Aussteiger auf Tahiti „Gauguin“: Ein weiteres solides Künstlerporträt in schönen Bildern

Ihr Künstlerstreit war eine zentrale Szene im Film „Vincent van Gogh – ein Leben in Leidenschaft“, wo Anthony Quinn (Paul Gauguin) und Kirk Douglas (Van Gogh) die Wegbereiter moderner Malerei spielten. Gegenüber dem ekstatischen Gestus des großen Melodrams kommt „Gauguin“ als Abenteuerfilm und Künstlerporträt bescheidener daher und setzt auf Hauptdarsteller Vincent Cassel, der als getriebener Künstler zwischen Anspruch und Realität überzeugt.

Von Hans Gerhold
Grübler über Bildern: Paul Gauguin (Vincent Cassel) flüchtet in der Krise nach Tahiti.
Grübler über Bildern: Paul Gauguin (Vincent Cassel) flüchtet in der Krise nach Tahiti. Foto: dpa

Regisseur Edouard Deluc konzentriert sich auf den ersten Südsee-Aufenthalt von Gauguin (1848 – 1903), der sich, finanziell am Ende und künstlerisch in der Sackgasse, 1891 von der Familie trennt. Doch Tahiti ist damals schon europäisiert und kolonialisiert. Gauguin flüchtet in eine Hütte 40 Kilometer von der Hauptstadt Papeete, wo die berühmten leuchtenden Bilder mit jungen nackten Frauen entstehen, von denen die 13-jährige Tehura (Tuhei Adams) Gauguins Geliebte, Muse und Mutter seiner Kinder wird.

Cassel spielt den Maler und Aussteiger, dessen Lebenshunger mit Not, Armut und Krankheit schwer kollidiert, grandios als verzweifelte Seele, die von Zwängen der Umwelt zerstört wird und sich die Idylle, die es nie gab, erträumt. Demgegenüber fallen die glatten Bilder des Films, der kritische Fragestellungen umgeht, ab und kommen nur als schöne Landschaften daher. Wieder nur ein solides Künstlerporträt.  

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