Anwohner-Protest ist gescheitert
Platanen am Hansaring werden gefällt

Münster -

Die Entscheidung ist gefallen, die Platanen am Hansaring werden gefällt. Die Anlieger versammelten sich am Freitagnachmittag vor Ort – und zeigten sich schwer enttäuscht.

Freitag, 02.03.2018, 19:45 Uhr aktualisiert: 06.03.2018, 11:10 Uhr
Die Platanen am Hansaring müssen für eine Baustelle weichen. Foto: Matthias Ahlke

Für einen kurzen Moment stellt sich der technische Geschäftsführer der Stadtwerke an die Spitze der Bewegung, die die Platanen am Hansaring erhalten will. „Mir persönlich wäre es lieb gewesen, wenn die Möglichkeit bestanden hätte, die Bäume zu erhalten“, versichert Dr. Dirk Wernicke . Doch leider, schiebt er schnell hinterher, gebe es kein Baustellen-Szenario, das diesen Erhalt zugelassen hätte.

Damit ist das Schicksal der Bäume besiegelt, sie werden fallen. Wann? „Diese Frage werde ich nicht beantworten“, sagt Wernicke. „Nach den Erfahrungen von vor zwei Wochen werden wir den Termin nicht ankündigen. Die Fällung soll in geordneten Bahnen verlaufen.“

Die Frage nach dem Zeitpunkt der Fällung werde ich nicht beantworten. Die Fällung soll in geordneten Bahnen verlaufen.

Dr. Dirk Wernicke, Stadtwerke Münster
Dr. Dirk Wernicke, Stadtwerke Münster

Dr. Wernicke betonte am Freitag, dass keine Alternativlösung umgesetzt werden könnte. Foto: Matthias Ahlke

Vor zwei Wochen hatten nach einem Bericht unserer Zeitung über die geplante Fällaktion Hunderte Anwohner für den Erhalt der Platanen demonstriert. Wiederholt kam es zu Mahnwachen vor den Bäume, zuletzt in der Nacht zu Dienstag, als plötzlich Gerüchte auftauchten, die Fällung stehe un­mittelbar bevor.

In den vergangenen Tagen hatten sich laut Wernicke mehrere städtische Ämter, Polizei, Stadtwerke und ein Ingenieurbüro „intensiv“ mit der Suche nach einer verkehrlichen Alternativlösung beschäftigt, die die Fäll­aktion überflüssig gemacht hätte.

Baustelle am Hansaring

Baustelle am Hansaring Foto: Jürgen Christ (Grafik)

Anwohner schwer enttäuscht

Nach Bekanntgabe der Ergebnisse am Freitagnachmittag versammeln sich spontan Anwohner vor den Platanen. „Wir sind schwer enttäuscht“, sagt Susanne Schöneich. „Die Stadtwerke hatten zugesagt, uns über das Ergebnis der Überprüfung zu informieren. Und jetzt erfahren wir davon über die Presse.“ Rita Hemsing-Huesmann kritisiert, „dass die gleichen Leute, die die Platanen-Fällung beschlossen hatten, diese Fällung überprüft haben“. Nach ihrer Einschätzung hätte sich eine neutrale Instanz mit dem Fall beschäftigen müssen. „Enttäuscht“ ist Johannes Schmanck. „Wir bleiben präsent“, verspricht er.

