Mitbegründer der Skulptur-Projekte
Kasper König erhält das „Silberne Rathaus“

Münster -

Oberbürgermeister Markus Lewe hat am Donnerstag Prof. Kasper König mit dem „Silbernen Rathaus“ ausgezeichnet. Der Mitbegründer und künstlerische Leiter der Skulptur-Projekte habe sich um die Stadt und die Region verdient gemacht, so Lewe.

Donnerstag, 05.07.2018, 19:00 Uhr

Aus den Händen von Oberbürgermeister Markus Lewe (r.) erhielt Prof. Kasper König, Mitbegründer der Skulptur-Projekte, am Donnerstagnachmittag das „Silberne Rathaus“. Die Anstecknadel befindet sich an Königs Revers. Foto: Matthias Ahlke

Prof. Kasper König ist nicht der Typ, der sich für Ehrungen überschwänglich bedankt. Auch am Donnerstagnachmittag gibt sich der Mitbegründer der Skulptur-Projekte eher nachdenklich, nachdem ihm Oberbürgermeister Markus Lewe im Beisein der Kulturausschüsse von Stadt und Landschaftsverband das „Silberne Rathaus“ verliehen hat.

„Wie geht es weiter mit den Skulptur-Projekten?“, fragt König – und gibt selbst die Antwort: „Das müssen Sie in fünf Jahren entscheiden. Doch werden die Skulptur-Projekte auch weiterhin notwendig und dringend sein – oder nur noch die Sahne auf dem Kuchen Münster?“

König empfiehlt den Blick über den Tellerrand, verweist auf den Satelliten Marl bei den Skulptur-Projekten 2017 – und rät den Kulturpolitikern, die seine Ehrung beklatschen, erst einmal den „Ball flachzuhalten“, was die Skulptur-Projekte 2027 betrifft.

Skulptur-Projekte: Alle Künstler - alle Werke

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  • Bei den fünften Skulptur-Projekten im Jahr 2017 sind 35 Werke zu sehen. Hier alle beteiligten Künstler und sämtliche Projekte im Kurzporträt:

    Bei den fünften Skulptur-Projekten im Jahr 2017 sind 35 Werke zu sehen. Hier alle beteiligten Künstler und sämtliche Projekte im Kurzporträt:

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ei Arakawa:

    Ein Mini-Museum mit sieben Gemälden plus Musik auf grüner Wiese vor Haus Kump – vor allem abends schön.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Nairy Baghramian:

    pseudounfertige Skulpturen auf Schraubenschlüsseln finden sich am Erbdrostenhof.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Aram Bartholl:

    Lagerfeuer-Feeling in gedachter Endzeit gibt es an drei Standorten: H1-Tunnel, Pumpenhaus und Fernsehturm.

    Foto: Henning Rogge
  • Cosima von Bonin/Tom Burr

    Die schwere Moore-Plastik am Landesmuseum wird scheinbar vom Tieflader abgeholt. Auf der Kiste steht „Fragile“ für „Zerbrechlich“.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Andreas Bunte:

    hängt am H1-Vorplatz, Stadthaus-1-Innenhof und bei der VHS Plakate mit Fotos einer Installation auf. Via QR-Code gibt es Töne und Bilder.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gerard Byrne

    Gerard Byrne setzt im Klaviersaal der Stadtbücherei das Verhältnis von Musik, Sprache und Bild in Szene.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Camp:

    (Shaina Anand und Ashok Sukumaran) spannt an der Theaterruine ein Netzwerk, das Informationen über das Theater und die Umgebung vermittelt.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Michael Dean

    Michael Dean verhängt den Lichthof des Landesmuseums mit transparenter Folie und zeigt darin Schriftzeichen-Skulpturen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Jeremy Deller:

    hat Kleingärtner zehn Jahre lang Tagebuch schreiben lassen. Respektable 33 Bücher werden ausgestellt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Nicole Eisenman:

    hat einen Brunnen für die Kreuzschanze schaffen, der aus unbekleideten Frauen besteht.

