Tempolimit Ist Tempo 30 in Innenstädten eine gute Idee?

Berlin -

[Mit Voting] Diskussionen über Tempolimits haben in Deutschland Tradition. Vor 60 Jahren war es ein Kraftakt, Tempo 50 in Ortschaften durchzusetzen. Heute geht es um Tempo 30. Auch der Deutsche Verkehrssicherheitsrat hält ein Tempolimit in Innenstädten für eine gute Idee.

Von dpa
Tempo 30 bald innerorts? Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat glaubt, es sei eine gute Idee.
Tempo 30 bald innerorts? Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat glaubt, es sei eine gute Idee. Foto: Oliver Werner

„Beim Tempolimit ließe sich noch eine Menge machen. Innerorts sterben vor allem Fußgänger und Radfahrer. Es ist eine Pflicht der Kommunen, diese Menschen zu schützen“, sagte Hauptgeschäftsführer Christian Kellner der Deutschen Presse-Agentur .

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Wo Fußgänger und Kraftfahrer häufig aufeinandertreffen, muss man sich heute überlegen, ob Tempo 30 nicht sinnvoller ist.

Christian Kellner

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Verkehrssicherheit, Schadstoffe, Lärm

Vor 60 Jahren (1.9.) wurde in der Bundesrepublik Tempo 50 in Innenstädten eingeführt. „Im Lichte der Geschichte hat sich das bewährt, die Unfallzahlen sind deutlich runtergegangen“, sagte Kellner. „Wo Fußgänger und Kraftfahrer häufig aufeinandertreffen, muss man sich heute überlegen, ob Tempo 30 nicht sinnvoller ist“, ergänzte er. Es spreche aber nichts dagegen, in Städten Lebensadern für den Straßenverkehr auszuweisen, auf denen auch schneller gefahren werden darf. „Dann weiß der Fußgänger Bescheid und der Radweg verläuft am besten woanders.“

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Für messbare Effekte seien Modellversuche nötig, wie sie Niedersachsen ab 2018 plane. Dabei gehe es neben der Verkehrssicherheit auch um Schadstoffe und Lärm, erläuterte Kellner. „Wir benötigen belastbare Daten, damit nicht weiter spekuliert wird. Es geht darum, sachgerecht zu entscheiden und nicht vor irgendeiner Lobby einzuknicken.“

Kritik für Vorschlag geerntet

Umweltbundesamt-Präsidentin Maria Krautzberger hatte im April gefordert, Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit auf allen Straßen innerorts vorzuschreiben. An diesem Vorschlag gab es Kritik von Ländern und Kommunen. Das Bundeskabinett hatte im vergangenen Jahr Erleichterungen bei der Anordnung von Tempo 30 vor Schulen, Kindergärten oder Altenheimen erlassen.

Im Jahr 2016 liest sich die Verkehrsstatistik für Deutschland ganz anders. Auf den Straßen rollen 62 Millionen Fahrzeuge - aber es gibt „nur“ 3206 Verkehrstote. Die Lust auf weitere Limits ist gebremst. Nach der jüngsten Umfrage der Verkehrsforscher der Versicherer vom Sommer 2016 ist gerade mal ein Drittel der Deutschen für Tempo 30 in Städten. 42 Prozent können sich für Tempo 80 auf Landstraßen erwärmen und fast die Hälfte (48 Prozent) für eine generelle 130-Grenze auf Autobahnen.

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Es ist sehr wichtig, ob Kraftfahrer bereit sind, Tempo 30 innerorts als Regel zu akzeptieren. Und das sind sie offensichtlich nicht.

Siegfried Brockmann

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Gigantischer Kontrollaufwand befürchtet

„Es ist sehr wichtig, ob Kraftfahrer bereit sind, Tempo 30 innerorts als Regel zu akzeptieren. Und das sind sie offensichtlich nicht“, sagt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer. Tempo 30 bedeute deshalb einen gigantischen Kontrollaufwand. „Oder es bleibt ein Papiertiger.“

Möglicherweise gebe es weniger Unfälle bei weniger Tempo, ergänzt er. „Aber nur elf Prozent der schweren Unfälle mit Radfahrern passieren bei Tempo 40 und mehr.“ Beim Löwenanteil machten Kraftfahrer Fehler bei Abbiegen, Parken, Türöffnen oder Rückwärtsfahren. Mehr Potenzial für weniger schwere Unfälle liege mit Tempo 30 bei den Fußgängern - rund 30 Prozent.

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