Ach du lieber Donnergott! „Thor – Tag der Entscheidung“: Der dritte Teil der Comic-Saga überrascht mit Witz und Originalität

Als Chris Hemsworth im Jahr 2011 unter der Regie von Kenneth Branagh als nordischer Donnergott Thor den Hammer schwang, war der Sohn von Odin eine willkommene Abwechslung im ausufernden Universum der Marvel-Comic-Helden. 

Von Hans Gerhold
Titelheld Thor (Chris Hemsworth, 2. v. l.) hat jetzt zwar kurze Haare, aber dafür ulkige Helfer: den riesigen Hulk (Mark Ruffalo), die trinkfeste Valkyrie (Tessa Thompson) und Bruder Loki (Tom Hiddleston).
Titelheld Thor (Chris Hemsworth, 2. v. l.) hat jetzt zwar kurze Haare, aber dafür ulkige Helfer: den riesigen Hulk (Mark Ruffalo), die trinkfeste Valkyrie (Tessa Thompson) und Bruder Loki (Tom Hiddleston). Foto: dpa

Der Australier punktete durch seine sympathische Natürlichkeit und eine milde Selbstironie, die durch Thors Kulturschock auf der Erde glaubhaft wurde. Im zweiten Teil (2013, ohne Branagh ) geriet der Mann aus dem Königreich Asgard in eine zu ernste Schlachtplatte mit bösen Elfen und musste auch noch zweimal in der Rabaukentruppe „The Avengers“ mitarbeiten, wo er als der beste der kämpfenden Rüpel ins Leere lief.

Gut, dass Hemsworth und der neuseeländische Regisseur Taika Waititi („5 Zimmer Küche Sarg“) Thor im dritten Teil ein neues Profil verleihen. Nach rund 40 Minuten, in denen er zwischen Asgard, Wurmlöchern und dem Schrott-Paleten Sakaar umherirrt, hat Thor nicht nur die blonde Matte (der Samson-Effekt) verloren, die ihm von Marvel-Meister Stan Lee persönlich im Gastauftritt abgesäbelt wird.

Ihm wird noch dazu von seiner bösen Schwester, Todesgöttin Hela (Cate Blanchett schön zynisch, aber unter Tonnen von Make-Up kaum erkennbar), der Hammer zerbröselt, was die Zuversicht des Alpha-Mannes zum Glück nur wenig stört. Gewinnend komisch tritt er als Gladiator gegen Hulk/Bruce Banner (Mark Ruffalo) an, man verbündet sich, und der Film wird zunehmend zum Buddy Movie, weil sogar Bruder Loki (Tom Hiddleston) mitmischt.

Witz und szenische Originalität also sind die Zutaten des Abenteuers, das im Original „Thor: Ragnarök“ heißt und damit die Götterdämmerung heraufbeschwört, wenn es Asgard buchstäblich an die Fundamente geht. Für die sich dem Zeitgeist anbiedernde Gendermasche sorgt Jeff Goldblum als schwuler Grandmaster der Gladiatoren, in dessen Orgien-Raumschiff Thor wegdüst.

Für Spaß im Stil der „Guardians of the Galaxy“ stehen der zerbröckelnde Steinriese Cork und die stets betrunkene Valkyrie (Tessa Thompson), an deren viel zu kurzem Walkürenritt Wagner kaum Freude gehabt hätte. Genug Kulturgut: Der dritte Thor überrascht mit Humor und Originalität als schwer unterhaltsamer Blockbuster.  

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