Kleine Lagebesprechung von Demonstranten am Nachmittag

Kleine Lagebesprechung von Demonstranten am Nachmittag Foto: Matthias Ahlke

Kommentar: Dennoch ein Erfolg

Die Menschen im Hansaviertel haben gekämpft – und verloren. Gegen die Expertise von acht städtischen Ämtern, Polizei und Stadtwerken hatten sie keine Chance. Verkehrschaos, höhere Unfallgefahr und Rettungsfahrzeuge, die im Stau stecken bleiben, lassen sich nur schwer mit Argumenten wie Lebensqualität und besserer Luft aufwiegen. Doch Verlierer sind die Menschen im Hansaviertel damit noch lange nicht. Sie haben es geschafft, dass Stadtverwaltung und Stadtwerke ihr Projekt – trotz Informationen im Vorfeld – nicht einfach durchziehen konnten, sondern sich noch einmal den Bürgern stellen mussten. Das ist ein großer Erfolg. Und sie haben die Bürger dafür sensibilisiert, genau aufzupassen, was im weiteren Baustellen-Verlauf passieren wird. Dass die Stadtwerke nicht wissen wollen, ob und in welchem Umfang auch dort Bäume fallen werden, mag man ihnen nur schwer abnehmen.

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Was kommt noch?

Sandra Buxbaum hegt immerhin die Hoffnung, „dass die Bürger nun auch beim weiteren Verlauf der Bau­stelle genauer hinschauen“. Die Arbeiten an der Fernwärmeleitung, die die vo­rübergehende Verlegung des Hansarings und damit die Fällaktion zur Folge haben, werden in den nächsten Jahren entlang des Rings bis zur Ostmarkstraße weitergehen. Auch dort stehen Bäume – sind sie ebenfalls von der Fällung bedroht? Details stehen noch nicht fest, sagt Wernicke, man werde aber versuchen, dass der Verkehr zweispurig weiterlaufen kann und die Bäume erhalten werden können. Wie in Kreisen der Stadtverwaltung zu hören ist, werde diese Frage aktuell bewusst nicht geprüft, um noch größeren Widerstand in der Bevölkerung zu vermeiden.

Derweil wollen die Stadtwerke am Standort der Hansaring-Platanen vier neue Bäume Pflanzen. „In größtmöglicher Größe“ sagt Wernicke. Die Kosten in Höhe von 40 000 Euro „nehmen wir gerne in Kauf.“

Protest gegen Baumfällaktion am Hansaring

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  • „Ich hätte noch 60 Jahre mindestens“ – an einer der Platanen am Hansaring hängt ein Protestplakat.

    „Ich hätte noch 60 Jahre mindestens“ – an einer der Platanen am Hansaring hängt ein Protestplakat.

    Foto: kal
  • Die 25 Meter hohen Bäume sollen gefällt werden, damit der Hansaring trotz Bauarbeiten zweispurig befahrbar bleibt.

    Foto: kal
  • Am Hansaring verlegen die Stadtwerke eine neue Fernwärmeleitung.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Am Freitagnachmittag kamen rund 250 Menschen, um gegen die Fällaktion zu protestieren.

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  • „Hände weg vom Hansabaum“ steht auf einem Protestplakat.

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  • Foto: Matthias Ahlke
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Keine Alternativen?

Gab es wirklich keine Alternative zur zweispurigen Baustellen-Verkehrsführung am Hansaring? Stadt und Stadtwerke kamen bei Prüfung dieser Alternativen zu einem negativen Ergebnis:

► Einrichtung einer Baustellenampel: würde wegen der hohen Verkehrsbelastung zu einer Überlastung umliegender Knotenpunkte führen; Rettungsdienste würden beeinträchtigt

► Verlegung des Hansarings auf Rad- und Gehweg: zu geringer Abstand zu den Hauseingängen; Wurzeln der Bäume würden beschädigt

► Einbahnstraßenregelung: Verdrängter Verkehr würde sich großflächig und kleinräumig verlagern; Rettungsdienste würden beeinträchtigt

► Alternativstrecke über Theodor-Scheiwe-Straße: Verdrängungsverkehr im Umfeld; mehr Unfälle am Un­fallschwerpunkt Wolbecker Straße; Gefährdung des Radverkehrs; Investitionen in die Straße in Höhe von 190 000 Euro erforderlich

► Vollsperrung des Hansaring in den Sommer­ferien: groß- und klein­räumiger Verdrängungs­verkehr; Feuerwehr stimmt aus brandschutztechnischer Sicht nicht zu

► Öffnung Hafenweg/Durchfahrt Osmo-Halle: Teile der Hallen weiter einsturzgefährdet; bevorstehende Abbrucharbeiten; wei­terer Baustellenverkehr im ­Bereich Hafenweg

► Provisorische „Überbrückung“ der Baustelle: hohe Kosten, bauliche Realisierungsprobleme

Ergebnis: Stadt Münster und Polizei halten die Aufrechterhaltung eines zweispurig befahrbaren Hansarings für erforderlich, die beiden Platanen seien daher nicht zu erhalten.

