Kultur Münster
Im Strudel aus Pling und Plong

Mittwoch, 10.09.2008, 18:09 Uhr

Münster . Da sitzen sie einander gegenüber im Schneidersitz . Zwischen Konzentration und Trance halten sie immer Augenkontakt und lassen ihre Schlägel über die Bronzeplatten sausen. Ein pentatonischer Wirbel, ein Strudel aus metallischem Pling-Plong umfängt die Hörer. Balinesische Gamelan-Musik im Ambiente des Lackkunstmuseums – da sprühen die Funken.

„Zwischen Orient und Okzident“ (so der Titel auch der folgenden drei Konzerte) gibt es noch immer viel zu entdecken. Und wenn zwei Meister wie András Varsányi und Andreas Herdy loslegen, die ihre Kunst bei balinesischen Altmeistern durch mündliche Überlieferung lernten, kann man nicht anders, als fasziniert zu sein. Mag sich das Ohr auch an der Keller-Akustik reiben, so freut sich das Auge an den Lack-restaurierten Keramiken.

„Gendèr wayang“, die Begleitmusik des traditionellen Schattenpuppenspiels, war indes „nur“ der finale Höhepunkt des ehrgeizigen Konzertabends, der es schaffte, die Einflüsse der Bali-Musik auf westliche Tonkunst zu vermitteln. Drei Dozenten und Spezialisten spielten mit Studierenden der Musikhochschule. Seit Gamelan bei der Weltausstellung 1889 Claude Debussy faszinierte, rissen die Einflüsse nicht ab. Da wäre etwa Benjamin Britten, der seiner „Prinz der Pagoden“-Suite ein direktes Zitat einverleibte. Das Bali-Original wurde hier der Klavierfassung gegenüber gestellt. Andere Westler wurden dagegen „entlarvt“: Während André Jolivets „La princesse de Bali“ nicht einmal pentatonisch klingt, führten Steve Reichs Minimalismen diesen eher zufällig in Klangwelten des Gamelan (Reichs „Clapping Music“, die sich die Schlagzeuger Jasper Ubben und Tobias Götzinger Hände klatschend durch den Raum schickten, war so präzise wie witzig).

Bei Dieter Mack ist nichts zufällig: Der Lübecker Dozent, der moderierte, lebte neun Jahre in Indonesien. Ihm ging es nicht um Imitation; vielmehr wollte der 54-Jährige die rhythmische Spannung des balinesischen „Kollektivs“ (25 Spieler!) in seine Kammerwerke integrieren. Marchela Margaritova (Flöte) und Da Woon Jung (Klavier) setzten das mit den Schlagzeugern spannend um (klingende Kürbisschalen inklusive!). Doch gegen die Wirkung der Tradition kam nichts an. Wie sich die zwei Metallophone rhythmisch verzahnten und jeder in die winzigen Pausen des andern spielte – irre!

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