Werner
  • Chaos-Tage bei den Stadtwerken: Der kaufmännische Geschäftsführer Dr. Henning Müller-Tengelmann (l.) und der technische Geschäftsführer Dr. Dirk Wernicke (r.) müssen ihren Platz räumen. In der Mitte: Aufsichtsratsvorsitzender Alfons Reinkemeier.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Der Rat spricht sich gegen die Ansiedlung einer Zentralen Ausländerbehörde (ZAB) in Münster aus. Auch die Grünen stimmen dagegen. Die schwarz-grüne Rathauskoalition gerät in eine schwere Krise.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Stadt erwirbt die York- und die Oxford-Kaserne (Foto). Damit wird der Weg für mehr als 3000 neue Wohnungen frei.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Das Wolfgang-Borchert-Theater führt Shakespeares „Sturm“ auf – auf einer schwimmenden Bühne im Stadthafen 1.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Auf der Ostseite des Hauptbahnhofs erfolgt der Spatenstich für das Projekt „Hansator“. Unter anderem werden ein Hotel und eine Radstation entstehen. In der Nachbarschaft regt sich Kritik. Es wird befürchtet, dass die Drogen-Szene ins Quartier verdrängt wird.

    Foto: Landmarken AG
  • Das Projekt „West-östlicher Diwan“ auf dem Domplatz will Menschen aus dem deutschen und dem arabisch-persischen Kulturraum zusammen bringen. Auf dem Domplatz werden Orient-Teppiche ausgelegt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Das Hafencenter darf weitergebaut werden, obwohl der Bebauungsplan gekippt wird.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Kardinal Reinhard Marx ist Ehrengast beim Kramermahl des Vereins der Kaufmannschaft. Zuvor wird er im Friedenssaal empfangen. Hier ist er im Gespräch mit dem aktuellen Vorsitzenden des Vereins der Kaufmannschaft, Dr. Benedikt Hüffer.

    Foto: Oliver Werner
  • Das ehemalige Mercure Hotel (Foto) und die ehemalige Stadtkasse direkt gegenüber werden abgerissen. In Bahnhof-Nähe sollen dort in den nächsten Jahren gleich drei neue Hotels entstehen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Münster erlebt einen der trockensten und heißesten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Viele Menschen freuen sich darüber - doch die Natur leidet. Am Aasee brechen vor lauter Trockenheit gestandene Äste einfach ab.

    Foto: kal
  • Sommer ohne Ende: Noch Mitte Oktober steigen die Temparaturen bis nah an die 30-Grad-Grenze. Die Böden in den münsterischen Wäldern sind metertief ausgetrocknet.

    Foto: kal
  • „Biete Frieden“ heißt die Ausstellung, an der sich 14 junge Künstler der Kunstakademie beteiligen. Eines der Kunstwerke befinden sich am Dom.

    Foto: Oliver Werner
  • Rund 500 Bäume müssen für den geplanten Ausbau der Umgehungsstraße gefällt werden.

    Foto: hpe
  • Amok-Fahrt, Jahrhundertsommer, Chaos-Tage bei den Stadtwerken: Das passierte 2018 in Münster Foto: Jürgen Grimmelt
  • Roland Kaiser begeistert beim Stadtfest „Münster mittendrin“ Tausende Fans. Auch 2019 will der Schlagersänger wieder auf dem Domplatz auftreten.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Das Europäische Kulturerbejahr 2018 wird in den beiden Friedensstädten Münster und Osnabrück feierlich eröffnet.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Anwohner der Aasee-Terrassen beschweren sich, weil sie im heißen Sommer zum Treffpunkt von Jugendlichen werden. Lärm, Drogenhandel und Drogenkonsum gehören zu den unerfreulichen Begleiterscheinungen. Die Stadt erlässt daraufhin Shiha-Rauchverbot.

    Foto: kal
  • Rapper Jan Delay begeistert Tausende beim Stadtfest „Münster mittendrin“.

    Foto: Björn Meyer
  • Die Münsteranerin Svenja Schulze wird von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zur Bundesumweltministerin ernannt.

    Foto: Wolfgang Kumm
  • Wilsberg geht fremd. Die neue Folge der beliebten ZDF-Reihe wird in Bielefeld gedreht.

    Foto: Friso Gentsch
  • Die Punk-Band Donots spielt im Hansa-Berufskolleg, das als „Schule mit Courage – Schule ohne Rassismus“ ausgezeichnet wird.

    Foto: Matthias Ahlke

Bischof Genn: „In unseren Herzen aber liegt es, ob wir es weiterhin wagen, Christ zu sein, uns von seinem Geist führen zu lassen, sodass auch unsere Hände bereit werden, im Hier und Heute des Jahres 2019 das Notwendige zu tun, um der Welt ein menschlicheres Gesicht zu geben und in der Kirche das reinere Licht des Evangeliums widerstrahlen zu lassen.“

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