Illegales Tierlabor an der Universität
„Erschütternde Skrupellosigkeit“

Münster -

Das illegale Tierlabor, das im Keller einer Einrichtung der Medizinischen Fakultät entdeckt wurde, sorgte für einen großen Aufschrei. Auch der Verein „Ärzte gegen Tierversuche“ reagiert auf den Vorfall.

Donnerstag, 29.06.2017, 18:31 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 29.06.2017, 18:31 Uhr
  Foto: Oliver Werner

Lediglich als „Spitze des Eisbergs“ bezeichnet der bundesweite Verein „Ärzte gegen Tierversuche“ das kürzlich entdeckte nicht genehmigte Labor mit Mäusen in einem Gebäude der Medizinischen Fakultät der Universität Münster. Gegen drei Verantwortliche wurde Strafanzeige gestellt.

Wieder nur als Kavaliersdelikt abgehandelt?

Der Verein Ärzte gegen Tierversuche befürchtet, „dass das Vergehen wie in vorangegangenen Fällen wieder nur als Kavaliersdelikt abgehandelt wird“, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Angeführt werden weitere Fälle in Jena und Bad Nauheim.

An der Medizinischen Fakultät der Uni Münster führte ein anonymer Hinweis die Behörden zu einem illegalen Labor in einem Keller. Das Veterinäramt geht davon aus, dass die Mäuse über längere Zeit unter erheblichen Schmerzen gelitten haben.

Nur dank Whistleblowern oder engagierten Behördenvertretern kommen solche Praktiken ans Licht des Tages.

Dr. Corina Gericke

Von „erschütternder Skrupellosigkeit“ spricht die Veterinärmedizinerin Dr. Corina Gericke und Vizevorsitzende des Vereins Ärzte gegen Tierversuche im neuesten Fall von illegalen Tierversuchen und geht von einer Dunkelziffer aus. „Nur dank Whistleblowern oder engagierten Behördenvertretern kommen solche Praktiken ans Licht des Tages.“

Rechtliche Bestimmungen zu lasch?

In den letzten Jahren machten zwei andere Fälle Schlagzeilen: Am zur hessischen Kerkhoff-Klinik gehörenden Franz-Groendel-Institut in Bad Nauheim sollen jahrelang illegale Tierversuche stattgefunden haben. Trotz klarer Beweislage stellte die Staatsanwaltschaft Gießen das Verfahren Ende 2014 gegen eine Geldstrafe von 72.000 Euro ein. Der Ärzteverein moniert, dass die Täter nicht verurteilt wurden und weiterhin in der Forschung tätig seien.

Im Mai 2016 sollen auch am Leibnitz-Institut für Altersforschung Jena nicht genehmigte Tierversuche durchgeführt worden sein, denen etwa 13.000 Tiere zum Opfer gefallen sein sollen. „Die rechtlichen Bestimmungen im Bereich Tierversuche sind viel zu lasch“, moniert Gericke.

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