Kommentar zur SCP-Trennung von Antwerpen
Liaison mit Hindernissen

Münster -

Das Ende der sportlich so erfolgreichen Verbindung zwischen Preußen und Trainer Marco Antwerpen war seit vielen Wochen absehbar. Mit dem Schritt ins Büro seines Vorgesetzten hat der Coach Tatsachen geschaffen und geht nicht als Verlierer aus der pikanten Angelegenheit – sofern er die Mannschaft in den kommenden Wochen in der Spur hält. 

Mittwoch, 30.01.2019, 06:32 Uhr aktualisiert: 30.01.2019, 14:59 Uhr
Zwei, die nicht immer einer Meinung waren, aber beide für sich in ihren Positionen einen guten Job machen: Sportchef Malte Metzelder (links) und Trainer Marco Antwerpen (rechts). Foto: Jürgen Peperhowe

Der große Ehrgeiz des 47-Jährigen, der fast überall gute Arbeit ablieferte und in die 2. Liga strebt, und der rigorose und so nie dagewesene Sparzwang des Vereins passen einfach nicht mehr zusammen.

Das trat bei der Suche nach Neuzugängen in den Transferperioden offen zutage. Im Dezember kamen persönliche Dissonanzen zum Vorschein.

Die Trainer des SC Preußen Münster seit 2010

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  • Marco Antwerpen

    Im Dezember 2017 trat Marco Antwerpen den Trainerjob bei Preußen Münster an. Seinen bis Sommer 2019 laufenden Vertrag wird er nicht verlängern.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Benno Möhlmann kam im Herbst 2016 in höchste Not und rettete mit einer starken Rückserie den SCP vor dem Abstieg. Der Routinier war im Verein extrem beliebt, doch im Dezember 2017 musste auch er gehen, nachdem die Preußen wieder auf einen Abstiegsplatz gerutscht waren und der Trend fatal wirkte. 

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Horst Steffen kam an Heiligabend 2015 als Nachfolger von Ralf Loose und musste Anfang Oktober 2016 die Preußen wieder verlassen. Als Trainer ist er gescheitert, das belegte die Tabelle, die saisonübergreifende Schreckensbilanz des 47-Jährigen und vor allem die allzu häufig leb- und ratlosen Vorstellungen der Spieler. Dennoch hat Steffen in Münster Eindruck hinterlassen. Er war immer gesprächsbereit, stets offen, selbstkritisch und bei Fans wie Spielern beliebt – vor allem war er angetreten mit der Idee eines sehenswerten Offensivfußballs. Leider schaffte diese Idee viel zu selten die Platzreife. Außerhalb des Platzes stimmte die Chemie – auf dem Feld verpuffte das Experiment mit einem leisen Zischen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Nach einer Talfahrt trennte sich der SC Preußen im Dezember 2015 von Ralf Loose (5.9.2012 bis 19.12.2015). Der 52-Jährige war der elfte Trainer, der im dritten Jahrtausend die Adlerträger betreute, der neunte, der vorzeitig seine Aufgabe beenden musste, aber wohl auch der, der mit der hochkarätigsten Platzierung seinen Dienst quittieren musste. Loose hinterließ seinen SCP auf Platz sechs der 3. Liga. Lediglich Georg Kreß war im April 2007 besser platziert.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Carsten Gockel war vom 5. bis 15.9.2012 Interimstrainer.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Pavel Dotchev trainierte die Preußen vom 24.1.2012 bis 5.9.2013. Dotchev hatte den SCP im Januar 2012 im Abstiegskampf ans sichere Ufer geführt, dann fußballerisch weiterentwickelt. Der Vertrag des 47-Jährigen wäre noch bis Sommer 2014 gelaufen und hätte sich im Fall des Zweitliga-Aufstiegs bis 2015 verlängert. In der Vorsaison aber verpasste der SCP auf der Zielgeraden den Zweitliga-Aufstieg und stolperte bis auf Rang 16 – drei Punkte vor einem Abstiegsrang. Beim Abschied des Trainers schwang viel Sympathie mit. Einige Spieler rangen mit den Tränen, auch Dotchev kämpfte um Fassung. Interimsmäßig sprangen Gockel und Co-Trainer Babacar N´Diaye ein.

