Bilder einer nicht ganz einfachen Beziehung
Ausstellung zur Wissenschaftskooperation mit dem Iran

Münster -

Neurowissenschaftler aus Münster und der iranischen Stadt Mashad pflegen einen Austausch – angesichts der politischen Umstände eine nicht einfache Beziehung. Eine Ausstellung illustriert die Beziehung.

Donnerstag, 22.03.2018, 09:03 Uhr

Die Ausstellung eröffneten (v.l): Amir Hossein Gharibnejad (iranische Botschaft), Prof. Dr. Erwin-Josef Speckmann, Prof. Sven Meuth (beide WWU), Dr. Mohammad Etezad Razavi (Hochschule Mashad), Prof. Dr. Ali Gorji (WWU) und der Dekan der medizinischen Fakultät der WWU, Prof. Dr. Mathias Hermann   Foto: Karin Völker

Wissenschaft kennt keine Grenzen – aber es gibt Barrieren für den Austausch, die höher sind als andere. Dazu gehören Wissenschaftsbeziehungen zum Iran. Neurowissenschaftler der medizinischen Fakultät der Universität Münster unterhalten solche Kontakte – allen politischen Komplikationen zum Trotz, denn „Wissbegierde lässt sich nicht begrenzen“, wie der münsterische Neurowissenschaftler Prof. Sven Meuth am Dienstagabend im Lehrgebäude der Fakultät sagte.

Dort wurde eine Ausstellung zur Geschichte der deutsch-iranischen Wissenschaftskooperationen eröffnet, in deren Zentrum die Aktivitäten der Mediziner der Universität Münster und ihrer Kollegen der medizinischen Hochschule in der Drei-Millionen-Stadt Mashad im Nordosten Irans steht. Unterstützt wird die Ausstellung von Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD).

Der Austausch, und die Ausstellung wird von den staatlichen Institutionen im Iran hoch gehandelt. Zur Eröffnung der Schau am persischen Neujahrsfest Nowroz war der Chef der Kulturabteilung der iranischen Botschaft aus Berlin gekommen.

Die Kontakte der Fakultät nach Mashad bestehen schon seit den 1990er-Jahren. Die Professoren Sven Meuth und Ali Gorji von der WWU sind die Motoren des Kontakts. Gorji kommt aus dem Iran, war Doktorand von Prof, Erwin-Josef Speckmann, und ist heute an de Fakultät in der Epilepsieforschung tätig. Gorji sind die Beziehungen zu seiner Heimat wichtig, er plädierte auch vor einigen Jahren in der Zeitschrift „Nature“ dafür, Medizinprodukte von den Wirtschaftssanktionen gegen den Iran auszunehmen.

Der Studiendekan der Medizinischen Hochschule Mashad, Dr. Mohammad Etezad Razavi, begann seine Ansprache bei der Ausstellungseröffnung mit der Formen „im Namen Allahs, des Allmächtigen“, um sich dann dem internationalen Rang der iranischen Wissenschaft und seiner Hochschule zuzuwenden. Mit Schaubildern illustrierte er, dass Wissenschaftler aus dem Iran, etwa im Ranking der Zahl der Forschungspublikationen keineswegs abgeschlagen sind.

Wer mit iranischen Wissenschafts-Institutionen kooperiert, muss auch bei Besuchen auch die dortigen Regelb akzeptieren. Für münsterische Medizinerinnen bedeutete das bei einem Kongress-Besuch in Mashad, dass sie, wie die schwarz verschleierten iranischen Kolleginnen, zumindest Kopftücher trugen. Die medizinische Fakultät der WWU legte Wert darauf die politische und kulturelle Dimension des Austausches nicht auszublenden – und hatte islamischen Religionswissenschaftler Prof. Mouhanad Khorchide zu einem Vortrag bei der Eröffnung eingeladen – er beleuchtete die Gegensätze von Ländern mit Staatsreligion wie dem Iran und solchen Religionsfreiheit wie Deutschland.

Auch Vertreter deutsch-persischer Kulturvereine aus Münster und der Region waren eingeladen, kamen aber nicht. Zum einen weil traditionell das iranische Neujahrsfest mit der Familie gefeiert wird, wie einer der Eingeladenen gegenüber unserer Zeitung sagte. Zum anderen lehnten viele hier im Exil lebende oppositionelle Iraner Kooperationen mit staatlichen Institutionen des Iran ab.

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Die Ausstellung im Lehrgebäude Albert-Schweitzer-Straße 21, ist noch bis einschließlich Freitag (23. März) zu sehen.

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