80 Millionen Euro Schaden beim Jahrhundert-Regen
Run auf Elementarversicherungen

Münster -

Trotz der riesigen Schadenssumme, die die Versicherungen nach dem Jahrhundert-Regen für die Sanierung überfluteter Keller und Wohnungen bezahlen müssen, gibt es eine gute Nachricht: Die Westfälische Provinzial und der LVM bieten Elementarschadenversicherungen zu gleichen Beiträgen an wie vor dem Unwetter.

Freitag, 05.09.2014, 01:40 Uhr aktualisiert: 05.09.2014, 14:02 Uhr

In vielen Kellern laufen immer noch die Bautrockner, in manchen bereits umfangreiche Sanierungsarbeiten. Der Jahrhundert-Regen vom 28. Juli kommt nicht nur Privathaushalte ohne Elementarversicherung teuer zu stehen. „Wir erwarten bei rund 10 000 Schäden eine Gesamtschadenssumme von 67 Millionen Euro, erklärt Karl Pfeifer , Leistungsfachmann bei der Westfälischen Provinzial. Dem LVM wurden in Münster und Greven bislang gut 2000 Schäden gemeldet, wie es auf Anfrage heißt. Gesamtaufwand: 12,2 Millionen Euro. Trotz der immensen Schadensregulierung wollen beide großen Versicherer die Beiträge nicht erhöhen. „Bestands- wie auch Neukunden erhalten den Elementarschadenschutz jetzt zu dem gleichen Beitrag wie vor dem Unwetter “, heißt es unisono.

Denn das Unwetter vom 28. Juli „ist in jeder Hinsicht einmalig“, so Pfeifer. Was die Rekordmenge von 290 Litern Wasser pro Quadratmeter innerhalb von sieben Stunden und die riesige Zahl der überfluteten Haushalten angeht. „Ein singuläres Ereignis“, so Pfeifer, das sich bei der Provinzial vorerst nicht in der Beitragskalkulation niederschlagen werde.

Bei der jetzigen Schadensregulierung – rund 30 Prozent der Fälle seien abgewickelt – sei aufgefallen, „dass die Keller in Münster überdurchschnittlich komfortabel ausgestattet sind“. Mancher Hausbesitzer müsse nun die Folgen einer Unterversicherung tragen.

Viele Betroffene haben bereits Konsequenzen aus der Misere gezogen. Allein beim LVM sei die Zahl der Kunden, die einen Elementarschadenschutz in ihre Wohngebäudeversicherung eingeschlossen haben, um 14,4 Prozent auf 47 Prozent gestiegen, erklärt LVM-Sprecherin Katharina Fiegl . Noch höher (17,5 Prozent) sei die Steigerung beim Elementarschadenschutz in der Hausratversicherung.

Ähnlich sieht es bei der Provinzial aus. Pfeifer: „Die Nachfrage ist groß. Wir rechnen bei den Elementarversicherungen mit einem Anstieg um 25 Prozent. Und kaum jemand fragt nach den Kosten.“ Die richten sich danach, in welcher von vier Risikozonen die Immobilie liegt. Allerdings, so Pfeifer, befinden sich 80 Prozent aller Adressen in Münster in der Risikozone 1 mit der geringsten Gefahr für Überschwemmungen. Knapp 20 Prozent fallen in die Risikozone 2 (entlang der Aa und der Werse). Nur 0,46 Prozent der Gebäude liegen in der Hochrisikozone 4 in unmittelbarer Flussnähe. Zone 3 ist in Münster mit 0,06 Prozent kaum vertreten.

Der Großteil der Hausbesitzer müsste demnach mit einem durchschnittlichen Betrag von jährlich 156 Euro hinkommen, um Gebäude und Hausrat gegen Elementarschäden abzusichern.

Den Einbau einer Rückstauklappe gegen die Gefahr einer überlasteten Kanalisation verlangen auf Nachfrage weder die Provinzial noch der LVM. „Eine solche Klappe wird vorausgesetzt, sofern dies per Gesetz oder durch behördliche Bestimmungen gefordert ist“, heißt es beim LVM.

Die Versicherungen wappnen sich derweil für die Zukunft, aktualisieren Überschwemmungskarten und arbeiten an Vorwarnsystemen. Ähnlich wie es derzeit schon bei angekündigten Stürmen praktiziert wird, sollen Provinzialkunden beispielsweise per Eilnachricht auf dem Smartphone wenige Stunden vorher über Starkregen und Überschwemmungsgefahr informiert werden. Etwa in der Art: „Schließen Sie alle Fenster. Stellen Sie Ersatzpumpen und ein Notstromaggregat bereit...“

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