Prozessauftakt vor dem Landgericht
Der Schwindel mit der Windkraft

Münster -

Den vollmundigen Versprechungen über die Entwicklung innovativer Windkraftanlagen folgten laut Staatsanwaltschaft keine Taten: Sechs Angeklagte sollen so einen Millionenschaden verursacht haben.

Dienstag, 10.04.2018, 10:04 Uhr

Foto: dpa

Über Jahre hinweg sollen insgesamt sechs Angeklagte mit Versprechungen über falsche Windkraftanlagen einen Millionenschaden verursacht haben. Zwei der Angeklagten, die am Montag zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Münster erschienen, kommen aus Münster. Auch die beiden Firmen, mit denen die Betrugsmasche in die Tat umgesetzt worden sein soll, hatten ihren Sitz in Münster.

Drahtzieher ist laut Anklage der Staatsanwaltschaft ein heute 72 Jahre alter Mann aus Plauen, der sich selbst „als Erfinder wahrnahm“, so der Staatsanwalt während der Anklageverlesung, die sich über beinahe zwei Stunden hinzog. Der Mann, der bereits seit Anfang der 90-er Jahre mehrfach wegen Betrugsdelikten, Unterschlagung, Insolvenzverschleppung, Steuerhinterziehung, Veruntreuung sowie fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs rechtskräftig verurteilt worden war, soll in den Zeiträumen von 2007 bis 2009 sowie von 2011 bis 2013 mittels der Firmen kleine, privat nutzbare Windkraftanlagen angeboten haben. Diese seien nicht nur als besonders leise und genehmigungsfrei, sondern vor allem als technische Innovation beworben worden.

Laut Staatsanwaltschaft hätten die Angeklagten versprochen, dass die Anlagen mit der fünffachen Leistungsfähigkeit herkömmlicher Anlagen arbeiten würden. Faktisch sei das ein Wirkungsgrad von über 100 Prozent. Dass, so der Vertreter der Staatsanwalt, sei allerdings physikalisch unmöglich. Dementsprechend sei es nie dazu gekommen, dass die versprochene Technik entwickelt, geschweigen denn ausgeliefert worden sei.

Vielmehr seien die geflossenen Vorauszahlungen der Opfer sofort vom Firmenvermögen für private Zwecke oder zur Begleichung von Lieferantenrechnungen abgeschöpft worden. Das habe bei einer ersten Firma, an der nur der Hauptangeklagte, seine mitangeklagte Frau sowie ein mitangeklagter Münsteraner beteiligt waren, 2009 zur Insolvenz geführt.

Mit einer weiteren Firma, für die die drei anderen Mitangeklagten angeworben wurden, seien von 2011 bis 2013 im gleichen Stil Interessenten betrogen worden. Der Hauptgeschädigte um eine Summe von über 600 000 Euro. Insgesamt beziffert die Staatsanwaltschaft den Schaden auf rund zwei Millionen Euro.

Zum Zeitpunkt einer Inhaftierung des Hauptangeklagten 2013 sei schließlich auch die zweite Firma zahlungsunfähig gewesen.

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