Allein unter Weißen „Suburbican“: Überambitioniert

In Suburbicon sind die Palisadenzäune so weiß wie die Bewohner: Ende der Fünfzigerjahre steht diese typisierte amerikanische Vorstadtsiedlung für Ruhe, Friedfertigkeit, Nachbarschaftlichkeit und Optimismus. Solange niemand aus der Reihe tanzt. Man kennt das aus Kleinstadtsatiren wie „Pleasantville“.

Von Gian-Philip Andreas
Margaret (Julianne Moore) versteht sich gut mit ihrem verwitweten Schwager Gardner (Matt Damon).
Margaret (Julianne Moore) versteht sich gut mit ihrem verwitweten Schwager Gardner (Matt Damon). Foto: dpa

Die Familie Lodge ist eben erst nach Suburbicon gezogen, da kommt es schon zur Katastrophe: Ihr Haus wird von zwei Räubern überfallen, dabei kommt die an den Rollstuhl gefesselte Mutter Rose ( Julianne Moore ) ums Leben. Zwillingsschwester Margaret (auch Moore) dient in der Folgezeit ihre Hilfe an und scheint sich mit Witwer Gardner (Matt Damon) verdächtig gut zu verstehen. Kein Wunder, dass bald Versicherungsdetektiv Bud Cooper (Oscar Isaac, „Inside ­Llewyn Davis“) vor der Tür steht. Rose wird nicht die einzige Tote bleiben.

George Clooney , der sich als Schauspieler immer rarer macht, verfilmte hier ein unrealisiertes Drehbuch der Coen-Bruder aus den Achtzigern, folglich tauchen viele Elemente auf, die man aus Coen-Filmen wie „Fargo“ oder „A Serious Man“ kennt: der sich in die Bredouille manövrierende Biedermann, die plötzliche Gewalt von slapstickhafter Heftigkeit, die tumben Ganoven, der satirische Blick aufs Spießer-Amerika (dem „Bourne“-Star Damon hier, mit Retro-Oberbalkenbrille, lustvoll Gestalt gibt) und natürlich Julianne Moore, die durch „The Big Lebowski“ Coen-Erfahrung hat.

Clooney ergänzte den Plot zudem um einen zweiten Handlungsstrang. Neben den Lodges zieht eine schwarze Familie ein, was prompt einen wütenden weißen Rassistenmob auf den Plan ruft. Das ist als Kommentar auf aktuelle Vorfälle im Trump-Amerika angelegt, dramaturgisch aber keine allzu gute Idee: Bis zur schön fiesen Schlusspointe laufen beide Erzählstränge nebeneinander her und nehmen sich gegenseitig den Wind aus den Segeln. Blutige Satire? Rassimus-Drama? Gaunerkomödie? Clooney kann sich nicht entscheiden, entsprechend halbgar ist das Ergebnis: Der Tonfall stimmt nicht. Was schade ist, denn da war mehr drin.  

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