Kino-Kritik „Sommerhäuser“: Datschendrama

In Sonja Maria Kröners preisgekröntem Debütfilm, der Anfang Oktober auch das Filmfestival Münster eröffnete, geht es zurück in den Jahrhundertsommer 1976. Wochenlang Sonne, träges Zeitverplempern ohne Smartphone und Internet: Wie fern das alles scheint. 

Laura Tonke fährt, die anderen Familienmitglieder fühlen sich offenbar unwohl dabei.
Laura Tonke fährt, die anderen Familienmitglieder fühlen sich offenbar unwohl dabei. Foto: Prokino

Drei Generationen einer Münchner Großfamilie treffen sich Wochenende für Wochenende im riesigen, von Wespen umsurrten Garten der just verstorbenen Matriarchin und geraten sich dabei subtil in die Haare: Soll das Areal mit den Sommerhäusern verkauft werden oder nicht?

Der Film folgt in formschön gleitenden, sonnendurchfluteten, zeittypisch gelbstichigen Bildfolgen mal den Kindern, mal den Erwachsenen, zeichnet nuanciert ihre Stimmungen und Verbitterungen nach und flicht gar Elemente eines Gruselkrimis ein: Ein Kindermörder geht um. Ist eventuell der Künstler-Sonderling aus dem verwilderten Nachbargarten der Täter, der abgeschnittene Puppenköpfe in die Bäume hängt?

Kröner inszeniert diesen „Tschechow am Ammersee“ dramaturgisch ungewöhnlich, weil frei fließend, mal komisch, mal bitter. Das Darstellerensemble, darunter Günther Maria Halmer, Ursula Werner, Laura Tonke und Mavie Hörbiger, spielt stark auf. Sehenswert. 

Leserkommentare
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5249512?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F201%2F1819671%2F