Prozessauftakt vor dem Landgericht
Attacke im Supermarkt: Mit Eisenstange auf Ehefrau eingeschlagen

Münster -

Wegen versuchten Mordes muss sich ein 56-jähriger Mann seit Freitag vor dem Landgericht verantworten. Im vergangenen Oktober attackierte er seine Ehefrau mit einer Eisenstange an ihrem Arbeitsplatz, einer Supermarktkasse an der Warendorfer Straße.

Freitag, 09.03.2018, 12:39 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 09.03.2018, 12:32 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 09.03.2018, 12:39 Uhr
Der 56-jährige Angeklagte (hier mit seiner Anwältin) räumte gleich zum Prozessauftakt ein, dass er im vergangenen Oktober seine Frau mit einer Eisenstange angegriffen hat. Foto: Oliver Werner

4. Oktober 2017, 10.50 Uhr. Im Rewe-Markt an der Warendorfer Straße zieht die 51-jährige Kassiererin den Einkauf eines Kunden über den Scanner. Plötzlich nähert sich von hinten ein Mann und schlägt der Frau vollkommen unvermittelt eine Eisenstange auf den Kopf. Die Frau sinkt zusammen, der Mann verschwindet durch den Hintereingang. Der Polizei gelingt es, den Täter kurz darauf zu stellen. Schnell wird klar, dass es sich um den Ehemann der Kassiererin handelt. Seit Freitag muss sich der 56-jährige Deutsche vor dem Landgericht wegen versuchten Mordes verantworten.

„Er schlug ohne Vorwarnung zu“, so der Staatsanwalt. Die Frau habe keine Chance gehabt, der Attacke auszuweichen. Mit dem wuchtigen Schlag habe der Angeklagte in Kauf genommen, der Frau tödliche Verletzungen zuzufügen. Sie erlitt unter anderem ein Schädel-Hirn-Trauma, ihre Schädeldecke zersplitterte – doch sie überlebte. „Ich habe trotz allem Glück gehabt“, betont die Frau vor Gericht. Allerdings kann sie noch immer nicht arbeiten, muss bald wieder operiert werden. Immer wieder bricht sie in Tränen aus.

„Er war mit einem Mal ein ganz anderer Mensch“

Täter und Opfer begegneten sich vor fast 40 Jahren zum ersten Mal. 2001 trafen sie sich wieder, drei Jahre später heirateten sie. Lange Jahre habe man eine gute Ehe geführt, sagt die Frau. Bis 2016. Nach wiederholten epileptischen Anfällen habe sich ihr Mann verändert, „er war mit einem Mal ein ganz anderer Mensch“. Er sei immer aggressiver geworden – wohl in Folge einer Autoimmunerkrankung, die auch das Gehirn in Mitleidenschaft zieht. Zudem konsumierte er laut medizinischen Gutachten bis zur Verhaftung ausgiebig Cannabis – bis zu zwei Gramm täglich.

Als er seiner Frau im Mai 2017 auch noch mit Schlägen drohte, zog sie aus dem gemeinsamen Haus aus. „Ich bekam Angst und wollte nur noch weg“, so die Frau. Fünf Monate später machte der 56-Jährige seine Gewaltandrohung war.

Geständnis zu Beginn

Vor Gericht räumt der Angeklagte, der bereits seit 2004 Frührentner ist, gleich zu Beginn der Verhandlung die Tat ein. „Ja, er ist der Mann auf dem Video der Supermarktkamera“, sagt seine Anwältin im Namen des Mandanten. Er bereue die Tat, habe aber nie vorgehabt, seine Frau zu töten. Auf die Forderungen der Nebenklage werde er eingehen. 15 000 Euro Schmerzensgeld habe er bereits überwiesen, weitere 15 000 Euro sollen folgen. Zudem habe er einen Brief an seine Frau geschrieben, die Ende 2017 Scheidungsklage eingereicht hat.

Der Prozess wird am 13. März fortgesetzt.

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