Vom Täuschen und Tarnen „Die Unsichtbaren“: Vier jüdische Schicksale in einem packenden Dokudrama

Als die Reichshauptstadt Berlin von den Nazis im Kriegsjahr 1943 offiziell für „judenrein“ erklärt wurde, lebten noch rund 7000 Juden untergetaucht, illegal und versteckt in der Metropole. Im Drama „Die Unsichtbaren“ verfolgt Regisseur und Drehbuchautor Claus Räfle, der sich mit Dokumentationen zur deutschen Geschichte einen Namen machte, vier der authentischen und von den damaligen Behörden nicht erfassten Schicksale.

Von Hans Gerhold
Hanni Lévy (Alice Dwyer) spaziert, als blonde Arierin getarnt, über den Kudamm in der Reichshauptstadt Berlin.
Hanni Lévy (Alice Dwyer) spaziert, als blonde Arierin getarnt, über den Kudamm in der Reichshauptstadt Berlin. Foto: Tobis

Da ist Hanni Lévy ( Alice Dwyer ), die sich blondieren lässt, um unerkannt über den Kudamm spazieren und Tag für Tag überleben zu können. Cioma Schönhaus (Max Mauff) fälscht Personalausweise und rettet Dutzenden das Leben. Eugen Friede (Aaron Altaras) verteilt Flugblätter und versteckt sich in der Uniform der Hitlerjugend bei einer deutschen Familie. Ruth Arndt (Ruby O. Fee) schließlich tarnt sich als Kriegerwitwe und serviert deutschen Offizieren Delikatessen – vom Schwarzmarkt.

Die stillen Helden, die ihre Identitäten tarnen und täuschen, begegnen einander nie, was der Film mit durchweg gut getimten Parallelmontagen erzählt, die eine ständige Spannung aufbauen und das Klima der permanenten Bedrohung und plötzlichen Schicksalswendungen stimmig zeichnen.

Ein Gutteil des Gelingens geht auf das Konto der vier talentierten Jungschauspieler, die sich für weitere Aufgaben empfehlen, so Alice Dwyer, die ohne Dialog die lebensbedrohliche Einsamkeit der Illegalen vermittelt. In seiner letzten Rolle ist der kürzlich verstorbene An­dreas Schmidt („Sommer vorm Balkon“) als Familienvater zu sehen, der Eugen aufnimmt (wie Jacqueline Bisset mit Jürgen Prochnow in „Versteckt“) und Flugblätter verteilt (wie Brendan Gleeson und Emma Thompson in „Jeder stirbt für sich allein“). Vor dem Hintergrund des Widerstands gegen die Judenverfolgung ist „Die Unsichtbaren“ auch ein Tribut an die Arbeit der Gedenkstätte Stille Helden in Berlin, die die Produktion unterstützte.  

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