Gedenken an den 9. November 1938
Angst vor neuem Antisemitismus

Münster -

Auch in der münsterischen Synagoge wurde am Freitag an die Reichspogromnacht vom 9. November 1938 erinnert. Im Mittelpunkt der Reden stand der seit einiger Zeit wieder neu aufkeimende Antisemitismus in Deutschland.

Freitag, 09.11.2018, 20:00 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 09.11.2018, 20:00 Uhr
Die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit lud am Freitag zu einer Gedenkfeier in die Synagoge ein. Anlass war der 80. Jahrestag der Reichspogromnacht vom 9. November 1938. Foto: Matthias Ahlke

Die Zeiten sind vorbei, in denen die Stadtgesellschaft nach der alljährlichen Gedenkfeier am 9. November in der festen Überzeugung die Synagoge verließ, dass der Antisemitismus ein Phänomen der Vergangenheit war. Er ist zurück, so stark wie nie seit 1945 – der Antisemitismus von Rechts und Links und, neuerdings, der Antisemitismus von Migranten aus dem arabischen Raum.

„Ich hätte nie gedacht, dass es wieder so weit kommen könnte“, räumte Regierungspräsidentin Dorothee Feller am Freitag vor mehr als 150 Zuhörern in der Synagoge ein. Die Ansprache bei dem von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit ausgerichteten Gedenken an den 9. November 1938, als auch in Münster die Synagoge zerstört wurde, hielt diesmal Dr. Uri Kaufmann, Leiter der Alten Synagoge in Essen.

Gegen Ausbreitung von Hass vorgehen

Dr. Ferdinand Schumacher von der Gesellschaft stellte fest: „Der Antisemitismus hat in Deutschland offenbar wieder einen Boden gefunden.“ Die stellvertretende Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Dr. Karina von Hoensbroech, äußerte ebenfalls „große Sorge“ über den wieder aufkeimenden Judenhass.

Gerade in einer Einwanderungsgesellschaft wie Deutschland stelle der Kampf gegen den Antisemitismus eine große Herausforderung dar, betonte Kaufmann. „Viele Schüler, die heute zur Schule gehen, haben keinen Bezug zur deutschen Geschichte“, so Kaufmann – zumal nicht wenige über Internet und Satellitenschüsseln Medien aus ihren Herkunftsländern konsumierten, die auch antisemitische Propaganda verbreiten. Es sei Aufgabe der Schulen, aber auch der Erwachsenenbildung, aktiv gegen die Ausbreitung von Judenhass vorzugehen, forderte Uri Kaufmann in seiner knappen Rede.

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Dr. Karina von Hoensbroech, stellvertretende Vorsitzender der Jüdische Gemeine Münster

Antisemitismus ist nicht unser Problem, Antisemitismus ist das Problem der nichtjüdischen Gesellschaft.

Karina von Hoens­broech, stellvertretende Vorsitzende der jüdischen Gemeinde

„Antisemitismus ist nicht unser Problem, Antisemitismus ist das Problem der nichtjüdischen Gesellschaft“, stellte Karina von Hoens­broech klar. Daher sei jeder aufgefordert, sich für den Erhalt der Demokratie zu engagieren.

Auch die Regierungspräsidentin appellierte: „Alle sind gefordert.“ Zugleich betonte sie, dass der größte Teil der antisemitischen Straftaten, die sich 2017 in NRW ereigneten, von Personen aus dem rechten Spektrum begangen wurde. Besorgt zeigte sie sich, dass sich der Judenhass in den sozialen Medien immer mehr ausbreite.

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