Warendorfer Straße
Polizei rekonstruiert tödlichen Unfall

Münster -

(Aktualisiert) In einer bislang beispiellosen Aktion hat die Polizei Münster am späten Dienstagabend zusammen mit Gutachtern, Unfallsachverständigen und der Staatsanwaltschaft auf der Warendorfer Straße den tödlichen Unfall vom 30. Januar rekonstruiert.

Mittwoch, 21.03.2018, 12:01 Uhr

Foto: Etzkorn

Damals raste ein 28-jähriger Betrunkener mit seinem 340 PS starken BMW und über 110 km/h in den Wagen einer 31-Jährigen. Die Frau überlebte den Horrorcrash nicht, der Unglücksfahrer sitzt seit Mitte Februar wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Ihm wird Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen. Eine mehrjährige Haftstrafe droht. „Er hat grob fahrlässig und rücksichtslos gehandelt und hätte mit 1,36 Promille die fahrt gar nicht antreten dürfen“, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Botzenhardt.

Möglichst realistische Bedingungen

Wir wollen unter möglichst realistische Bedingungen, die auch zum Unfallzeitpunkt um kurz vor 23 Uhr geherrscht haben, ermitteln“, so Botzenhardt. Deshalb startet die aufwendige Unfalluntersuchung auch erst um 22 Uhr. Mit verschiedenen Geschwindigkeiten nähern sich die beiden Leihwagen, die bau- und farbgleich mit den Unfallwagen sind, Meter für Meter immer wieder der Einmündung Friedensstraße/ Warendorfer Straße. Auf der Fahrbahn markieren weiße Striche die Meterabstände. An der Einmündung kam es am 30. Januar zum fatalen Zusammenprall.

 

Warendorfer Straße: Polizei rekonstruiert tödlichen Unfall

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Warendorfer Straße: Polizei rekonstruiert tödlichen Unfall Foto: hpe
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Wir wollen wissen, ob der Unfall mit Tempo 50  vermeidbar gewesen wäre.

Martin Botzenhardt, Staatsanwaltschaft

„Durch die Rekonstruktion wollen wir herausfinden, ob der Unfall vermeidbar gewesen wäre, wenn der BMW-Fahrer sich an die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h gehalten hätte“, so Botzenhardt. Die Auswertung der Fahr- und Bremstests soll auch klären, was die Beteiligten exakt zu welchem Zeitpunkt aus ihren jeweiligen Blickwinkeln voneinander hätten sehen und ob sie noch hätten reagieren können.

„Uns ist jede Erkenntnisquelle wichtig“

Parkende Autos am Straßenrand, eine Fußgängerampel mit Anforderungskontakt und Radverkehr auf einer auch am späten Abend noch belebten Hauptverkehrsstraße gehören zu den Begleitumständen des Unfalls. „Uns ist jede Erkenntnisquelle wichtig“, so Botzenhardt. Auch deshalb fahren Staatsanwälte in den Wagen mit, um selbst einen Eindruck zu bekommen.

Allerdings wird aus Sicherheitsgründen darauf verzichtet, mit den damals ermittelten 110 km/h über die Warendorfer Straße zu rasen. Polizeisprecher Roland Vorholt: „Weil in der Dunkelheit immer wieder Radler und Fußgänger auftauchen, wäre eine Hochgeschwindigkeitsfahrt zu risikoreich gewesen.“

Warendorfer Straße war zwei Stunden gesperrt

Für die Rekonstruktion ist die Warendorfer Straße zwischen Piusallee und Ring für Autos zwei Stunden komplett gesperrt, zwei Dutzend Beamte riegeln ab. Einige Schaulustige stehen an den Absperrungen. Manche glauben, es handelt sich um einen neuen Tatort-Filmdreh. Andere sind froh, dass so genau ermittelt wird. „Unverantwortliche Raserei. das erleben wir hier immer wieder“, meint ein Anwohner.

Die Ergebnisse der Rekonstruktion sollen in einigen Wochen vorliegen und sollen dann in die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft einfließen.

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