Baustein in der Telemedizin
Arzt und Patient im App-Zeitalter

Münster -

In Münster ist in einem zweijährigen Projekt eine App entwickelt worden, die den Austausch zwischen Arzt und Patient auch ohne Besuch in der Praxis ermöglicht.

Mittwoch, 08.07.2015, 18:07 Uhr

Stolz auf die Pain-App (v.l.): Dr. Andre Ewers, Irmela Gnass, Dr. Ralf Becker, Nina Schürholz sowie hinten (v.l.) Daniel Zenz und Sven Kernebeck.haben daran mitgearbeitet.
Stolz auf die Pain-App (v.l.): Dr. Andre Ewers, Irmela Gnass, Dr. Ralf Becker, Nina Schürholz sowie hinten (v.l.) Daniel Zenz und Sven Kernebeck.haben daran mitgearbeitet. Foto: ide

Schmerzgeplagt zu Hause – und dann immer wieder zum Arzt? Damit er feststellt und dokumentiert, wie es dem Patienten geht, ob andere Medikamente oder eine neue Therapie eingesetzt werden müssen? Es gibt noch andere Wege: Ein Team aus Pflegewissenschaftlern und IT-Experten hat in Münster zwei Jahre an einer App gearbeitet, die zukunftsweisend sein soll – zum Beispiel, um die schmerztherapeutische Behandlung gerade älterer Menschen in der hausärztlichen Behandlung zu verbessern.

„Dies könnte ein Impuls sein auch bei anderen Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck, aber auch für Krankenhäuser und Reha-Kliniken“, sind diejenigen sicher, die das vom Land NRW und der Europäischen Union mit 500 000 Euro geförderte Projekt mit Leben gefüllt haben. Am Mittwochnachmittag wurde Bilanz gezogen: „Ziel erreicht.“

Der Vorteil dieser Telemedizin , bei der Patienten mit einem Tablet ausgestattet werden, über das sie Informationen direkt an ihren Hausarzt schicken: „Mediziner und Patient haben kontinuierlichen Kontakt, ohne dass der Betroffene ständig den Arzt aufsuchen muss“, erläutert Dr. Ralf Becker vom Vorstand des Hausärzteverbunds Münster, der das Projekt sehr unterstützt hat. „Besonders im ländlichen Bereich, wo immer weniger Ärzte sind und weite Anfahrtswege anfallen, ist dies eine Chance im Behandlungsspektrum.“ Der Arzt könne anhand der Daten, die er auswertet, engmaschig sehen, wie es dem Patienten gehe und wie die Behandlung anschlage. „Natürlich ersetzt das nicht den persönlichen Besuch in der Praxis, aber es ermöglicht eine gute Kommunikation in den Zwischenzeiten.“

So sehen das auch die Projektbeteiligten aus ihren ganz verschiedenen Blickwinkeln: „Die Patienten haben das Tablet gestellt bekommen und sind natürlich geschult worden, wie sie damit umgehen“, informiert Daniel Zenz (Biomedizinisches Zentrum Bochum). Berührungsängste hätten Probanden keineswegs gehabt, aber viel Interesse, mit dem Gerät sicher umzugehen, ergänzt Sven Kernebeck.

Projektleiter Dr. Andre Ewers (Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg) geht davon aus, dass die Ergebnisse deutlich machen, dass die Telemedizin und diese Spezialapps mit einem entsprechenden Webportal eine Plattform bilden, die angesichts des demografischen Wandels eine deutliche Verbesserung in der Arzt-Patienten-Kommunikation bringt.  

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