    Foto: Oliver Werner
  • Ayşe Erkmen:

    lässt Menschen im Hafen über eine Brücke unter Wasser gehen.

    Foto: Oliver Werner
  • Lara Favaretto:

    stellt am Ludgeriplatz gegenüber ein Denkmal für Kolonialkriegsopfer einen Spardosen-Monolithen für Flüchtlinge auf.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Hreinn Friðfinnsson:

    platziert auf einer Wiese im Sternbuschpark sein Edelstahl-Hausskelett.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Ludger Gerdes:

    hat 1989 über dem Ordnungsamt Marl das Leuchtschild „Angst“ anbringen lassen; bis zum 1. Oktober hängt es am Aegidiimarkt.

    Foto: Gerhard Kock
  • Pierre Huyghe:

    stellt die ehemalige Eissporthalle auf den Kopf für ein Habitat.

    Foto: Oliver Werner
  • John Knight:

    vermisst das neue Landesmuseum mit einer überdimensionierten Wasserwaage.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Justin Matherly:

    stellt den Nietzsche-Felsen in der Nähe des Hauptbahnhofs auf Gehhilfen und thematisiert dessen Erweckungserlebnis.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Christian Odzuck:

    stellt eine dem Gebäude der Oberfinanzdirektion nachempfundene Architektur aus recyceltem Material der abgerissenen OfD auf die Brache.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Peles Empire:

    (Barbara Wolff, Katharina Stöver) machen den Archetyp des Prinzipalmarkt-Giebels gegenüber dem Aegidiimarkt begehbar.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Alexandra Pirici:

    lässt Tänzer im Friedenssaal Bewegungen zum Thema Frieden und Staaten aufführen.

    Foto: Oliver Werner
  • Mika Rottenberg:

    eröffnet gegenüber dem Gefängnis in einem ehemaligen Asia-Laden einen Asia-Laden mit Videos.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Xavier Le Roy mit Scarlet Yu:

    lassen Münsteraner in der Innenstadt pantomimisch Skulpturen darstellen, um mit Fremden ins Gespräch zu kommen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Sany:

    (oder besser: Samuel Nyholm) zeigt seine fallenden Figuren als Brennmalerei auf Holz an mehreren Stellen in der City.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gregor Schneider:

    hat im Landesmuseum die Wohnung von N. Schmidt eingerichtet.

    Foto: Henning Rogge
  • Thomas Schütte:

    zeigt auf dem ehemaligen Zoo-Gelände die Reinform des Tempels in Rostrot.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Nora Schultz:

    will mit Installation und Videos die Wucht der Architektur des neuen Landesmuseums brechen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Emeka Ogboh macht die Weltmusik des in Münster begrabenen Komponisten Moondog im Hamburger Tunnel hörbar und ließ in Belgien Bier unter dem Einfluss von Musik aus Lagos brauen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Michael Smith:

    lädt über 65-Jährige ein, sich kostengünstig Tattoos von Arbeiten internationaler Künstler stechen zu lassen.

    Foto: Martin Kalitschke
  • Hito Steyerl:

    stellt „Hell-YeahWeFuckDie“ als Leuchten in die LBS – Wörter, die in Popsongs der Gegenwart häufig sind – und thematisiert zudem, wie Menschen mit Robotern umgehen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Koki Tanaka:

    zeigt in der Johannisstraße 18/20 Videos von Workshops mit Münsteranern, die darüber nachgedacht haben, wie Menschen zusammenleben und Unbekanntes teilen.

