Schwimmer als Frauenbeglücker „Wonder Wheel”: In seinem 48. Film fällt Woody Allen nicht mehr allzu viel Neues ein

Coney Island, das ist der nostalgische Traum von einem alten New York, das es so nicht mehr gibt: Der Vergnügungspark am Küstensaum von Brooklyn war bis Mitte des 20. Jahrhunderts der lebhafteste Ort der Stadt, heute dämmert er als trübe Casinomeile vor sich hin. Woody Allen begibt sich in seinem 48. Film nun ein weiteres Mal an diesen weltentrückten Platz: Schon sein „Stadtneurotiker“ wuchs ja unter dessen ratternder Achterbahn auf.

Von Gian-Philip Andreas
Kellnerin Ginny (Kate Winslet, l.) und Kollegin Carolina (Juno Temple) lassen sich allzu gern mit einem smarten Rettungsschwimmer ein.
Kellnerin Ginny (Kate Winslet, l.) und Kollegin Carolina (Juno Temple) lassen sich allzu gern mit einem smarten Rettungsschwimmer ein. Foto: Mars Films

Im Schatten des Riesenrads und vor der Kulisse der Fünfziger fächert der 82-jährige Regisseur ein Beziehungsdrama von Tennessee-Williams-Format auf. Die nicht mehr ganz junge Kellnerin Ginny ( Kate Winslet , „Zwischen zwei Leben“) verharrt in freudloser Ehe mit dem Karussellbesitzer Humpty: Den verkörpert, mit Wampe im Marlon-Brando-Gedächtnis-Feinripp, kein Geringerer als Jim Belushi, der nach endlosen Jahren in der B-Film-Schleife derzeit eine Art Wiederauferstehung feiert („Twin Peaks“). Auftritt Justin Timberlake: Der smarte Sänger gibt den Rettungsschwimmer Mickey, der sich erst mit Ginny, dann auch mit der jüngeren Carolina (Juno Temple, „Vinyl“) einlässt, Humptys Tochter aus erster Ehe, die sich auf der Flucht vor Mafiosi befindet.

Allen lässt Mickey als Erzähler durch die Eifersuchts- und Ganovenposse führen, in der nicht viel Bemerkenswertes geschieht, Winslet sich aber immerhin von waidwunder Melancholie in rasend intrigante Betriebsamkeit steigern darf. Die Kameraarbeit von Altmeister Vittorio Storaro („Apocalypse Now“) ist stark: Gülden verfängt sich das Fifties-Licht in Winslets Locken, nostalgisch blinken die Lichter der Fahrgeschäfte. Doch wirklich packend ist der Film nicht. Das Drehbuch schleppt sich bleiern und ohne viele Lacher von hier nach dort, auf plastische Figuren und Bonmots wartet man vergeblich.

Es ist Allens schwächster Film seit Jahren, und noch ein anderer Schatten liegt auf ihm, der die Freude daran nicht gerade steigert: Im Zuge der wieder hochgekochten (und unbewiesenen) Missbrauchsvorwürfe gegen den Regisseur haben sich Darsteller aus seinen Filmen, etwa Ellen Page und Greta Gerwig (aus „To Rome With Love“) sowie David Krumholtz (aus „Wonder Wheel“) von Allen distanziert.   

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