Karriere
Logistikbranche: Boom trotz zunehmenden Fachkräftemangels

Münster - Die Logistikbranche gewinnt in Deutschland immer mehr an Bedeutung: Sowohl die Umsatzzahlen als auch die Anzahl der Beschäftigten steigt seit Jahren. Mittlerweile arbeiten in der Branche dreimal so viele Arbeitnehmer wie im Maschinenbau.

Mittwoch, 14.02.2018, 04:02 Uhr

Foto: colourbox.com

2017 wuchs auch die Anzahl der Logistik-Start-ups rasant. Doch die Branche kämpft mit einem zunehmenden Fachkräftemangel. Zwar sieht der kürzlich beschlossene Koalitionsvertrag der Großen Koalition von CDU/CSU und SPD eine Stärkung der Branche vor. Doch können Politik und Branche noch rechtzeitig gegensteuern?

Rund 3 Millionen Beschäftigte in Deutschlands Logistik tätig

Für 2017 verzeichnet die Bundesvereinigung Logistik (BVL) deutschlandweit rund 3 Millionen Beschäftigte in der Logistik. Damit ist sie nach der Automobilbranche und dem Handel der drittgrößte Wirtschaftssektor der Bundesrepublik. Noch 2013 waren es weniger als 2,8 Millionen. Einen ähnlichen Aufwärtstrend legt die Branche bei den Umsatzzahlen hin: Von 241 Milliarden Euro in 2013 stiegen die Umsätze bis 2016 auf 258 Milliarden an. Die vorläufigen Umsätze für 2017 beziffert die BVL auf 263 Milliarden Euro. Darüber hinaus konnte eine Zunahme der Start-up-Neugründungen in Deutschland und des Investitionskapitals für selbige verzeichnet werden.

Die Gründe für den Boom sind vielfältig: Die zunehmende Globalisierung, der wachsende Binnenmarkt der EU und nicht zuletzt der boomende Onlinehandel  sorgen für eine Zunahme der Warenlieferungen und machen schnelle, effiziente und vernetzte Transport- und Lagerlösungen notwendig.

Herausforderungen wie immer kürzere Lieferzeiten, kleine Zeitfenster für Lieferungen und der Wunsch nach umfassenden Trackingmöglichkeiten machen in der Branche innovative Lösungen und mehr Personal notwendig. Das fängt in der Lagerlogistik an, wo inzwischen neben von Menschenhand bedienten Elektro- und Hydraulikstaplern mit entsprechenden Hubgerüsten, die man für die vertikale Bewegung von Lasten einsetzt, verstärkt auch autonome Systeme und spezialisierte Software zum Einsatz kommen werden. In der Transportlogistik hört dieser Innovationsdrang schließlich bei umfassenden Trackingsystemen auf, die eine verstärkte Vernetzung der einzelnen Akteure innerhalb der Lieferkette ermöglichen.

Fachkräftemangel wird zunehmend zum Problem - vor allem Fahrzeugführer fehlen

Dennoch tun sich Logistikbetriebe zunehmend schwer, geeignete Fachkräfte zu finden. Im September 2017 vermeldete der Deutsche Speditions- und Logistikverband (DSLV), dass das Fachkräfteangebot nicht mit dem Branchenwachstum mithalten könne. Aktuell fehlen allein in der deutschen Logistikbranche bis zu 45.000 Fahrzeugführer - Tendenz steigend. „Zwar ziehen die Fahrerlöhne an, doch daraus generiert sich auf dem Arbeitsmarkt kein zusätzliches Arbeitskräfteangebot. Trotz nachhaltiger Lohnanpassungen steigt die Attraktivität des Berufsbilds nicht", erklärt DSLV-Präsident Mathias Krage in einer Pressemitteilung.

Die Gründe für den Fachkräftemangel im Transportwesen lassen sich schwer ausmachen. Dennoch listet der DSLV einige entscheidende Faktoren auf: So sorgen unter anderem Einsparungen in der verladenden Wirtschaft dafür, dass Fahrer zunehmend unbezahlt für das Be- und Entladen eingespannt werden. Darüber hinaus sorgt auch die schwierige Parkplatzsituation an deutschen Autobahnen neben logistischen Hürden für ein abnehmendes Interesse am Berufsbild: Viele Parkplätze sind schlecht ausgestattet, unsicher und grundsätzlich in zu geringer Anzahl für das erhöhte Verkehrsaufkommen vorhanden. Das sorgt für Frust und widrige Arbeitsumstände bei Speditionen und deren Fahrern.

Parkplatzausbau und Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel notwendig: GroKo will Abhilfe schaffen

Von Seiten der Politik, so lautet die Kritik vom DSLV, wurde diese Situation durch das Übernachtungsverbots in der Fahrerkabine während der Ruhezeiten "punktuell verschärft". CDU/CSU und SPD wollen bei einer Fortsetzung der Großen Koalition allerdings Strategien entwickeln, um dem Fachkräfte- und Parkplatzmangel entgegenzuwirken. Laut der Verkehrsrundschau sind im kürzlich beschlossenen Koalitionsvertrag unter anderem ein europaweiter elektronischer Frachtbrief, eine personelle Aufstockung des Bundesamtes für Güterverkehr sowie weitere Investitionen in den "Ausbau des Parkplatzangebots für Lkw" geplant. An der Ausweitung der Lkw-Maut für alle Bundesstraßen wollen die beteiligten Parteien festhalten. Wie und wann die einzelnen Maßnahmen umgesetzt werden und ob sie dem Mangel an Fachkräften und Lkw-Parkplätzen effektiv entgegenwirken können, bleibt allerdings abzuwarten.

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