Zoo-Tiere im Rentenalter
Wenn Trampeltiere an Arthrose leiden

Münster -

Im Zoo werden die Tiere deutlich älter, als in der freien Wildbahn – und bekommen altersbedingte Krankheiten, die behandelt werden müssen. Tierarzt Carsten Ludwig kümmert sich um die tierischen Senioren.

Dienstag, 17.10.2017, 09:00 Uhr aktualisiert: 17.10.2017, 12:12 Uhr
Nasenbärin „Wiefad“ ist schon etwas struppig unterwegs und freut sich, wenn Zootierarzt Carsten Ludwig ihr das Fressen gleich mundgerecht zerkleinert anbietet. Die Zahl der „geriatrischen Tiere“ nimmt ständig zu, weil natürliche Feinde fehlen. Foto: hpe

Nasenbärin „Wiefad“ ist mit 16 Lebensjahren nicht mehr der flotteste Rüsselschnüffler im Gehege. Ihr Fell ist struppig, der Gang etwas wackelig, fast alle Zähne sind ausgefallen, und statt die Zuschauer mit fixen Baumklettereien zu erfreuen, verschläft sie den Tag ­lieber im Gebüsch.

Die kleine Bärin gehört zur „tierischen Senioren­abteilung“ im Allwetterzoo und soll ihren Lebensabend in der vertrauten Umgebung und in der gewohnten Gruppe genießen. „Immer mehr Tiere werden mit dem Zoo alt, leiden an den typischen Beschwerden im vorgerückten Lebensstadium und müssen deshalb besonders betreut werden“, sagt Zoo-Tierarzt Carsten Ludwig (38).

Weil die natürlichen Feinde im geschützten Umfeld Zoo fehlen, Futter ausreichend vorhanden ist und Krankheiten behandelt werden, leben die Tiere oft doppelt so lange wie in der freien Wildbahn. „Sie müssen sich um nichts kümmern und kriegen alles quasi auf dem Silbertablett serviert“, meint Ludwig.

Bandscheinvorfälle und Arthrose

Bei den Syrischen Braunbären gibt es Bandscheibenvorfälle, ein Orang-Utan hat Lähmungserscheinungen in den Beinen, beim Trampeltier ist Arthrose diagnostiziert und die 51-jährige Elefantendame „Kanaudi“ ist auf bei den Augen blind. „Im Freiland das Todesurteil, in der ihr bekannten Umgebung kann sie ohne große Einschränkungen weiterleben“, so Ludwig.

Besonders schwierig ist es für den Veterinär, Krank­heiten im Alter rechtzeitig zu erkennen. „Großkatzen wie Tiger und Löwen beispielsweise sind Meister darin, ihre Leiden so lange wie möglich zu kaschieren. Das ist in der Natur überlebenswichtig. Für uns bedeutet das, oft erst ziemlich spät medizinisch eingreifen zu können“, meint Ludwig. Blutuntersuchungen sind immer dann Standard, wenn Tiere verlegt werden, extreme Verhaltensänderungen zeigen oder so schwach sind, dass sie die Nahrung ver­weigern.

Tiere im Allwetterzoo Münster

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  • montage

    Pelikane, Tiger, Erdmännchen & Co.: Entdecken Sie mit unseren Bildern den Allwetterzoo!

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Noch gar nicht rosa: ein Flamingo-Küken im Oktober 2016.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Schnee? Der Gepard trägt es mit Fassung.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Gar nicht braun, so ein syrischer Braunbär...

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Tiger Fedor kam im Juli 2017 in den Allwetterzoo.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Nachwuchs bei den Nashörnern: Amiri kam am 20. Mai 2017 zur Welt. Auf unserem Foto ist sie schon fast drei Monate alt.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Ein Malaienbär.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Ein lustiges Outfit tragen die Bongos.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Oliver Werner
  • Ist das bequem? Ein Malaienbär.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Bad in der Sonne: ein amerikanischer Nasenbär.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Hier fürchtet ihn niemand: Der Wolf ist im Zoo willkommen.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Nein, das juckt nicht: Ein Vogel ist auf dem Nashorn-Horn gelandet . . .

