Universität Münster
Illegales Tierlabor: Ermittlungen ge­gen Mitarbeiter eingestellt

Münster -

Ein illegales Versuchslabor in der Hautklinik der Universität Münster hatte im Juni 2017 für Schlagzeilen gesorgt. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eingestellt – wegen Geringfügigkeit.

Montag, 20.08.2018, 20:30 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 20.08.2018, 20:30 Uhr
Eine Maus in einem Tierversuch –  nicht alle an Tieren vorgenommenen Experimente sind illegal. Die Uni Münster will jetzt eine Handlungsempfehlung für den Umgang mit Versuchstieren entwickeln. Foto: Wilfried Gerharz

Illegale Labormäuse in der Hautklinik: Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen ge­gen drei Mitarbeiter der Universität jetzt eingestellt – wegen Geringfügigkeit.

Das bestätigte Oberstaatsanwalt Stefan Lechtape auf Anfrage. Drei Gründe nann­te der Sprecher der Staatsanwaltschaft für die Entscheidung. Alle drei Beschuldigten seien bislang noch nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten.

Tierversuche an der Uni Münster

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  • Die Uni Münster hat nach einem fast fünfjährigen Diskussionsprozess ein ethisches Leitbild für den Umgang mit Tieren in der Wissenschaft verabschiedet.

    Die Uni Münster hat nach einem fast fünfjährigen Diskussionsprozess ein ethisches Leitbild für den Umgang mit Tieren in der Wissenschaft verabschiedet.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Zusätzlich zu den Vorgaben aus dem Tierschutzgesetz will die Uni damit Mitarbeiter und Forscher für das umstrittene Thema Tierversuche sensibilisieren.

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  • Die Uni in Münster hält für Tierversuche unter anderem 40 Makaken-Affen,...

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  • ...90 Marmosetten-Affen,...

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  • ...rund 35.000 Mäuse, knapp 1000 Ratten, 40.000 Fische und etwa 900 weitere Tiere.

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  • Die Uni Münster hat Haltungsgenehmigungen für deutlich mehr Tiere. Das neue Leitbild soll einen Orientierungsrahmen liefern – neben dem bereits sehr strengen Tierschutzgesetz.

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  • Sommer 2017 waren auf dem Gelände der Uni illegale Tierbestände gefunden worden. Die Ermittlungen der Behörden sind zu diesem Fall noch nicht abgeschlossen.

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  • Die Uni weist daraufhin, dass das jetzt veröffentlichte Leitbild nicht im Zusammenhang mit dem Vorfall steht. Der Diskussionsprozess sei bereits Ende 2012 begonnen worden.

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  • Die Uni will mit dem Leitbild Wissenschaftler an ihre persönliche Verantwortung für das Tier erinnern. Das Papier benennt das als „Nicht-Deligierbarkeit persönlicher Verantwortung“.

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  • Außerdem sollen Tierversuche auf ein Minimum beschränkt werden: „Leid der Tiere soweit wie möglich reduzieren“, heißt es in dem Leitbild.

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  • Die Wissenschaft soll nach Wegen suchen, Tierversuche zu ersetzen, zu reduzieren oder zu verbessern.

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  • Nach dem Versuch soll Tieren eine Lebensperspektive ermöglicht werden.

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  • Zudem will die Uni die Öffentlichkeit offen und transparent über die eigenen Tierversuche informieren.

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  • Auch sollen Uni-Mitarbeiter ermuntert werden, Missstände auch anonym als sogenannte Whistleblower zu melden.

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  • Roman Kolar, Leiter der Akademie für Tierschutz, des Deutschen Tierschutzbundes. lobt die Uni: „An manchen Stellen ist das Leitbild geradezu revolutionär. Dazu gehört der mehrfache Verweis auf den Eigenwert und die Empfindungsfähigkeit von Tieren oder auf die Verantwortung und Verpflichtung der Wissenschaft. Aber vor allem der Grundsatz, dass bei zu erwartendem schweren Tierleid auf einen Erkenntnisgewinn aus ethischen Gründen verzichtet werden muss, ist eine Aussage, die ich von deutschen Wissenschaftsorganisationen und -Einrichtungen so noch nie gehört habe.“

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  • Die Uni müsse jetzt aber beweisen, dass den Worten auch Taten folgen.

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  • „Sie hat hohe Ansprüche formuliert, selbst wenn diese eigentlich nur dem gestiegenen Stellenwert des Tierschutzes in der Gesellschaft entsprechen, zum Beispiel seiner Aufnahme ins Grundgesetz vor 15 Jahren“, sagt der Biologe Roman Kolar vom Deutschen Tierschutzbund.

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  • Das Leitbild soll auch Forschern den Rücken stärken, die sich bewusst für einen Tierversuch entschieden haben.

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  • „Es gibt Prozesse, denen sich die Uni stellen muss. Sie muss das Bewusstsein für das Problem Tierversuche wecken. Dabei geht es auch um die Konfrontation zwischen dem Protest gegen Tierversuche und der Notwendigkeit der Forschung“, sagt Gilbert Schönfelder, Leiter des bundeseigenen Deutschen Zentrums zum Schutz von Versuchstieren (Bf3R) in Berlin.

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  • Das im Oktober einstimmig vom Senat der Uni Münster verabschiedete Papier wurde am Freitag von einer Koordinierungskommission vorgestellt. Zu dieser Gruppe zählen sowohl Naturwissenschaftler, Mediziner, Tierschutzbeauftragte, der Leiter des Zentrums für Bioethik und Studentenvertreter.

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Zum zweiten habe die Universität eine Kommission eingesetzt, die Handlungsempfehlungen für den Umgang mit Tieren in Versuchsexperimenten entwickeln soll. „Und gegen zwei der Mitarbeiter hat das Veterinäramt eine ordnungsbehördliche Anordnung erlassen“. Demnach dürften diese nicht mehr mit Tieren arbeiten.

Nach den Worten Lechtapes sind ausreichend Vorkehrungen getroffen, dass sich „das Ereignis nicht wiederholen wird.“

Das illegale Tierlabor war im Juni 2017 aufgrund eines anonymen Hinweises aufgeflogen. Die Stadt hatte Strafanzeige gegen drei Mitarbeiter gestellt.

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Bisher keine Hinweise auf vorsätzliche Brandstiftung
 
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