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Westerkappelner Manager: Pädophilie oder Erpressung?

Dienstag, 09.03.2010, 00:03 Uhr

Westerkappeln / Münster - Der Streit zwischen dem Westerkappelner PR-Berater Norbert Essing und dem Berliner Bankmanager Harald Christ weitet sich zu einer erbitterten Fehde aus, die letztlich vor Gericht landen könnte. Christ hatte gegenüber dem „Spiegel“ Essing der versuchten Nötigung sowie der versuchten Erpressung bezichtigt. Der so Beschuldigte dreht den Spieß nun um und hat Christ bei der Staatsanwaltschaft Berlin angezeigt. Die Vorwürfe: falsche Verdächtigung, Beleidigung und Verleumdung.

Christ hatte dem Hamburger Nachrichtenmagazin gegenüber - wie berichtet - behauptet, dass Essing ihn mit dubiosen Methoden zur Fortsetzung eines hoch dotierten Beratervertrages habe zwingen wollen. Als er dazu nicht bereit gewesen sei, habe der Westerkappelner Geschäftsmann gezielt das Gerücht in die Welt gesetzt, er - Christ - sei pädophil. Dazu habe Essing ein anonymes Fax an seinen damaligen Arbeitgeber, die WestLB-Tochter Weberbank in Berlin, geschickt.

In Erklärungsnot bringt Essing eine Videoaufzeichnung vom Autobahnrasthof Nievenheim-West bei Düsseldorf, von wo das Fax laut Absenderkennung am 26. Februar 2008 um 12.15 Uhr abging. Die dortigen Überwachungskameras hatte unzweifelhaft Norbert Essing gefilmt. Dieser bestreitet nicht, dort gewesen zu sein, wohl aber, das fragliche Fax gesendet zu haben. Er wittert eine „gut konstruierte In­trige“.

Nun ist Essing zum Gegenangriff übergegangen und hat mit Datum vom 17. Februar durch seinen prominenten Anwalt, Professor Norbert Gatzweiler (Köln), Strafanzeige gestellt. Die Vorwürfe von Christ, der zum Schattenkabinett des SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier gehörte, seien „wahrheitswidrig, massiv beleidigend und verleumderisch“, führt Gatz­weiler aus, der nach Medienberichten zu den Top Ten der deutschen Wirtschaftsstrafverteidiger gehören soll. Die Behauptungen Christs im „Spiegel“ und anderen Printmedien seien geeignet, „meinen Mandanten in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen“, heißt es in der Anzeige.

Die Artikel zeigten, „dass diese ,böse Saat´ der Verleumdung auf fruchtbaren Boden gefallen ist und meinem Mandanten erheblichen Schaden zufügt.“ Auch Christ hat sich mit dem früheren Bundesinnenminister Otto Schily namhaften juristischen Beistand geholt. Er habe in der vergangenen Woche bei der Staatsanwaltschaft in Münster im Auftrag von Christ Strafanzeige wegen des Verdachts der versuchten Nötigung, der versuchten Erpressung, der Untreue, der üblen Nachrede und der Verleumdung eingereicht, teilte Schily auf Anfrage unserer Zeitung mit. Es sei nun Aufgabe der münsterische Staatsanwaltschaft, die notwendigen Ermittlungen einzuleiten und den Sachverhalt aufzuklären.

Essing betrachtet diese Anzeige als „Retourkutsche“. Die Vorwürfe würden immer absurder. „Herr Christ will offensichtlich von seinem politischen und unternehmerischen Versagen ablenken. Dafür stehe ich nicht zur Verfügung“, erklärte der 49-Jährige gestern gegenüber unserer Zeitung und ließ durchblicken, dass es „in der Geschichte“ weitere Enthüllungen geben werde.

Er jedenfalls habe sich nichts vorzuwerfen und poche deshalb auf eine juristische Klärung. Egal, wer da wen beschädigt, solche Publicity kann ein einflussreicher Berater wie Essing, der seine Fäden sonst nur im Hintergrund spinnt, eigentlich nicht gebrauchen.

Mit nachvollziehbarer Sorge beobachtet deshalb wohl auch die Gemeinde Westerkappeln die Schlammschlacht. Denn die Norbert Essing Kommunikation GmbH ist ein nicht unbedeutender Gewerbesteuerzahler, wie aus dem Rathaus zu hören ist.

Sollte dieser „ruinöse Angriff auf die Essentials seiner beruflichen Tätigkeit“, wie es Anwalt Gatzweiler formuliert, weitergehen, könnte das den Westerkappelner PR-Berater am Ende alte und neue zahlungskräftige Mandanten kosten und damit auch die Kommune bares Geld.

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