Bistum Münster plant Neubau
86 zusätzliche Studentenheimplätze

Münster -

Bezahlbarer Wohnraum ist in Münster ein knappes Gut: Das Bistum Münster plant deshalb den Bau von knapp 90 zusätzlichen Studentenheimplätzen. Doch die Mieten werden höher als bisher.

Dienstag, 07.11.2017, 09:11 Uhr

Die Pläne für einen katholischen Studentencampus in der Nähe der Uniklinik-Türme stehen. Den Zuschlag bekommen hat ein Entwurf des Kölner Architektenbüros „Heinle Wischer und Partner Freie Architekten
Die Pläne für einen katholischen Studentencampus in der Nähe der Uniklinik-Türme stehen. Den Zuschlag bekommen hat ein Entwurf des Kölner Architektenbüros „Heinle Wischer und Partner Freie Architekten. Foto: Stefan Werding

Das Bistum Münster plant den Bau von knapp 90 zusätzlichen Studentenheimplätzen. Durch den Bau eines katholischen Campus‘ in der Nähe der Uniklinik sollen 236 Zimmer in 19 Wohngemeinschaften entstehen. Das sind 86 mehr als die, die durch die angekündigte Schließung der beiden Studentenheime am Breul 23 und dem Thomas-Morus-Kolleg (TMK) wegfallen sollen.

Das Bistum gibt den Studenten zwei Garantien: Beide Studentenheime werden so lange betrieben, bis der Campus an der Albert-Schweitzer-Straße (im Schatten der Uniklinik-Türme) steht. Und: Alle Bewohner, die zum Zeitpunkt des Umzugs in einem der beiden Häuser wohnen, bekommen einen Platz in dem neuen Wohnheim angeboten.

Allerdings: Die Mieten in dem neuen Heim werden höher sein als bisher. Zurzeit kosten sie inklusive aller Nebenkosten am Breul 305 Euro und im TMK 139 Euro. Im Breul bekommen die Studenten dafür noch zusätzlich ein Frühstück und ein Mittagessen. Wie hoch die Miete am neuen Standort sein wird, ist noch unklar. Markus Hoffmann , Geschäftsführer des Bischöflichen Studierendenwerk (BSW), geht davon aus, dass ein Zimmer 250 bis 300 Euro kosten wird. „Wir möchten aber, dass alle überführten Bewohner zumindest für die erste Zeit am neuen Standort keine wesentlich höheren Mieten zahlen müssen“, meint Hoffmann.

Das Interesse an Wohnheimplätzen ist groß. Zum Wintersemester meldet das BSW für beide Studentenheime 183 Interessenten. Viele davon haben sich auf beide Häuser beworben, 39 davon haben einen Platz bekommen. Am neuen Standort sollen vier Gebäude entstehen, in denen auf vier oder fünf Etagen 50 bis 60 Studierende wohnen sollen. Anders als bisher geplant, soll der Campus in einem Rutsch entstehen und ab 2021 bewohnbar sein. Hoffmann: „Es werden keine einzelnen Wohnheime als direkter Ersatz für Breul und TMK gebaut, sondern ein Campus, auf dem etwas 230 Plätze realisiert werden.“

Sechs Fakten über das Studentenleben

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    Das Studentenleben ist längst nicht mehr so entspannt wie es vielleicht einmal war. Überfüllte Hörsäle, teure Mieten und kaum Zeit für Freizeitaktivitäten - so sieht für viele das Studium 2016 aus. Sechs Fakten über das Studentenleben heutzutage:

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  • Es werden immer mehr:

    Etwa 2,8 Millionen Studenten studieren im Wintersemester 2016/17, überwiegend an den rund 240 Hochschulen in staatlicher Trägerschaft - Tendenz steigend. Seit Jahren strömen jeweils 500 000 Erstsemester an die Unis, darunter immer mehr Ausländer, für die Deutschland ein attraktiver Hochschulstandort ist.