    Foto: Henning Rogge
  •  Oscar Tuazon:

    bereichert eine Industriebrache am Stadthafen mit einer Art öffentlichem Betonkamin.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Bárbara Wagner und Benjamin de Burca:

    singen in der Uralt-Disco „Elephant Lounge“ Schmalz-Schlager mit kritischen Texten: „Bye Bye Deutschland! Eine Lebensmelodie.“

    Foto: Matthias Ahlke
  • Cerith Wyn Evans kühlt eine Glocke von St. Stephanus auf Winter-Temperatur. Zu den üblichen Gottesdienstzeiten (samstags um 17 Uhr und sonntags um 10.30 Uhr) können die Menschen hören, ob dies einen Unterschied macht - und wenn welchen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Hervé Youmbi:

    hängt zwischen die Bäume des alten Überwasserfriedhofs über die Bronzefiguren Masken, die Motive aus Afrika mit dem Horrorgesicht aus den „Scream“-Filmen kombiniert – ein Maskenball der besondern Art.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gintersdorfer/Klaßen starten im Pumpenhaus ihre öffentlichen Performance-Proben „Erniedrigung ist nicht das Ende der Welt“. (Symbolfoto)

    Foto: pd

Die Frage, ob er in zehn Jahren noch einmal die künstlerische Leitung der weltweit beachteten Skulpturenschau übernehmen wird, hat zuvor bereits der Vorsitzende der LWL-Landschaftsversammlung, Dieter Gebhard, beantwortet. „Ich denke, dass es 2027 eine neue künstlerische Leitung geben wird, die in die sehr großen Fußstapfen von Herrn König treten wird“, so Gebhard. Schließlich wäre König dann bereits 84.

Rolle bei Realisierung des Richter-Kunstwerks

Nicht nur für seine Verdienste um die Skulpturenausstellung, auch für seine Rolle bei der Realisierung des Gerhard-Richter-Kunstwerkes „Zwei graue Doppelspiegel für ein Pendel“ darf König nun das „Silberne Rathaus“ an sein Revers stecken.

Richter-Pendel der Öffentlichkeit übergeben

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  • OHW_8386 Foto: Oliver Werner
  • Foto: Oliver Werner
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Die Auszeichnung ist nicht der einzige Grund für das Zusammentreffen der Kulturausschüsse. Lewe will sich mit dem Empfang im Friedenssaal für die Unterstützung der beiden Gremien bei den vergangenen Skulptur-Projekten, aber auch bei anderen kulturellen Großprojekten bedanken, darunter der Neubau des Landesmuseums für Kunst und Kultur. Kulturell „laufen die Dinge hervorragend“ in Münster und Westfalen-Lippe, so Lewe.

Kunst fern von Markt und Kommerz

Gebhard bekräftigt derweil, dass der Landschaftsverband auch die nächsten Skulptur-Projekte finanziell unterstützten werde. Im Gegensatz zu König scheint für ihn außer Frage, dass es 2027 eine Neuauflage geben wird. Festredner ist der Direktor des Marta-Museums in Herford, Roland Nachtigäller. Er erinnert sich an seine ersten Begegnungen mit den Skulptur-Projekten, mit 16 im Jahr 1977. An die Kulturpolitiker richtete er den Wunsch, weitere Projekte erwartungsfrei anzugehen, damit sich die Kunst fern von Markt und Kommerz entfalten kann.

Die zehn populärsten Werke

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  • Platz 9 müsste eigentlich Platz 10 sein, teilt sich mit der Wasserwaage von John Knight aber die gleiche Zahl an Stimmen. Daher gibt es zwei 9. Plätze: Einer davon ist Koki Tanakas Werk „Gruppe“. Vier Stunden Film-Material zeigt acht Menschen, die miteinander reden und gelegentlich Impulse von anderen Menschen bekommen. Die Fragestellung ist ebenso spannend wie wichtig: „Wie zusammen leben und das Unbekannte teilen“.

    Platz 9 müsste eigentlich Platz 10 sein, teilt sich mit der Wasserwaage von John Knight aber die gleiche Zahl an Stimmen. Daher gibt es zwei 9. Plätze: Einer davon ist Koki Tanakas Werk „Gruppe“. Vier Stunden Film-Material zeigt acht Menschen, die miteinander reden und gelegentlich Impulse von anderen Menschen bekommen. Die Fragestellung ist ebenso spannend wie wichtig: „Wie zusammen leben und das Unbekannte teilen“.

