Marketingexperte in Hamburg
Audio, Influencer und Big Data: Trends im Digitalmarketing

In Hamburg versammelt sich derzeit wieder die Digitalmarketing-Szene. Es geht um neue und alte Trends wie Audio-Anwendungen, Influencer und Microtargeting. Und um die Übermacht von US-Konzernen.

Donnerstag, 22.03.2018, 15:03 Uhr

Besucher der Messe «Online Marketing Rockstars» gehen durch die Messehallen. Zu der Veranstaltung am Donnerstag und Freitag haben sich 40 000 Besucher angekündigt. Foto: Axel Heimken

Hamburg (dpa) - Um die 40.000 Besucher tummeln sich bei den «Online Marketing Rockstars» (OMR) in Hamburg. Auf der Messe stellen große und kleine Firmen aus der Digitalszene aus. Dazu gibt es Vorträge und Workshops rund ums Digitalmarketing. Ein Blick auf Trends und Themen.

VOICE: Ob Amazon Echo oder Google Home - vernetzte Lautsprecher mit digitalen Assistenten, die aufs wort hören, sind im Trend. Hinzu kommt das Comeback der Podcasts, außerdem sprechen wir immer mehr WhatsApp-Nachrichten oder geben unserem Navigationssystem Anweisungen.

Aber woher kommt dieser Audioboom? Im Silicon Valley werde fleißig darüber nachgedacht, wie aus den wenigen Stunden, die wir ohne Screens verbringen würden, noch ein digitales Geschäft gemacht werden könne, sagt der Stuttgarter Marketing-Professor Jürgen Seitz. Für ihn ist klar: «So wie die letzten zehn Jahre das Zeitalter der Smartphones waren, kommen wir jetzt in eine Dekade der Audiodevices». Sein Tipp für die Werberszene: Marken müssten sich überlegen, wie sie klingen wollen. Nur wenige hätten ein Audio-Jingle. Die Frage könne künftig lauten: «Wie klingt Pampers?»

INFLUENCER: «Influencer sind noch immer das ganz große Ding», so der Tenor in Hamburg. Am Donnerstagmorgen schaute Model Lena Gercke vorbei. Am Nachmittag wurden noch die Zwillinge Lisa und Lena erwartet, denen bei der App Musical.ly mehr als 26 Millionen Fans folgen. «Es geht aber nicht nur um die großen Stars», sagt Influencer-Vermarkter Philipp John von ReachHero. Werbetreibenden rät er, auf Nischen-Influencer zu setzen. Zudem gebe es die breite Masse mittelgroßer Akteure. «Mit ihnen kann man schon mit vergleichsweise kleinem Budget viele Leute erreichen.» Die vielleicht interessanteste Influencerin bei den OMR ist Vreni Frost. Die 35-Jährige gestand unlängst, bei der Zahl der Follower getrickst zu haben - eine Methode die wohl nicht unüblich ist in der Szene. Frost verabschiedete sich von ihren gefakten Fans und sagt heute: «Mir geht es super. Jetzt habe ich zwar eine kleinere Reichweite, aber dafür eine echte.»

BIG DATA: Der Datenskandal um Facebook und Cambridge Analytica hat auch ins Licht gerückt, wie Big-Data-Firmen mit passgenauen Botschaften potenzielle Wähler ansprechen. So soll die Firma womöglich Donald Trump zum Sieg bei der US-Präsidentenwahl verholfen haben. Die Methode, Daten zu analysieren und Profile zu erstellen, um etwa gezielt Werbung zu verschicken, ist auch im Online-Marketing verbreitet. «Ob Cambridge Analytica die US-Wahl tatsächlich beeinflusst hat, vermag ich nicht zu beurteilen. Wenn ja, wäre das natürlich dramatisch», so OMR-Chef Philipp Westermeyer. «Aber rein technologisch ist ihre Methode nicht wirklich überraschend.» Cambridge Analytica sei schon sehr fortschrittlich, aber die Firma könne nichts, was andere nicht auch könnten. Laut dem 39-Jährigen werden Big Data und Microtargeting immer normaler. «Wir werden sehen, dass diese Dinge zum Alltag gehören, aber sie müssen innerhalb eines gesetzlichen Rahmens passieren.»

CHINA: Gäbe es ein offizielles Gastland, wäre es 2018 wohl China - das Land, das sich zur digitalen Supermacht entwickelte. «So wie man in die USA schaut, um zu wissen, was in der Branche als nächstes passiert, muss man inzwischen auch nach China schauen», sagt ein Digital-Experte. In einem Workshop wurde die chinesische Universal-App WeChat, die mehr als eine Milliarde Nutzer verzeichnet, näher gebracht. Auf einer anderen Bühne ging es darum, wie deutsche Marken den Chinas E-Commerce-Markt nutzen können. Und immer wieder fallen die Namen der Tech-Giganten Tencent und Alibaba, die ihren Börsenwert 2017 mehr als verdoppeln konnten. Allerdings warnen Kritiker regelmäßig: Kaum jemand sammele so viele Daten über seine Nutzer wie Alibaba und Tencent. Und in kaum einen anderen Land werde die Internetfreiheit so mit Füßen getreten wie in China.

GAFA: Die Abkürzung steht für die Anfangsbuchstaben von Google, Amazon, Facebook und Apple. Die US-Konzerne beherrschen die Digitalwirtschaft und zumindest die ersten drei machen ihr Geld hauptsächlich mit Daten und digitalen Marketing. Dazu kommen altbekannte Probleme wie die Übermacht der Monopolisten oder Vorwürfe der Steuerhinterziehung. Und neue Affären wie der Datenskandal um Facebook. US-Marketingprofessor Scott Galloway, der am Freitag in Hamburg auftreten wird, hat bereits ein Buch über «The Four» geschrieben. Der GAFA-Kritiker warnt vor ihrer Übermacht und fordert eine Zerschlagung der vier Konzerne.

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