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  • Eine 40-Stunden-Arbeitswoche reicht nicht: 

    Studenten wenden in Deutschland im Schnitt 35 Wochenstunden für Vorlesungen, Seminare, Hausarbeiten und Recherchen an ihrer Uni auf, hinzu kommen etwa sieben Stunden für Nebenjobs. Gut jeder Fünfte muss neben der Hochschule so viel arbeiten, dass er „faktisch Teilzeit“ studiert.

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  • BAföG hilft nicht mal einem Viertel:

    Knapp drei Milliarden Euro ließ sich Vater Staat die Ausbildungsförderung im Vorjahr kosten. Damit wurden nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes 611 000 Studierende gefördert - vor vier Jahren waren es 60 000 mehr. Mit der zum Wintersemester umgesetzten Bafög-Reform wird nun manches besser: Es gibt mehr Geld und der Kreis der Geförderten soll um 110 000 wachsen.

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  • Schuldenmachen ist unbeliebt:

    Trotz steigender Studentenzahlen werden immer weniger Studienkredite in Anspruch genommen. Studenten, die auf Zuschüsse angewiesen sind, suchen sich eher einen Nebenjob, als einen Kredit aufzunehmen. Auf Stipendien kann nur ein kleiner Teil zurückgreifen.

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  • Studentenwohnungen werden zum Luxusgut:

    In Berlin müssen Studenten inzwischen 37% mehr Miete zahlen als vor sechs Jahren. In anderen Städten sieht es ähnlich aus. Besonders in den typischen Studentenstädten muss man sich auf eine lange Suche nach einer bezahlbaren Unterkunft gefasst machen.  

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  • Studenten-Stress steigt:

    Überfüllte Hörsäle und zu viel Lernstoff überfordern viele Studenten. Dabei gibt es nicht nur geschlechterspezifische Unterschiede sondern auch zwischen den Studienfächern und den verschiedenen Hochschulen. 

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Das bedeutet, dass es „den Breul“ oder „das TMK“ dort so wie bisher nicht mehr geben wird. Hoffmann betont zwar, dass die „Gemeinschaft des Breul“ an den neuen Standort „überführt“ werden soll, doch die Studierenden fürchten, dass ihre Tradition an dem neuen Standort verloren geht. Hoffmann sagt: „Fest steht, dass es eine Hausgemeinschaft geben kann und soll, die sich als Nachfolge des „Deutschen Studentenheims“ am Breul versteht“. Das Gleiche gelte auch für das TMK. Das Kölner Architektenbüro „Heinle, Wischer und Partner“ hatte den Zuschlag für das Projekt erhalten. Wo heute noch das Ludgerushaus steht – ein Heim für Menschen mit Behinderungen –, sollen neben den Zimmern eine Kapelle, ein Café, ein Verwaltungsgebäude und ein Partyraum entstehen. Auf Wunsch der Breulianer soll auch ihre Bar als ,,Identifikationsort“ Platz finden.

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Der Campus ist erst 2021 bezugsfertig, weil für die Bewohner des Ludgerushauses erst neue Wohnungen geschaffen werden müssen. Damit ist ein Beginn der Bauarbeiten nicht vor Ende 2018 möglich. Das Collegium Marianum, das Fürstin-von-Gallitzin-Wohnheim und das Liebfrauenstift sollen an ihren bisherigen Standorten bleiben. Das Studentenheim am Breul wird wegen seiner schlechten Substanz bis auf seine denkmalgeschützte Fassade abgerissen. Bislang wohnen dort nur junge Männer. Das BSW beschäftigt sich aktuell mit einer „geschlechter­sensiblen“ Ausrichtung, die unter den Bewohnern des Breul auch gerne als „Gemischtbelegung“ bezeichnet wird. Dann würden auf dem Gelände Studenten und Studentinnen nach Fluren getrennt in eigenen WGs wohnen.

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