    Foto: Oliver Werner
  • Ebenfalls auf Platz 9: John Knights Waage am LWL-Museum für Kunst und Kultur.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Platz 7: Hervé Youmbi vermischt in seinen himmlischen Masken afrikanische und US-amerikanische Jenseits-Motive von Tod und Schrecken. Der Kameruner hat sie am Überwasserfriedhof in unmittelbarer Nähe zur letzten Ruhestätte des Generals Ludwig Roth von Schreckensteinin in Bäumen aufgehängt. Damit hinterfragt der Künstler die Authentizität von Grabriten. Seine Arbeit wirft an diesem Ort unwillkürlich Gedanken über Spiritualität und Aberglaube auf. Wer etwa die Motive seiner himmlischen Masken studiert, die mitunter recht grimmig sind, dem werden Gedanken über Unheil bringende Fetische kommen. Ob man will oder nicht.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Ebenfalls auf Platz 7: Die Gartenstraße Nummer 29 war schon immer ein Ort irgendwo in Fernost – voll chinesischer Zutaten. Während der Skulptur-Projekte 2017 konzentriert sich im Hinterzimmer des ehemaligen Asia-Ladens die globalisierte Welt und dies sehr bunt, aber nicht immer schön. Angeordnet hat dieses Sammelsurium die 1976 geborene Künstlerin Mika Rottenberg, selbst ein Kind der globalisierten Welt. Geboren in Argentinien, aufgewachsen in Israel, ausgebildet zur Künstlerin in den USA, als solche tätig überall. Rottenbergs Skulptur-Projekt vollendet der 30 Minuten dauernde Film, der im als kleines Kino umgebauten Hinterzimmer des Asia-Ladens in Endlos-Schleife läuft.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Platz 6: Im Tunnel am Schloss herrscht während der Skulptur-Projekte dank Aram Bartholls fünf Kronleuchter mit ihren jeweils aus zehn thermoelektrischen, mit Teelichtern betriebenen LED-Leselampen eine fast schon festliche Stimmung.

    Foto: Hanna Neander
  • Für Platz fünf (Pierre Huyghes Welt im Eispalast) findet Irmgard Bröskamp (Ostbevern) diese Worte: „Hier kann nachempfunden werden, wie trist, trostlos, unheimlich ein Leben ohne Mitmenschen und Pflanzen sein kann. Eine Mahnung, wie wichtig es ist, die Umwelt zu schützen und zu pflegen.“

    Foto: Matthias Ahlke
  • Platz 4: Der Schönheit und Stille erfreuen sich Besucher auch beim Haus im Wald von Hreinn Fridfinnsson. Leser Christian Lüschen-Heimer: „Die Wirkung entfaltet sich erst, wenn man sich einlässt, sprich: sich ihm nähert, es betritt. Und dann ist sie enorm: Heimat; Wahrnehmung von Geborgenheit und gleichzeitig Ungeschütztheit; Erinnerung an Kinderspiele; die gedankliche Vervollständigung, die bei jedem anders ist. Es ist berührend!“

    Foto: -kb-
  • Platz drei der „Lieblingsskulpturen“: Der “Nuclear Temple“ von Thomas Schütte erinnert einerseits an ein Atomkraftwerk, andererseits an eine Kirche. Er fügt sich harmonisch in das Gelände des alten Zoos und strahlt eine eigenartige Würde und Ruhe aus.

    Foto: Ellen Bultmann
  • Platz 2: Mit 60 Stimmen landet der Nackerten-Brunnen von Nicole Eisenman auf Platz zwei. Damit kommen die beiden Wasser-Skulpturen auf die Hälfte der Stimmen und verweisen die übrigen 33 Skulpturen auf die hinteren Plätze.

    Foto: Hanna Neander
  • Platz 1: Der Unterwasser-Steg von Ayşe Erkmen war von Start weg ein Renner. Die Unterwasserbrücke hat mit 113 Stimmen fast ein Drittel aller Stimmen auf sich vereint. Das Besondere dieses Skulptur-Projektes ist, dass es an sich unsichtbar ist und erst durch die Besucher erkennbar wird.

    Foto: Oliver Werner
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