Verschmitzter Business-Hallodri „Greatest Showman”: Hugh Jackman brilliert in allzu glattem Zirkusmusical

Phineas Taylor Barnum war ein Geschäftsmann von exquisiter Windigkeit und das Kuriositätenkabinett, das er 1842 in New York eröffnete, der beste Beweis: Die „älteste Frau der Welt“ war, wie sich herausstellte, zum Zeitpunkt ihres Todes bloß 80. Vermeintlich sensationell aufgespürte „Aztekenkinder“ hatte er aus einer Psychiatrie ausgeliehen, und dass sein „echter Kaspar Hauser“ wirklich echt war, darf bezweifelt werden. Das Wort „Barnumiade“ stand synonym für Augenwischerei.

Von Gian-Philip Andreas
Phineas Taylor Barnum (Hugh Jackson) hat eine nette Frau (Michelle Williams) und kecke Ideen.
Phineas Taylor Barnum (Hugh Jackson) hat eine nette Frau (Michelle Williams) und kecke Ideen. Foto: dpa

Man hätte also einen spannenden Film über P. T. Barnum und seine schillernden Ambivalenzen drehen können, doch Regiedebütant Michael Gracey hatte eher ein schmissiges Musical im Sinn. Das ist okay, schließlich bewies „La La Land“ jüngst, dass dieses Genre heutzutage auch auf der Leinwand noch bestens funktionieren kann und nicht nur als ohrwurmende Bespaßungsware in Touri-Theatern.

Barnum kommt in dieser Überwältigungssause also nur mäßig windig rüber – Hugh Jackman spielt ihn eher charmant verschmitzt als Business-Hallodri, dessen Gaunereien man bewundern soll. Sogar zum Vorreiter der Gleichberechtigungsbewegungen wird er albernerweise stilisiert. Wie gut Jackman singen kann, wissen alle, die ihn sonst nur als grimmigen Schlitzhand-Mutanten Wolverine von den „X-Men“ kennen, spätestens seit „Les Misérables“. Als Barnum steppt er hier mit Frack und Zylinder staunenswert mühelos durch die ausgefuchstesten Choreografien.

Die Musiknummern zieht Gracey mit kalter Perfektion durch, leider verzichten die Songs selbst auf jede Nostalgie. Es dröhnt hochglanzpolierter, seelenloser Charts-Pop – erstaunlich, zeichnen doch mit Benj Pasek und Justin Paul die Komponisten der tollen „La-La-Land“-Songs dafür verantwortlich.

Der Plot verdichtet die Wendepunkte aus Barnums Leben auf einen kurzen Zeitraum, in dessen Mittelpunkt der Durchbruch des Zirkuspioniers steht, samt Tournee mit der schwedischen Sängerin Jenny Lind, gefolgt von verheerenden Bränden, Ruin und Rettung. Leider wirken die anderen Figuren, darunter Zac Efron („Für immer Single?“) als Theaterdichter Carlyle, nur halbherzig ausgearbeitet, und mit Michelle Williams („Manchester By The Sea“) als Barnums Frau kann Gracey sträflicherweise gar nichts anfangen. So bleibt’s am Ende beim bunten, lauten Musikvergnügen: Unnötig oberflächlich ist es, aber Laune macht es schon.  

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