Meine schöne innere Sonne Je größer die Auswahl . . .

Die französische Regisseurin Claire Denis ist für ihre postkolonialistisch grundierten Charakterstudien bekannt („Beau Travail“), aber sicher nicht für Komödien. Gerade deshalb durfte man gespannt sein, wie sie ihre erste „RomCom“ aufzieht. 

Von Gian-Philip Andreas
Juliette Binoche spielt, was sie selbst ist: eine attraktive und erfolgreiche Künstlerin über 50.
Juliette Binoche spielt, was sie selbst ist: eine attraktive und erfolgreiche Künstlerin über 50. Foto: dpa

Die Antwort: Sie dekonstruiert das Genre, indem sie es fast naiv bedient, was kein Wunder ist, da sie sich dafür von den „Fragmenten einer Sprache der Liebe“ inspirieren ließ, einem Essay des französischen Philosophen Roland Barthes , den distinktionsbewusste Schöngeister gern vor sich auf dem Cafétisch platzieren.

Juliette Binoche spielt das, was sie selbst ist, eine attraktive und erfolgreiche Pariser Künstlerin über fünfzig, aller finanziellen Sorgen ledig. Ihre Isabelle ist in diesem Film nur eins: auf der Suche nach der wahren Liebe, also dem richtigen Mann. Der bärige Banker? Der egomane Schauspieler? Der distinguierte Galerist? Der ungelenke Typ aus der Vorstadt? Oder doch ihr Ex-Mann? Das sind noch nicht alle. Denis und Binoche deklinieren Barthes‘ Überlegungen in simplen Szenenfolgen durch, bis alles in einer absurden Sequenz beim wirr pendelnden Hellseher (Gérard Depardieu!) kulminiert: Der gibt Isabelle den weisen und fürstlich bezahlten Rat, doch einfach abzuwarten.

Das dürfte sich für manche nach filmischem Horrortrip anhören, ist aber, lässt man sich drauf ein, als Studie amouröser Suchbewegungen von hohem Reiz: Claire Denis, aus der in diesem Leben keine schlechte Regisseurin mehr wird, legt durch ihre absolute Konzentration aufs tragikomische Liebes-Thema (es gibt keinen einzigen Nebenplot) das Allgemeingültige frei. Ein Experiment, gleichzeitig streng und luftig. Sehenswert.  

Leserkommentare
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