    Foto: Gunnar A. Pier
  • . . . und fliegt wieder weg.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Nachwuchs bei den Nashörnern: Amiri kam am 20. Mai 2017 zur Welt. Auf unserem Foto ist sie schon fast drei Monate alt.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zwei Pelikane.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Ein Pelikan.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Eine stolze Pracht trägt der Kronenkranich.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Er ist klein, und dann duckt er sich auch noch: ein junger Straß.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Im Afrika-Berich gibt es auch Defassa-Wasserböcke.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Tigerin Nely wundert sich, dass das Wasser in ihrem Gehege zugewuchert ist.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Auch sie landen im Zoo: Störche.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Tiger-Dame Nely.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Tiger-Dame Nely.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Gar nicht rosa: ein Flamingo-Küken im Oktober 2016.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Gar nicht rosa: ein Flamingo-Küken im Oktober 2016.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Immer auf der Hut: Erdmännchen.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Ein durstiger Defassa-Wasserbock.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Geduckt: ein Strauß.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Kronenkranich.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Diese Wildkatze hat Punkte - also ist es ein Gepard.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Brillenpinguine.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Brillenpinguine leben eigentlich an der afrikanischen West- und Südküste, deshalb finden sie es in Münster nicht viel zu warm.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Syrischer Braunbär.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Syrischer Braunbär.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Bongos sehen komisch aus.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Gänsegeier im Schnee

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Gepard

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Brillenpinguine

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Ein Trampeltier mit Schnee-Schnute.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Ein Wolf.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Syrischer Braunbär.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Gepard im Schnee.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Ein Wolf lugt hervor.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Wer erkennt die Unterschiede? Die Tiger Nely (links) und Fedor.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Bauchlandung: zwei Brillenpinguine.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Kaum bekannt, aber auch niedlich: ein chinesischer Muntjak.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Kegelrobbe

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Kegelrobbe

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Oran Utan

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Oliver Werner
  • Foto: Oliver Werner
  • Foto: Oliver Werner
  • Foto: Oliver Werner
  • Foto: Oliver Werner
  • Foto: Oliver Werner
  • Foto: Oliver Werner
  • Foto: Oliver Werner
  • Foto: Oliver Werner

Entscheidungen sind manchmal extrem belastend und hochemotional

Sind Altersleiden erkannt, wird mit dem Pfleger, der das Tier lange betreut, und dem Kurator im Team entschieden. Welche Behandlung ist sinnvoll, wann muss ein Tier von seinem Leiden erlöst werden? Ludwig: „Wir müssen für ein Lebewesen, das uns seinen Wunsch und seine Beschwerden nicht mitteilen kann, entscheiden. Das ist manchmal extrem belastend und hochemotional.“ Denn die „alten Charakterköpfe“ wie das Elefantentrio sind bei den Besuchern beliebt.

Bei einem Orang-Utan ­fielen die Zähne aus, statt fester Möhren oder einem neuen Gebiss gibt es nun ­gekochtes Gemüse und alles ist gut. Über das Futter ­bekommen viele alte Tiere Medikamente, in Anlagen werden Barrieren am Boden beseitigt und Kletterbäume gestutzt. „Gerade in Gruppen gibt es ein starkes Sozial­verhalten, man hilft sich gegenseitig“, so Ludwig.

Der Zoo als „Altersheim“ für Tiere

Weil ein Zoo immer mehr auch zum „Altersheim“ wird, fehlt oft der Platz für Jungtiere und notwendige ­Nachzuchten. Trotzdem sei die gute Behandlung der ­betagten Tiere bis zum ­Ende „alternativlos“, so Zoo­sprecherin Stefanie Heeke.

Zu den Rekordhaltern in Münster gehören Löwe ­„Jarah“ (19), Malaienbär „Klaus“ (31), Kegelrobbe „Tiger“ (37), Gorilla „Fatima“ (40), viele Ü40-Flamingos sowie die ältesten NRW-Zoo-Elefanten „Tefi“, „Rada“ und „Kanaudi“ (51).

Anfang November ver­anstaltet der Zoo erstmals einen europaweiten Workshop „Geriatrische Tiere“. Erwartet werden rund 50 Ärzte, Kuratoren und Pfleger. „Eine immer wichtiger werdende Herausforderung, der wir uns gemeinsamen stellen müssen“, so Ludwig.

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