Einmal noch zu Hemingway „Das Leuchten der Erinnerung“: Melancholisches Roadmovie-Duett zweier Legenden

Seit fünfzig Jahren sind John und Ella Spencer zusammen, ihre Liebe ist nie erloschen. Doch jetzt leidet John an Alzheimer, so stark, dass er ins Heim soll, und auch Ella geht es nicht gut. Ohne ihre Kinder in ihren Plan einzuweihen, setzt sich das Ehepaar also eines Tages in sein klappriges Wohnmobil (den ­„Leisure Seeker“, also Mußesucher, aus dem Originaltitel), um eine letzte gemeinsame Reise zu unternehmen.

Von Gian-Philip Andreas
John (Donald Sutherland) und Ella (Helen Mirren) reisen die Ostküste entlang.
John (Donald Sutherland) und Ella (Helen Mirren) reisen die Ostküste entlang. Foto: dpa

Immer entlang der amerikanischen Ostküste soll es gehen, bis hinab nach Florida und dann raus nach Key West. Einmal im Leben will Paul, passionierter Englischlehrer im Ruhestand, das dortige Haus von Ernest Hemingway besuchen. Und damit er das überhaupt noch mitbekommt, muss es jetzt sein. Jetzt sofort.

Damit beginnt ein tragikomisches Roadmovie für die Ü60-Zielgruppe, das der italienische Regisseur Paolo Virzì („Das ganze Leben liegt vor dir“, „Die Überglücklichen“) in seiner ersten englischsprachigen Arbeit verschmunzelt und doch mit Träne im Knopfloch eingerichtet hat. Wo aber der Plot (nach einem Roman von Michael Zadoorian) durchaus mal auf die Kitschtube drückt, halten sich die beiden formidablen Hauptdarsteller mit Sentimentalitäten angenehm zurück: Donald Sutherland (der im März den Ehren-Oscar erhalten wird) verzichtet als John dankenswerterweise auf alle Demenzkrankenklischees, und Helen Mirren („The Queen“) ringt als Ella resolut um jede verschüttete Erinnerung ihres Gatten, die sie mit alten Dias und permanenter Befragung wieder hervorkitzelt.

Wie sich die beiden Alten altvertraut begranteln und eifersüchtelnd kabbeln, das ist wunderschön anzuschauen, auch wenn Virzì die Reise, auf der letztlich nichts wirklich Überraschendes geschieht, ein wenig zu sehr in die Länge zieht – etwa mit der Parallelhandlung um die Spencer-Kinder, die leider wenig Aufregendes bietet.  

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