Störfaktor Windrad
„Das Windrad hat mich vertrieben“

Münster -

Wenn Windkraft zu einem Problem für die Gesundheit wird: Familie Hollenhorst lebt mit einem ständigen Brummen. Wir schildern ihren Fall.

Dienstag, 23.10.2018, 07:00 Uhr aktualisiert: 24.10.2018, 07:38 Uhr
Thorsten Schaefer (v.l.) sowie Anja, Cornelia, Reinhard und Frank Hollenhorst arbeiten allesamt in direkter Nähe zu diesem Windrad. Sie fühlen sich gestört. Cornelia und Reinhard Hollenhorst sind deswegen sogar schon nach Senden umgezogen. Foto: Oliver Werner

Über 50 Jahre lang hatte Reinhard Hollenhorst die Adresse Grafschaft 10, jetzt wohnt er mit seiner Frau Cornelia in Senden. „Das Windrad hat mich vertrieben“, nennt er den Grund für den Abschied von seinen angestammten Lebensmittelpunkt. Der Seniorchef der Spedition HTI hat sich nach eigenem Bekunden für seine Gesundheit und gegen ein Weiterleben buchstäblich im Windschatten des Windrades entschieden. „Die Belastung war einfach zu groß.“

Seine Tochter Anja Hollenhorst wohnt noch immer mit ihrem Lebensgefährten Thorsten Schaefer auf dem Betriebsgelände, das auch ihr Vater mal sein Zuhause nannte. „Ich kann nicht weg, weil wir hier erreichbar sein müssen“, so die Juniorchefin.

Aber ohne diese Verpflichtung hätte auch sie längst die Koffer gepackt. Das Windrad, nach Angaben von Vater und Tochter rund 450 Meter vom Speditionsgelände entfernt, hat das Leben der ganzen Familie verändert – zum Negativen.

Geduld ist erschöpft

Anja Hollenhorst vergleicht den tiefen, surrenden und brummenden Ton, der vom Windrad ausgeht, mit dem Geräusch eines Flugzeuges am Himmel. „Nur mit dem Unterschied, dass das Flugzeug irgendwann einmal weg ist.“

Für Vater Reinhard ist die Beeinträchtigung durch das benachbarte Windrad nicht allein rein akustischer Natur. Wie er im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt, verursachen die riesigen Rotorblätter eine leichte, gleichwohl spürbare und kontinuierliche Luftwelle, die angrenzende Gebäude – ganz leicht – in Schwingung versetze. „Man fühlt sich unwohl, wenn man permanent diesen Schwingungen ausgesetzt ist“

Anfangs hatten sich die Hollenhorsts vorgenommen, das Windrand in ihrer Nähe – quasi wie einen neuen Nachbarn – zu dulden. Inzwischen aber, so betonen alle, sei diese Geduld erschöpft. Zu sehr empfinden sie diese Mischung aus Windschlag, Schlagschatten und Brummen als störend, zumal die Anlage im Optimalfall Tag und Nach läuft.

Ständiges "Wusch-Wusch-Wusch"

Im Frühjahr reichte die Familie Klage ein. In einer ersten Eilentscheidung sah das Verwaltungsgericht Münster aber keine Veranlassung, an der Rechtmäßigkeit der Genehmigung zu zweifeln.

Darüber hinaus gab es viele Beschwerden bei der zuständigen Bezirksregierung. Sie hatten Erfolg. Zumindest aktuell steht das Windrad wegen Nichteinhaltung der Lärmschutzwerte still.

Auch in der angrenzenden Wohnsiedlung erregt das Windrad die Gemüter, so die Auskunft von Hanspeter und Erika Kunze, die am Sporckweg wohnen. Das ständige „Wusch-Wusch-Wusch“ können schon auf die Nerven gehen, klagt das Ehepaar und weiß sich darin – nach eigenem Bekunden – mit vielen Nachbarn einig.

Sie alle lehnen die Windkraft nicht per se ab, fragen sich aber, ob nicht größere Abstandsflächen zu der Wohnbebauung eingehalten werden sollten.

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