Die Mitteilung der Stadtwerke im Wortlaut

In einer Pressemitteilung erklären die Stadtwerke am Freitagnachmittag, dass ein Erhalt der zwei Bäume am Hansaring nicht möglich ist. Drei Alternativen seien schwerpunktmäßig geprüft, aber verworfen worden. Rettungswege und Verkehrssicherheit hätten dagegen gesprochen. Die Mitteilung im Wortlaut:

Ein Baustellen-Szenario, das einen Erhalt der beiden Platanen am Hansaring zulässt, ist unter den verwaltungsseitig gegebenen Planungsvoraussetzungen leider nicht umsetzbar. Dies ist das Ergebnis der intensiven Prüfung von Vorschlägen aus der Anwohnerschaft für eine alternative Verkehrsführung. Um zu vermeiden, dass Engpässe am Hansaring zu großräumigen Staus sowie Belastungen im umliegenden Straßennetz und Behinderungen im weiteren Stadtgebiet führen, ist eine Genehmigungsauflage, den Verkehr auch in der Bauzeit zweispurig zu führen. Die dazu notwendige Verschwenkung der Fahrbahn erfordert das Entfernen der zwei Bäume. Diese Auflage wurde von Seiten der Stadtverwaltung erneut bestätigt. An den umfangreichen Prüfungen waren acht Fachdienststellen beteiligt: von der Stadtverwaltung das Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Verkehrsplanung, die Straßenverkehrsbehörde, das Tiefbauamt, das Bauordnungsamt und die Feuerwehr; weiter das Polizeipräsidium (Direktion Verkehr), außerdem die Stadtwerke Münster und ein beauftragtes Ingenieurbüro.

Der Allee-Charakter zwischen Emdener und Dortmunder Straße wird nach den Bauarbeiten selbstverständlich wieder hergestellt und langfristig sogar verstärkt: Die Stadtwerke Münster hatten sich von Planungsbeginn an verpflichtet, zum Ersatz der zwei Bäume vier neue Exemplare zu pflanzen, die die maximal für Neupflanzungen geeignete Größe erreicht haben. Dabei handelt es sich um größere Exemplare als bisher vorgesehen: Gepflanzt werden entweder sieben bis neun Meter hohe Platanen mit einem Stammumfang von rund 60 bis 70 cm oder Linden mit fünf bis sieben Metern Höhe und einem Stammumfang von 40 bis 45 cm. Die damit verbundenen Kosten in Höhe von bis zu 40.000 Euro tragen vollumfänglich die Stadtwerke Münster.

Täglich passieren zirka 17.000 Fahrzeuge den Hansaring, rund 6.000 Rettungseinsätze fährt die Feuerwehr jährlich über den Hansaring. Hinzu kommt, dass die Straßen im Nahbereich durch weitere Großbaustellen (Ostseite Hauptbahnhof, OSMO-Hallen, Hafencenter, Neubau Hölker am Hafenweg, Umgehungsstraße B51, Dortmund-Ems-Kanal) bereits stark belastet sind.

