Nichtsnutz wird Mitmensch „Dieses bescheuerte Herz“: Humorvolle und anrührende Geschichte um Lotterleben und Verantwortung

Das hätte man kaum erwartet. Der deutsche Film bringt zum Jahresende mit „Dieses bescheuerte Herz“ eine Mainstreamkomödie zustande, die mit Humor und Tiefgang von einem Nichtsnutz erzählt, der durch die Begegnung mit einem jungen Herzkranken zum Mitmensch wird und Verantwortung lernt.

Von Hans Gerhold
Dem Hochhaustyrannen haben sie gerade einen Streich gespielt: Zwischen Lenny (Elyas M‘Barek, l.) und David (Philip Noah Schwarz) entsteht eine Freundschaft, die vieles verändert.
Dem Hochhaustyrannen haben sie gerade einen Streich gespielt: Zwischen Lenny (Elyas M‘Barek, l.) und David (Philip Noah Schwarz) entsteht eine Freundschaft, die vieles verändert. Foto: Jürgen Olczyk/dpa

Das ist natürlich kalkuliert und mit leicht veränderten Vorzeichen eine Mischung aus dem kürzlich gelaufenen und etwas untergegangenen deutschen „Simpel“ und der französischen Erfolgskomödie „Ziemlich beste Freunde“. Der Hochglanz der filmischen Bilder bleibt, aber die auch wahre Story funktioniert und bewegt.

Lenny ( Elyas M’Barek ) ist die Sorte Sohn, Erbe, abgebrochener Student und Partykönig, die mit Koma-Saufen, Drogen und Abhängen in Münchner Discos arbeitsscheu den Tag und amüsierwütig die Nacht bewältigt. Als der reiche Chefarztsohn den Audi R8 in den Pool von Vaters Villa versenkt, sperrt Daddy (Uwe Preuß) die Kreditkarten, droht mit Enterbung und zwingt Lenny, sich um den 15-jährigen David (Noah Philip Schwarz) zu kümmern.

Der ist mit angeborenen Herzfehlern, Sauerstoffgerät, Notarztwagen und Pendeln zwischen Hospiz und Wohnung in einem Hochhaus geplagt. Erst widerwillig, dann mit zunehmender Bereitschaft, sich des Sorgenkinds anzunehmen, arbeitet Lenny Davids Wunschliste ab, auf der außer coolen Klamotten, neuem Handy und Fahren im Sportwagen eine Aufnahme in einem Tonstudio (Lenny hat so einen Freund) und das Begehren stehen, einmal ein Mädchen nackt zu sehen (ab zur Stripperin), ohne dass Mama (Nadine Wrietz) davon erfährt.

Freunde werden Lenny und David sowieso, aber der Film von Marc Rothemund („Mein Blind Date mit dem Leben“) macht es sich nicht leicht und zeigt auch die Kehrseite der Medaille in den Szenen im Hospiz.

Die Chemie zwischen dem großen und dem kleinen Jungen stimmt auch darstellerisch. Philip Noah Schwarz, ein Naturtalent mit schönen ausgelassenen lebensoptimistischen Momenten, treibt M’Barek (die „Göhte“-Trilogie) zu einer Leistung, die man nicht unbedingt erwartet hätte. Sympathisch.

 

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