Kommentar
Merkels Regierungserklärung: Die neue Bescheidenheit

In Berlin wird wieder regiert. Indes, in die Erleich­terung darüber mischt sich eine gehörige Portion Skepsis. Zweifel und Selbstkritik bestimmen die ­Tonlage zum Auftakt der vierten Amtszeit der Bundeskanzlerin. 

Mittwoch, 21.03.2018, 19:03 Uhr

Angela Merkel (CDU) nach ihrer ersten Regierungserklärung als wiedergewählte Bundeskanzlerin. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Angela Merkels Regierungserklärung am ­Mittwoch vor dem Bundestag ist auch ein Zeugnis der Demut. Sie gesteht offen Fehler der vergangenen Regierungsjahre ein, spricht gar von „Naivität“ im ­Zusammenhang mit der Flüchtlingspolitik.

Dennoch: Was Merkel im gleichen Atemzug anmahnt, ist nichts Geringeres als der Zusammenhalt der Gesellschaft. Wer glaubt, die Kanzlerin sei geschwächt, der irrt: Sie hat ihr Selbstbewusstsein nicht verloren – was sich verändert hat, sind die Vorzeichen in einem Land, das wirtschaftlich brillant dasteht, aber innerlich zer­rissen ist.

Der zunehmend raue Ton in Deutschland spiegelt sich auf den Parlamentsbänken wider. Auf die Debattenkultur kann sich dies befruchtend auswirken. Was sich die Kanzlerin als Bilanz für 2021 wünscht, ist vielleicht auch etwas naiv: Die in Berlin haben aus dem Wahlergebnis 2017 gelernt. So klingt die neue Bescheidenheit einer Pfarrerstochter: Versöhnen statt spalten.

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