FH wirbt für Obst und Gemüse mit Schönheitsfehlern
Chance für „krumme Dinger“

Münster -

Unförmig oder zu krumm – wegen kleiner Schönheitsfehler landet viel Obst und Gemüse gar nicht erst im Supermarktregal. Es wird vorher aussortiert. Das aber soll sich ändern, geht es nach der Fachhochschule Münster und dem Discounter Aldi-Süd.

Dienstag, 05.09.2017, 10:09 Uhr

Die Verbraucher sind auch optisch verwöhnt. Nur makellos aussehendes Obst und Gemüse wird gekauft. Deshalb werden viele Lebensmittel weggeworfen.
Die Verbraucher sind auch optisch verwöhnt. Nur makellos aussehendes Obst und Gemüse wird gekauft. Deshalb werden viele Lebensmittel weggeworfen. Foto: FH Münster/Pressestelle

„Wir wünschen uns, dass der Verbraucher auch nicht perfekte Lebensmittel akzeptiert“, sagt Christina Strotmann vom Institut für Nachhaltige Ernährung der Fachhochschule (FH) Münster. „Schließlich geht es nur um optische Mängel, geschmacklich besteht überhaupt kein Unterschied.“ Das sieht auch der Discounter Aldi-Süd so: Der Konzern bietet bereits Bio-Möhren und bald auch Äpfel der Klasse II an, gekennzeichnet sind sie als „Krumme Dinger“. Das münsterische Institut führt das Projekt unter der Leitung von Strotmann und Prof. Dr. Guido Ritter , Fachbereich Oecotrophologie – Facility Management, durch und wertet es wissenschaftlich aus.

Unser primäres Ziel ist es, die Ursachen von Lebensmittelverlusten zu erkennen.

Prof. Dr. Guido Ritter

„Unser primäres Ziel ist es, die Ursachen von Lebensmittelverlusten zu erkennen“, sagt Ritter. „Im Handel sind Obst und Gemüse die Lebensmittel, die nach Brot und Backwaren am häufigsten entsorgt werden“, erklärt Strotmann.

Obst und Gemüse werden im Handel häufig entsorgt

Doch Ansätze, die Verluste zu reduzieren, gibt es bereits. Dazu zählen beispielsweise das Optimieren des Bestellwesens und das Anpassen des Angebots an die Nachfrage. „Wichtig ist aber auch, dass die Anbieter die Qualität und Haltbarkeit der Lebensmittel regelmäßig kontrollieren. Dadurch können sie leicht verderbliche Ware rechtzeitig verkaufen“, so Strotmann.

Aufklärung der Verbraucher sei nötig

Maßnahmen wie diese seien ein gutes Instrument, um Lebensmittelverluste auf ein Minimum zu reduzieren. „Ganz wichtig ist aber auch die Aufklärung der Verbraucher, gerade bei Themen wie Optik von Obst und Gemüse oder Genuss von Lebensmitteln unmittelbar nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums.“

Reduktionspotenziale identifizieren

Die FH Münster beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit der Verschwendung von Lebensmitteln. Von dem gemeinsamen Projekt mit Aldi-Süd verspricht sich das Forschungsinstitut, weitere Reduktionspotenziale entlang der Lieferkette identifizieren zu können.

Das Projekt startet im September und läuft drei Monate, heißt es in einer Pressemitteilung.

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