Agravis
Ex-Mitarbeiter soll den Konzern in Russland geschädigt haben

Münster -

Seit 14 Jahren ist die Agravis in Russland geschäftlich aktiv. Ein „Wachstumsmarkt – auch langfristig“, heißt es noch heute bei dem Agrarhandels- und Dienstleistungsunternehmen (Münster/Hannover). Doch die Aktivitäten, so wurde vor wenigen Tagen bekannt, haben vor Jahren einen herben Rückschlag erfahren.

Mittwoch, 25.07.2018, 15:58 Uhr aktualisiert: 25.07.2018, 16:21 Uhr
Der Agravis-Standort in Münster: Bei seinem Engagement in Russland soll das Agrarhandels- und Dienstleistungsunternehmen von einem einstigen Mitarbeiter geschädigt worden sein, denn der stand offenbar zugleich hinter Unternehmen, mit denen er dort für Agravis Geschäfte abwickelte. Foto: Oliver Werner

Grund: Ein früherer verantwort­licher Mitarbeiter, gleichermaßen Fachmann für Futtermittel und Kenner der GUS-Staaten, soll an einem Mischfutter-Standort in Novoaleksandrowsk nicht nur die Konzern-, sondern auch eigene finanzielle Interessen verfolgt haben.

Die Agravis, die den Fall intern seit 2015 bearbeitet, spricht von einem „einstelligen Millionenbetrag“. Spiegel online – wohl von einem früheren Agravis-Mitarbeiter informiert – beziffert den entstandenen Schaden sogar auf 40 Millionen Euro . In einem zivilrechtlichen Verfahren ist man aktuell noch bemüht, von dem früheren Mitarbeiter, der mit einem eigenen Futtermittelbetrieb in Hamm aktiv ist, Geld zurückzuholen. Wegen des laufenden gerichtlichen Verfahrens ist man in der Agravis-Zentrale mit Auskünften zum Betrugsfall höchst vorsichtig.

Der Raum Stawropol im Nordkaukasus – von Münster über 3000 Kilometer entfernt – ist ein wichtiger Standort für die Nahrungsmittelindustrie. Rund 160 000 Menschen arbeiten dort in Landwirtschaft. Ackerbau und Viehzucht – „veredelungsstarke Region“ heißt es im Fachjargon.

Die Agravis baute dort in den Jahren 2008 bis 2010 im Städtchen Novoaleksan­drowsk ein Mischfutterwerk auf, um eine steigende Nachfrage der Region durch eine eigene Produktion zu bedienen. Ende 2010 lief im Werk, das im vergangenen Jahr 60 000 Tonnen Mischfutter herstellte, die Produktion an.

„Die Agravis“, so informierte kürzlich das Unternehmen seine Genossenschaften und Eigentümer, „stand beim Ein- und Verkauf in Russland im Wesentlichen mit Unternehmen in Geschäftsbeziehungen, die mittelbar oder unmittelbar einer schweizerischen Treuhandgesellschaft gehörten.“ Mitte 2015 habe man Hinweise erhalten, dass ein leitender Mitarbeiter vor Ort Mehrheitsgesellschafter dieser Gesellschaft war. Weiterhin habe sich herausgestellt, dass alle das Mischfutterwerk umgebenden Grundstücke im Besitz eines Unternehmens waren, das ebenfalls mehrheitlich einem leitenden Agravis-Mitarbeiter gehörte.

Kurzum: Die Agravis zahlte in diesem Beziehungs­geflecht mit Unterfirmen mutmaßlich nicht nur zu viel Pacht, sondern wurde auch in anderer Weise betrogen.

Als dies aufgefallen war, habe man 2015 sofort gehandelt, heißt es heute rückblickend. Bei der Aufarbeitung sei ein Hauptaugenmerk darauf gelegt worden, die Vermögenswerte in Novoaleksandrowsk zu sichern. Das Führungsteam in Russland wurde entlassen, gleichermaßen wurden die Vertriebs- und Einkaufsstrukturen in einer veränderten Form neu aufgebaut. „Nahezu die komplette Führungsebene in Russland wurde ausgetauscht und die konzernweit geltenden Compliance-Regeln wurden weiterentwickelt“, so die Agravis.

Da man sich wohl auch wegen der juristischen Komplexität entschied, keinen strafrechtlichen Weg zu beschreiten, sondern Stillschweigen vereinbarte, wurde der Fall im Konzern anders bearbeitet. Der Vorstand informierte fortlaufend den Aufsichtsrat um den Vorsitzenden Franz-Josef Holzenkamp. Erforderliche Entscheidungen, so heißt es, seien im Aufsichtsgremium des Konzerns besprochen und genehmigt worden. Holzenkamp habe veranlasst, dass im Rahmen der externen Jahresabschlussprüfungen das Russland-Geschäft in den Jahren 2015, 2016 und auch 2017 als Schwerpunkt untersucht wurde. „Die Anlaufverluste, Ergebnisse des operativen Geschäftes und potenzielle Risiken wurden in den jeweiligen Jahres­abschlüssen vollumfänglich abgebildet und verarbeitet. Alle Jahresabschlüsse haben die Prüfer mit dem un­ eingeschränkten Bestätigungs­vermerk versehen.“

Inzwischen ist das Futtermittelwerk vollständig im Besitz der Agravis. Diese hat den zuvor gepachteten Grund und Boden inklusive aller Ab- und Zufahrten komplett übernommen. Der Schaden wurde dadurch ­offenbar gemindert, wobei das Ergebnis der zivilrecht­lichen Auseinandersetzung mit dem früheren verantwortlichen Mitarbeiter des Mischfutter-Geschäfts in Russland noch aussteht.

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