Pro & Contra
Soll Silvester-Feuerwerk in Innenstädten verboten werden?

Münster -

Bunt und laut: Das neue Jahr wird traditionell mit farbenfrohen Raketen und ohrenbetäubenden Böllern eingeletiet. Doch immer mehr Städte schränken das Zünden von Feuerwerk ein. Verbotswahn – oder eine richtige Entscheidung?

Samstag, 29.12.2018, 16:00 Uhr aktualisiert: 29.12.2018, 16:12 Uhr
Silvester: Blick von der Torminbrücke auf das Feuerwerk in Münster. Foto: Oliver Werner

Pro: Stadt ist keine Kampfzone

Feuerwerkskörper im Wert von 137 Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr zu Silvester in die Luft geschossen – 2004 gaben die Deutschen „nur“ 87 Millionen Euro für die Böllerei aus. Die ersten Knaller explodieren schon Tage vor dem Jahreswechsel, die letzten Tage danach. Lärm, Feinstaubbelastung und Müllberge sind unerfreuliche Begleiterscheinungen – von Betrunkenen, die Böller ganz gezielt auf andere Menschen abfeuern, ganz abgesehen.

Immer mehr Städte reagieren mit einem Böllerverbot oder Böllerverbotszonen – Düsseldorf, Dortmund, Bremen, Hannover, Nürnberg, Würzburg, um nur einige zu nennen.

Eine richtige Entscheidung. Es gibt keine vernünftigen Gründe, die dafür sprechen, dass sich eine Innenstadt zum Jahreswechsel in eine Kampfzone verwandeln muss. Eine immer mehr Bereiche des Lebens erobernde Spaßgesellschaft wird es verkraften, dass sie Silvester nur an ausgewählten Stellen oder gar nicht Böller zünden darf. Ein zentrales, von der Stadt organisiertes Feuerwerk wäre eine gute Alternative für alle – ohne Begleiterscheinungen.  (Martin Kalitschke)

Contra: Ein schönes Brauchtum

Dass rücksichtslose Zeitgenossen Silvesterböller für Attacken gegen ihre Mitmenschen missbrauchen, kommt hin und wieder vor. Daraus allerdings ein generelles Verbot eines Silvesterfeuerwerks in der münsterischen Innenstadt abzuleiten, wäre eine überzogene Entscheidung. Man sollte es nicht reflexartig Großstädten wie Hannover oder Dortmund gleichtun, die das Abbrennen von Feuerwerk in bestimmten Bereichen bereits untersagt haben.

Sicheres Silvester

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    Arbeits- und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann rät, in der anste-henden Silvesternacht nur geprüfte und zugelassene Feuerwerksartikel zu benutzen. „Insbesondere über das Internet werden immer wieder illegale Böller und Raketen gekauft, die eine unberechenbare Wirkung haben. Wer diese verbotenen Pyrotechnikartikel zündet, riskiert seine Gesundheit und sogar sein Leben“, warnt Minister Laumann.

    Foto: colourbox.com
  • Jedes Jahr kommt es in der Silvesternacht zu schweren Unfällen, bei denen Menschen Augenlicht, Hörvermögen oder Hände verlieren. Die Ursache ist meist: ein zu leichtfertiger Umgang mit gefährlichen Knall-körpern.

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  • Verbraucher können geprüftes und zugelassenes Feuerwerk unter an-derem am CE-Kennzeichen und der Kennnummer der Prüfstelle erken-nen. Der Kauf im namhaften Einzelhandel gibt zusätzlich Sicherheit.

    Foto: Oliver Werner (Archiv-Bild)
  • Auch in diesem Jahr sind wieder die Expertinnen und Experten der Be-zirksregierungen unterwegs, um gefährliches Feuerwerk aus dem Ver-kehr zu ziehen, bevor es in die Hände der Verbraucher gelangt. Dabei kontrollieren sie auch die Einhaltung der Vorschriften für den Verkauf von Feuerwerk. Feuerwerksartikel der Kategorie F2 (Raketen, Kano-nenschläge, Böller) dürfen nur an Personen ab 18 Jahren verkauft oder weitergegeben werden.

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  • Der Verkauf ist in diesem Jahr vom 28. bis zum 30. Dezember erlaubt, das Abbrennen nur am 31. Dezember und 1. Januar.

    Foto: dpa
  • Beim Kauf und Zünden von Feuerwerksartikeln sollten folgende Tipps beachtet werden:

    • beim Kauf auf das CE-Kennzeichen achten
    • Sicherheitshinweise genau lesen und beachten
    • Sicherheitsabstand, insbesondere zu Personen, einhalten
    • Böller nach dem Anzünden sofort wegwerfen
    • sich nach dem Zünden von Raketen und Fontänen schnell entfernen
    Foto: Oliver Werner
    • bei Raketen auf eine sichere „Abschussrampe“ achten.
    • Raketen und Fontänen nie unter Vordächern, Bäumen etc. zünden
    • „Blindgänger“ nie erneut zünden – am besten mit Wasser übergießen
    Foto: dpa
    • Keine Basteleien mit Feuerwerkskörpern – dies ist eine häufige Unfallursache
    • Fenster und Türen geschlossen halten, damit angezündete Feuerwerkskörper nicht in das Gebäude gelangen können
    • Haustiere in einen möglichst ruhigen Raum bringen
    Foto: colourbox.com
  • Einen Handzettel mit den wichtigsten Tipps stellt das Ministerium kostenlos zur Verfügung: https://www.mags.nrw/broschuerenservice

    Weitergehende Informationen sind auch bei der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) erhältlich: https://www.bam.de/

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Mit Appellen an die Vernunft der Münsteraner und dem verstärkten Einsatz von Ordnungskräften an beliebten und sensiblen Plätzen wie dem Domplatz könnte das schöne Feuerwerks-Brauchtum in der Silvesternacht erhalten bleiben.

Es geht beim Böllern schließlich nicht um Ersatzkriegsschauplätze für Unzufriedene mit erhöhtem Aggressionspotenzial, sondern darum, zum Jahreswechsel einer freudigen Aufbruchstimmung Ausdruck zu verleihen. Dazu gehört eben auch, dass die Welt in buntes Licht getaucht wird, und die Menschen es mal ordentlich Krachen lassen.  (Karin Höller)

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