In einem Bürgergespräch mit Anwohnervertretern am Mittwoch vergangener Woche (21.02.2018) und danach wurden Alternativen aufgeworfen, die seitdem eingehend geprüft wurden. Mit drei schwerpunktmäßigen Prüfoptionen, die nach Auffassung der Anwohner einen Erhalt der zwei Bäume ermöglichen, haben sich die verantwortlichen Behörden und die Planer der Stadtwerke in den vergangenen Tagen beschäftigt:
- Beschränkung der Baumaßnahme auf die Sommerferienzeit bei einspuriger Verkehrsführung und/oder Vollsperrung
- Einspurige Verkehrsführung bei Öffnung der Theodor-Scheiwe-Straße
- Verkehrsführung an den Bäumen vorbei (unter Nutzung des Geh- und Radwegs)

Des Weiteren wurde durch die Stadtverwaltung geprüft, ob eine einspurige Verkehrsführung unter einer Baustellenampel, als Einbahnstraßenregelung oder mit Umleitung über den Hafenweg durch die ehemaligen OSMO-Hallen möglich ist.

Die Stadtwerke Münster prüften, ob die notwendigen Bauarbeiten innerhalb der Sommerferien zu erledigen seien. Dies wäre aus Sicht der Baustellenorganisation unter zwei Voraussetzungen grundsätzlich möglich: Erstens müsse während der etwas verkehrsschwächeren Sommerferienzeit eine Vollsperrung eingerichtet und zweitens die Arbeitszeiten auf sechs Tage die Woche von 7 bis 22 Uhr ausgeweitet werden. Auf der Bürgerveranstaltung hatten die Anwohner signalisiert, zusätzliche Belastungen in Kauf nehmen zu wollen. Die negativen Auswirkungen einer solchen Regelung auf das Verkehrsgeschehen wären so gravierend, dass diese Idee verworfen werden musste. Auch für die Feuerwehr wäre diese Regelung nicht tragbar. Auch in den Sommerferien ist die Verkehrsbelastung am Hansaring kaum verringert. Daher würde sich der Verkehr in diesem Fall in die ebenfalls bereits stark belastete Bremer Straße und Wolbecker Straße sowie die Fahrradstraße Schillerstraße verlagern und es käme zu erheblichen Verkehrsstörungen im Bereich Servatiiplatz, Mauritztor und Hauptbahnhof. Einsatzfahrten der Feuerwehr würden nicht nur deutlich länger dauern, sondern auch die Wege zu den Krankenhäusern St. Franziskus-Hospital und Raphaelsklinik deutlich erschwert.

Eine Öffnung der Theodor-Scheiwe-Straße wäre keine Verkehrslösung für die Baustelle auf dem Hansaring. Von der Feuerwehr wird diese Idee gegenüber einer Verschwenkung der zwei Fahrspuren auf dem Hansaring nicht favorisiert. Gegen die Öffnung der Theodor-Scheiwe-Straße für eine einspurige Verkehrsführung spricht, dass sich der Umleitungsverkehr nicht gänzlich steuern lässt: Auch mit ausgewiesenen Umleitungsstrecken sucht sich ein Großteil der Pkw- und Lkw-Fahrer einen eigenen, kürzeren Weg, insbesondere über die Bremer Straße, die Wolbecker Straße und die Fahrradstraße Schillerstraße. Die Unfallgefahr auf diesen Ausweichstrecken würde in nicht verantwortbarer Weise steigen, in Spitzenzeiten wäre der Verkehrskollaps möglich. Zudem müsste die aktuell nicht verkehrssichere Privatstraße für rund 190.000 Euro hergerichtet werden.

Eine Umfahrung der Bäume über den Geh- und Radweg ist aufgrund des hohen Unfallrisikos nicht verantwortbar. Wird der Autoverkehr über den Geh- und Radweg geführt, verbliebe nur ein schmaler Weg für Passanten. Eine solche Verkehrsführung würde zu einem erkennbaren Unfallrisiko für Fußgänger und die anderen Verkehrsteilnehmer führen. Ein Verbot des Schwerlastverkehrs auf einer provisorischen Umfahrung erlaubt es nicht, die Mindestbreite der Fahrbahn zu verringern, da auch KFZ unter 3,5 Tonnen die Ausmaße eines LKW erreichen können. Hinzu kommt, dass die Bäume durch die Belastung einer provisorischen Fahrbahndecke und den Verkehr wahrscheinlich irreparabel geschädigt würden.

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