König der Taschendiebe erklärt Tricks
Die hohe Kunst der Ablenkung

Münster -

Christian Lindemann versetzt auf Showbühnen als König der Taschendiebe sein Publikum in Erstaunen. Bei einem Redaktionsbesuch erklärte er, wie man sich am besten gegen Langfinger schützen kann.

Dienstag, 09.02.2016, 11:49 Uhr aktualisiert: 09.02.2016, 12:05 Uhr
Fragen nach dem Weg oder dem nächsten Parkhaus: Während das Opfer sich für die richtige Auskunft auf den Plan konzentriert, werden ihm die Wertsachen aus der Tasche gezogen. Foto: Oliver Werner

Er hat sich als König der Taschendiebe einen Namen gemacht – vor allem durch seine weltweiten Auftritte im Cirque du Soleil. Seit einigen Jahren ordern ihn gern auch Unternehmen als Referenten, um Mitarbeiter in Sachen Aufmerksamkeit und Selbstbewusstsein zu schulen.

Galant lässt er auf der Bühne Handys, Schlüssel, Portemonnaies und selbst Gürtel verschwinden, ohne dass die Bestohlenen es bemerken. Christian Lindemann verrät im Interview mit Redakteurin Karin Höller einige Tricks und erklärt, wie man sich vor allem im Karnevalstrubel vor Taschendieben schützen kann.

Woher kommt die Lust daran, anderen Wertsachen zu stibitzen?

Lindemann: Taschendiebstahl hat seinen besonderen Reiz. Er ist keine Zauberei, sondern gleicht einer alten Handwerkskunst, die einige Showmaster auf der Bühne perfektioniert haben. Auf der Straße ist es einfacher als auf der Bühne, wo die Zuschauer wissen, was auf sie zukommt. Die wichtigste Requisite ist der Mensch. Und der ist jedes Mal anders. Es geht darum, seine Aufmerksamkeit in eine andere Richtung zu lenken und einen Grund zu finden, in seinen Inner Circle einzudringen.

Wie lenkt man Menschen am besten ab?

Lindemann: Grundlage ist, dass starker Druck auf der einen Seite schwachen Druck auf der anderen Seite kaschiert. Also wird gerempelt, gestoßen, gestolpert, um kaum spürbar auf der anderen Seite Wertsachen aus der Tasche zu ziehen.

Ähnlich wie beim Antanzen – einer Masche, der in Münster schon viele zum Opfer gefallen sind?

Lindemann: Genau. Auch hier geht es um Ablenkung durch freundliche, oft gut aussehende Männer. Wer denkt schon beim Flirt als erstes an sein Portemonnaie. Erfolgreiche Taschendiebe kommen smart und in gepflegter Kleidung daher – damit kein Misstrauen aufkommt. Oft sind die Diebe besser gekleidet als ihre Opfer, mitunter auch im feinen Anzug.

Lindemann: Zum einen das Anrempeln beispielsweise im Bus oder auf der Rolltreppe. Jemand stößt das Opfer von vorn (also starker Druck auf der einen Seite). Während sich das Opfer auf sein Gegenüber konzen­triert, fischt ein zweiter Dieb von hinten das Portemonnaie oder Handy aus der Tasche.

Profi-Tricks eines Taschendiebs

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  • [Beim Selfie-Schießen ist das Opfer abgelenkt. Der Taschendieb hat leichtes Spiel]

    Beim Selfie-Schießen ist das Opfer abgelenkt. Der Taschendieb hat leichtes Spiel.

    Foto: Oliver Werner
  • Oft merken die Opfer gar nicht, dass sie bestohlen werden.

    Foto: Oliver Werner
  • Ein Dieb rempelt das Opfer von vorn an, während der Komplize die Geldbörse hinten aus der Hosentasche zieht.

    Foto: Oliver Werner
  • [Bildzeile Foto]

    Foto: Oliver Werner
  • [Der Dieb lässt sich in einem Plan den Weg erklären, während er dem Opfer die Geldbörse aus der Jackentasche zieht.]

    Foto: Oliver Werner
  • Der König der Taschendiebe, Christian Lindemann, erklärt die effektivsten Tricks. Wer sich auskennt, kann sich schützen. Foto: Oliver Werner

Der zweite Trick?

Lindemann: Das Opfer wird scheinbar versehentlich mit verschüttetem Bier oder Currywurst-Soße beschmutzt; und der Dieb fängt sogleich an, die Spuren mit einem Tuch zu beseitigen. Wer so freundlich auf einen zukommt, den lassen viele in ihren Inner Circle, obwohl sie sich solche Berührungen unter anderen Umständen verbitten würden. Der Dieb nutzt die Ablenkung aus.

Der dritte Trick?

Lindemann: Die Frage nach dem Weg oder dem nächsten Parkhaus. Dabei wird den Opfern ein Plan vorgehalten. So abgelenkt und mit versperrtem Blick lassen sich leicht Wertsachen aus den Taschen ziehen. Apropos Parkhaus. Manche Diebe verfolgen Besitzer teurer Wagen stundenlang durch die Stadt, bis der passende Moment kommt, ihnen die Autoschlüssel zu entwenden.

Und Trick Nummer vier?

Lindemann: Die Ablenkungsnummer Selfie. Entweder schafft der Dieb mit der Bitte, ein gemeinsames Selfie schießen zu dürfen, den Zugang zur Tasche seines Opfers. Zweite Möglichkeit: Da viele ihr Handy nach dem Schnappschuss einfach in die Jackentasche gleiten lassen und nicht wieder sicher in der vorderen Hosentasche verstauen, haben Taschendiebe leichtes Spiel.

In vorderen Hosentaschen sind Handys also sicher?

Lindemann: Hier haben Taschendiebe jedenfalls sehr schlechte Chancen.

Sind Sie selbst schon einmal Opfer eines Taschendiebs geworden?

Lindemann: (Lacht.) Nein, aber mein Herz wurde gestohlen – von einer Frau.

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