    Foto: Christian Butzhammer
  • Marc Fascher trainierte die Preußen vom 21.3.2010 bis 23.1.2012. Der gebürtige Hamburger hatte im März 2010 beim damaligen Regionalligisten aus Münster den beurlaubten Roger Schmidt ersetzt. In der Saison 2010/11 gelang der Gewinn der Meisterschaft und der Aufstieg in die 3. Liga. Es war Münsters erster Aufstieg seit 1989, Faschers Renommee glich ab sofort fast schon dem eines Helmut Horsch. Letztgenannter hatte 1989 den SCP in die 2. Bundesliga geführt. Nach einer Talfahrt der Preußen beendete Fascher im Januar 2012 die Debatten um seine Person, die Hängepartie um eine Vertragsverlängerung, mit einem Handstreich, und ging.

    Foto: Wilfried Hiegemann

Für den SCP bedeutet die Trennung, dass im Sommer erneut die Stunde null ausgerufen wird. Ein neues Trainerteam muss her, dazu laufen 13 Arbeitspapiere, größtenteils von Stammspielern und Leistungsträgern, aus. Auf eine Vielzahl an Vertragsverlängerungen deutet wenig hin. Eher auf junge Spieler aus unteren Klassen.

Die Gefahr, dass ein Neuanfang auch mal schief geht, ist nicht von der Hand zu weisen. Gerade in einer Liga, in der nun vier Clubs absteigen, in der es immer eng zugeht und die in der Zukunft noch finanzstärkere Konkurrenz beherbergen könnte.

 

Trainer Marco Antwerpen verlässt den SCP

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  • Marco Antwerpen beendet sein Engagement beim SCP.

    Marco Antwerpen beendet sein Engagement beim SCP.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Marco Antwerpen und Malte Metzelder schafften gemeinsam einige Erfolge.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Wichtigster Antwerpen-Vertrauter war aber Co-Trainer Kurtulus Öztürk.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Am Spielfeldrand gab Antwerpen immer klare Anweisungen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Als Motivator ist Antwerpen besonders stark.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Bei den Spielern verschafft er sich regelmäßig lautstark Gehör.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Spieler wie René Klingenburg explodierten unter Antwerpen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Auch Rufat Dadashov förderte der Coach.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ob diese Antwerpen-Geste einem Schiedsrichter galt?

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Antwerpen gilt inzwischen als echter Szenekenner.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Hier nimmt er den Zwickauer Ronny König in den Arm.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Es gibt aber auch nachdenkliche Momente.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Manchmal fehlte nicht viel zum Sieg, wie Antwerpen hier anzeigt.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Der Otto-Rehhagel-Pfiff mit zwei Fingern.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Der Weggang von Adriano Grimaldi traf auch Antwerpen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ein Fingerzeig, wohin der Weg des Trainers führt? Noch gibt es ihn nicht.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Entspannt beobachtet der Coach das Aufwärmprogramm.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Mit Sportchef Malte Metzelder gab es zuletzt auch Dissonanzen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ein Profisport-Klassiker war der Auslöser: Der Trainer will Spieler, der Manager hat kein Geld dafür.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Kurtulus Öztürk ist auf der Bank eher der ruhigere Typ – wenn auch nicht immer.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Doch auch Antwerpen kann beschwichtigen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • ... und sogar tief in sich gehen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Wie Grimaldi verlässt Antwerpen den SCP also bald.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Zum Abschied wird es einige Umarmungen wie hier mit Moritz Heinrich geben.

    Foto: Jürgen Peperhowe

 

"Handy stand kaum still"

Bereits am Montagabend verständigten sich Marco Antwerpen und Malte Metzelder auf ein Gespräch am Dienstag. Gänzlich baff war der Sportchef ein paar Stunden später also nicht, als sich ihm der Coach in kleiner Runde offenbarte.

Herr Metzelder, wie haben Sie die Entscheidung für sich aufgenommen?

Metzelder: Gefasst. Wir haben ein sehr sachliches Gespräch geführt. Marco ist sehr ehrgeizig, hat andere Ziele. Das ist völlig in Ordnung.

Marco Antwerpen hat gesagt, dass er bis zuletzt alles für den Verein geben wird. Nehmen Sie ihm das ab?

Metzelder: Ja. Ich bin mir ganz sicher, dass er keinen Prozentpunkt nachlassen wird. Wer ihn am Spielfeld erlebt, weiß, wie er bei der Sache ist. Und so ganz nebenbei will er bei anderen Clubs auf dem Radar bleiben.

Sind schon erste Bewerbungen eingetrudelt?

Metzelder: Es ist normal, dass sich nun diverse Berater melden. Mein Handy stand kaum still. Wir werden nichts überstürzen. Wir wollen eine Plattform für junge und entwicklungsfähige Spieler bieten. Wirtschaftlich sind wir gezwungen, kreative Lösungen zu finden. Der  neue Trainer muss sich dem bewusst sein.

Andre Fischer 

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